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Amazons „Alexa“ lauscht jedem Gespräch, um auf das Codewort „Alexa“ reagieren zu können. Die Daten, die dabei anfallen, finden auch die Innenminister interessant.

Smart Home

„Alexa“ als Zeugin vor Gericht? Innenminister wollen Smart-Home-Daten als Beweismittel zulassen

Die Sprachinhalte, die Assistenten wie „Alexa“ aufzeichnen, wollen sich die deutschen Innenminister zunutze machen.

Jeder zehnte Deutsche nutzt smarte Lautsprecher - und hat damit quasi einen digitalen Spion in seinem Zuhause stehen. Smarte Geräte wie Amazons „Alexa“ oder „Google Assistant“ belauschen dauerhaft ihre Umgebung, um auf ein Codewort wie „Alexa“ oder „Ok Google“ reagieren zu können. Kein Wunder, dass sich nun auch die deutschen Innenminister für das interessieren, was smarte Geräte – dazu zählen neben den Sprachassistenten auch Fernseher, Kühlschränke oder intelligente Stromzähler – aufzeichnen.

Bund und Länder wollen digitale Spuren aus dem Smart Home als Beweismittel vor Gericht zulassen. Das geht aus einer Beschlussvorlage Schleswig-Holsteins für die Innenministerkonferenz (IMK) hervor, die dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) vorliegt. Demnach sollen digitale Spuren künftig nach richterlicher Anordnung gesichtet und ausgewertet werden dürfen. Die Innenminister wollen bei einer Konferenz im Herbst verfassungsrechtliche Bedenken ausräumen. Digitalen Spuren käme eine „immer größere Bedeutung“ bei der Aufklärung von Kapitalverbrechen und terroristischen Bedrohungslagen zu, heißt es demnach in der Beschlussvorlage.

Der Aufschrei von Datenschützern dürfte nicht lange auf sich warten lassen: „Alexa“ und Co. sind bei ihnen bisher schon nicht sonderlich beliebt – aus guten Gründen. Stiftung Warentest warnte in einem Test vom April vor Sprachassistenten: Nutzer würden „einen gehörigen Teil“ ihrer Privatsphäre aufgeben, heißt es darin. Außerdem erkenne man anhand der Datenschutzerklärungen kaum, was mit den Daten geschehe, grundlegende Prinzipien des strengen europäischen Datenschutzrechts seien bei Amazon („Alexa“), Apple („Siri“) und Google („Google Assistant“) nicht angemessen umgesetzt. Ebenfalls im April wurde bekannt, dass Amazon-Mitarbeiter zum Teil die aufgezeichneten Befehle an „Alexa“ anhören und abtippen – um die Spracherkennung weiter zu verbessern.

„Alexa“ und andere Smart-Home-Geräte sammeln viele Informationen

Es ist nicht das erste Mal, dass die Daten eines digitalen Assistenten Begehrlichkeiten wecken: Wie fr.de* damals berichtete, wurde bereits Ende 2016 ein Fall aus den USA bekannt, bei dem von „Alexa“ aufgezeichnete Gespräche der Polizei im US-Bundesstaat Arkansas bei der Aufklärung eines Mordfalls helfen sollten. Ein Mann wurde damals des Mordes verdächtigt, am Fundort der Leiche befand sich auch ein Amazon Echo, auf dem „Alexa“ installiert ist. Die Polizei beschlagnahmte den smarten Lautsprecher des Mannes und stellte die Daten aus dem Gerät sicher. Auch die Daten, die „Alexa“ bereits an Amazon-Server übertragen hatte, wollte die Polizei einsehen, doch Amazon weigerte sich zuerst, die Daten herauszugeben. Erst nachdem der Verdächtige der Herausgabe zugestimmt hatte, konnten die Daten genutzt werden.

Durch andere Smart-Home-Geräte am Tatort hatten die Ermittler bis dahin längst wertvolle Informationen erhalten: intelligente Heizungsthermostate, ein drahtloses Wettersystem und ein intelligenter Wasserzähler befanden sich noch im Haus. Alleine durch den Wasserzähler konnten die Ermittler auf Informationen zugreifen, die sie sonst nicht so leicht bekommen hätten: In der Tatnacht wurden zwischen ein und drei Uhr nachts 530 Liter Wasser im Haus verbraucht – ein wesentlich höherer Verbrauch als in anderen Nächten.

Von Tanja Banner

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