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Da steht die Uhr still, der Countdown wird abgebrochen, 56 Minuten und 24 Sekunden vor dem geplanten Start.

„Chandrayaan-2“-Mission

Zweiter Versuch: Raketenstart der indischen Mission „Chandrayaan-2“ für Montag geplant 

Die technischen Probleme sind behoben, dem Start der indischen Mondlandemission „Chandrayaan-2“ steht deshalb nichts mehr im Wege. Am 22. Juli soll es soweit sein.

Update, 18.7.2019, 13.40 Uhr: Nach dem Abbruch der ersten indischen Mondlandemission Anfang der Woche will Indien am Montag, dem 22. Juli, einen erneuten Versuch starten. Der Raketenstart der Mission „Chandrayaan-2“ sei für 14.43 Uhr Ortszeit (11.13 MESZ) angesetzt, teilte die indische Weltraumbehörde Isro auf Twitter mit.

Der ursprüngliche Start war am Montag abgebrochen worden. Medien berichteten unter Berufung auf Isro-Vertreter, es habe ein Leck in einem Heliumtank gegeben. Laut der Weltraumbehörde wurde die Ursache des technischen Problems inzwischen ausgemacht und behoben. Nun funktioniere das System wieder normal.

Update, 15.7.2019, 6.15 Uhr: Der Start der indischen Mondmission „Chandrayaan-2“ wird verschoben. 56 Minuten standen noch auf dem Countdown-Zähler, als der Start am frühen Montagmorgen (Ortszeit) abgebrochen wurde. Die indische Raumfahrtorganisation Isro nannte ein „technisches Problem“ als Grund für den Abbruch, man wolle auf Nummer sicher gehen. Ein neuer Starttermin soll demnächst bekanntgegeben werden.

Indien will auf den Mond

Erstmeldung, 4. Juli 2019: Als die israelische Raumsonde „Beresheet“ im April zur Landung auf dem Mond ansetzte, hätte sie Geschichte schreiben können: Israel wäre mit der Landung das erst vierte Land geworden, dem eine weiche Landung auf dem Mond gelang. Doch die Landung ging schief*, die Sonde war verloren. Nun unternimmt das nächste Land einen Anlauf, hinter Russland, den USA und China die Nummer vier auf der prestigeträchtigen Liste zu werden: Indien.

Nach mehreren Verschiebungen - ursprünglich sollte die Mission bereits 2011 starten - steht jetzt der Starttermin fest: Am Sonntag, den 14. Juli um 23:51 Uhr deutscher Zeit soll die Mondmission „Chandrayaan-2“ („Chandra“ = Mond, „Yaan“ = Vehikel) vom Satish Dhawan Space Centre auf der indischen Insel Sriharikota zum Mond aufbrechen. Zum Einsatz kommt dabei eine indische Trägerrakete vom Typ „GSLV Mk III“. Die soll die Raumsonde, die eigentlich aus drei Teilen besteht, auf den Weg zum Mond befördern. Dort soll der Lander der Raumsonde voraussichtlich am 6. September auf dem Boden des Mondes aufsetzen.

„Chandrayaan-2“ besteht aus Mond-Orbiter, Lander und Rover

Die Mission „Chandrayaan-2“ besteht aus insgesamt drei Teilen: Ein Orbiter soll ein Jahr lang den Mond umkreisen. Dabei wird er mit insgesamt acht wissenschaftlichen Frachten die Oberfläche des Mondes kartieren und die Exosphäre des Mondes untersuchen. Der Lander „Vikram“ hat drei wissenschaftliche Instrumente an Bord, mit denen er „das Verständnis der Mondoberfläche erweitern“ soll. Unter anderem soll er Mondbeben und die Temperatur des Mondbodens messen. Auch ein Instrument der Nasa befindet sich an Bord des Landers.

Eine indische GSLV-Trägerrakete steht vor dem Satish Dhawan Space. (Archivbild)

Der ebenfalls zur „Chandrayaan-2“ gehörende Rover „Pragyaan“ soll bis zu 500 Meter auf dem Mond zurücklegen können. Sowohl der Rover als auch der Lander sollen einen Mondtag (etwa 14 Tage) überstehen können.

Start der Mond-Mission „Chandrayaan-2“: Live-Stream um 23.00 Uhr

Rover soll den Südpol des Mondes erkunden

Der 27 Kilogramm schwere Rover, der sich mit Hilfe von sechs Rädern fortbewegen wird, soll den Südpol des Mondes erkunden. Diese Gegend interessiert Forscher besonders, weil dort in tiefen, schattigen Kratern Wassereis lagert. Außerdem gibt es an den Rändern der Krater beinahe dauerhaft Sonnenlicht. Wasser und Sonnenlicht - das sind zwei Elemente, die für eine bemannte Mission zum Mond oder gar eine dauerhafte Ansiedlung auf dem Erdtrabanten von zentraler Bedeutung sind.

Indien will als vierte Nation auf dem Mond landen

Die Mission, die sich die Inder vorgenommen haben, ist nicht einfach. Weiche Landungen auf dem Mond sind bisher erst drei Nationen gelungen, von 38 Versuchen, weich auf dem Mond zu landen, sind bisher nur etwas mehr als die Hälfte nicht gescheitert. Die indische Raumfahrtorganisation ISRO sieht vor allem die Landung als „technische Herausforderung“: Der abbremsbare Antrieb, der die Landung mit einer niedrigen Geschwindigkeit möglich machen soll, ist ein solcher Punkt. Auch das Management der gesamten Mission - vom Treibstoff-Management in verschiedenen Stufen, bis hin zur Flugbahn und der Umlaufbahn um den Mond wird von der ISRO als „Herausforderung“ aufgelistet.

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Außerdem sind die Entwicklung von Lander und Rover kritische Punkte - beide Bereiche sind für Indien Neuland. Die letzte Mission der indischen Raumfahrtorganisation zum Mond war „Chandrayaan-1“, ein Orbiter, der den Mond bis August 2009 knapp ein Jahr lang umkreiste. Ebenfalls erfolgreich war die ISRO-Mission „Mangalyaan“ zum Planeten Mars im Jahr 2013. Die Raumsonde umkreist den Planeten immernoch, hat mittlerweile jedoch technische Schwierigkeiten. Indien war damals nach der Sowjetunion, den USA und der EU die vierte Nation, der es gelang, eine Sonde erfolgreich zum Mars zu schicken.

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