Eintracht Frankfurt

Adler gegen Lilien: Das ganz andere Derby

  • VonPeppi Schmitt
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Beim letzten Aufeinandertreffen in Darmstadt stand die Frankfurter Eintracht mit dem Rücken zur Wand. Am Samstag sieht das schon weitaus entspannter aus.

Es liegen nur drei Bundesligaspiele dazwischen, zwei in der letzten Saison und eines in dieser, und doch ist das Hessen-Derby am kommenden Samstag zwischen dem SV Darmstadt 98 und der Frankfurter Eintracht ein völlig anderes als noch am 30. April. Damals ging es um die sportliche Existenz der beiden Clubs in der Liga, vor allem die Eintracht hatte mächtig unter Druck gestanden. Die Frankfurter gewannen am Böllenfalltor mit 2:1 und machten sich auf, die wundersame Rettung doch noch hinzubekommen. Dass beide hessischen Vereine am Ende erstklassig bleiben würden, konnte sich damals kaum jemand vorstellen.

Kein Existenzkampf

Und doch ist es so gekommen, die „Lilien“ haben es in der regulären Saison geschafft, die Eintracht, nicht zuletzt beflügelt durch den Derbysieg, dann über den Umweg der Relegation. Nun, gut vier Monate später, spielen sie wieder gegeneinander, wieder in Darmstadt, aber unter anderen Voraussetzungen. Der Druck ist nicht so groß wie damals, von sportlichem Existenzkampf kann am zweiten Spieltag nun wirklich noch nicht die Rede sein.

Und auch die Ausgangspositionen haben sich verändert. Die Eintracht ist mit einem überraschenden 1:0-Sieg gegen Schalke in die neue Spielzeit gestartet, die Darmstädter haben eine im Grunde nicht unerwartete 0:2-Niederlage beim 1. FC Köln hinnehmen müssen. Dementsprechend sind die Darmstädter im ersten Heimspiel noch ein bisschen mehr gefordert als die Frankfurter.

Es ist schon erstaunlich, wie viel sich trotz der kurzen Zeitspanne auch abseits dieser reinen Ergebnisstatistik gegenüber dem letzten Duell der beiden Clubs verändert hat. Gerade bei der Eintracht. Von den 14 damals eingesetzten Spielern sind diesmal acht nicht mehr erste Wahl, fallen komplett aus wie der erkrankte Marco Russ oder haben wie Stefan Aigner, Carlos Zambrano, Luc Castaignos und Änis Ben Hatira den Verein verlassen.

Bei den Darmstädtern haben Christian Mathenia, Slobodan Rajkovic, Luca Caldirola, Konstantin Rausch und Sandro Wagner den Verein verlassen. Es wird also auch in personeller Hinsicht ein „anderes“ Derby als beim letzten Mal. Dem Frankfurter Trainer Niko Kovac stellen sich die größten Probleme wieder einmal in der Innenverteidigung. Das hat schon fast Tradition, die Abwehrzentrale war schon letzte Saison die größte Problemzone, obwohl die Eintracht im Grunde mit Russ, Zambrano, Abraham und Bamba Anderson gut besetzt schien.

Doch Anderson ist die ganze Saison ausgefallen, genau wie jetzt wieder. Und aus dem verbliebenen Trio wurde selten ein Duo, das über längere Zeit zusammenspielen konnte. Einer oder zwei waren immer verletzt, gesperrt oder erkrankt. Und in dieser Spielzeit geht es gerade so weiter. Ist das nun Zufall? Oder Pech? Oder gar ein Fluch?

Die Krebserkrankung von Marco Russ (28 Saisoneinsätze in der Liga plus ein Relegationsspiel) wurde in der Folge der offiziellen Dopingprobe nach dem Darmstadt-Spiel festgestellt. Seitdem hat der stellvertretende Kapitän noch dreimal gespielt, inzwischen ist er operiert und befindet sich in der Reha auf dem Weg der Besserung. Zambrano (24 plus zwei) war in der letzten Saison das große Sorgenkind, ist von Länderspielen mit der peruanischen Nationalmannschaft verletzt zurückgekehrt, hat nicht wirklich gut gespielt und war auch zweimal gesperrt, einmal nach der fünften „Gelben“, einmal mit „Gelb-Rot“. Nur Abraham hat mit 31 Bundesligaeinsätzen plus zwei Relegationsspielen eine stabile Saison gespielt.

Die Eintracht hat in der Innenverteidigung große Veränderungen vorgenommen, vornehmen müssen. Auf Russ muss der Club noch eine Zeit warten, er soll von Jesus Vallejo ersetzt werden. Doch der Spanier plagt sich ein ums andere Mal mit muskulären Problemen. Nach einem Kurzeinsatz gegen Schalke musste er zuletzt beim Freundschaftsspiel in Leipzig wieder passen. Vallejos Einsatz gegen Darmstadt ist zumindest fraglich.

Für den so oft undisziplinierten Zambrano hat die Eintracht Michael Hector geholt und scheint vom Regen in die Traufe gekommen zu sein. Zwei Spiele, zwei Platzverweise lautet die Bilanz von Hector. Das hatte noch nicht einmal „Rauhbein“ Zambrano geschafft. Hector jedenfalls ist in Darmstadt gesperrt. Bleibt wie so oft in diesem Jahr als Konstante nur Abraham. Der im Januar in der Not verpflichtete Kaan Ayhan ist mangels Perspektive längst wieder weg und in Düsseldorf gelandet. Seine Position als „Notnagel“ hat Timothy Chandler eingenommen, mit besseren Leistungen übrigens.

Neue Offensive

Die Eintracht wird beim Derby nicht nur in der Defensive neu aufgestellt sein. Auch die Offensive wird anders daherkommen. Damals mit Marco Fabián, Hatira, inzwischen beim Gegner unter Vertrag, Haris Seferovic und Mijat Gacinovic, später Stefan Aigner. Diesmal mit Alex Meier und Branimir Hrgota und womöglich Danny Blum und dem jüngsten Neuzugang Shani Tarashaj.

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