Nicht die letzte Wendung zwischen Frankfurtern und Berlinern: Eintracht-Kapitän Alexander Meier (Mitte) jubelt über sein Tor zum zwischenzeitlichen 2:1.
+
Nicht die letzte Wendung zwischen Frankfurtern und Berlinern: Eintracht-Kapitän Alexander Meier (Mitte) jubelt über sein Tor zum zwischenzeitlichen 2:1.

Eintracht Frankfurt

Adler schicken Fans auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle

  • Markus Katzenbach
    VonMarkus Katzenbach
    schließen

Nach mehreren Wendungen und einem Ausgleich in fast letzter Minute sind bei der Eintracht alle mit dem 3:3 gegen Berlin zufrieden. Auf den prächtigen Spätsommer könnte nun ein schwieriger Oktober folgen.

Als die Achterbahnfahrt der Gefühle vorbei war, wurde der eine Punkt gefeiert wie ein voller Erfolg. Von den Frankfurter Bundesligafußballern ebenso wie von ihren Fans, die vor deren Kurve nach dem Abpfiff glücklich hüpften und tanzten, Arm in Arm – Szenen, wie es sie sonst nur bei einem Heimsieg gibt. An diesem Samstagnachmittag voller Wendungen aber reichte auch ein 3:3 (2:1) gegen die Berliner Hertha zur allgemeinen Zufriedenheit in der mit 45 000 Zuschauern gefüllten Frankfurter Arena. Über ein Spiel mit einer Prise Spektakel, über die Rettung des Remis in fast letzter Minute. Vor allem aber vielleicht darüber, dass diese runderneuerte Eintracht ihre kleine, recht unverhoffte Erfolgswelle nicht hat abebben lassen.

„Man muss auch zufrieden sein, wenn man den Ausgleich in der 92. Minute macht“, befand Niko Kovac nach dem ganz späten Treffer seines aufgerückten Innenverteidigers Michael Hector, der schon wieder eine Geschichte für sich war (lesen Sie dazu auch unten stehenden Artikel). Noch ein wenig besser freilich fiel sein Urteil über den Tag hinaus zu den ganzen ersten Wochen dieser neuen Bundesliga-Runde aus. „Zehn Punkte hätte uns doch keiner zugetraut“, meinte der Eintracht-Trainer. Sieben davon wurden zuletzt in acht Tagen eingefahren – mit dem 2:1 gegen Leverkusen, dem 2:0 in Ingolstadt und nun eben dem 3:3 gegen die Hertha. „Darüber bin ich sehr froh“, sagte Kovac am Ende einer anstrengenden Woche und dachte überhaupt nicht daran, über einen verpassten Sieg zu räsonieren: „Man kann nicht erwarten, dass wir nach Schalke und Leverkusen auch die Hertha schlagen. Das sind alles Mannschaften, die meiner Meinung nach im oberen Bereich der Tabelle einlaufen werden.“

Dass nach fünf Spieltagen dort auch seine Eintracht geführt wird, ist viel mehr als erwartet. Schließlich weiß jeder in Frankfurt, wo man herkommt. Der Fast-Abstieg mit der Rettung erst in der Relegation hat zu einer Demut im Club und drum herum geführt, die der Eintracht gut tut. Dass die Mannschaft sich weiter entwickelt hat, war auch gegen den Heimatverein ihres Trainers indes unverkennbar, obwohl sie auch die eine oder andere Schwäche offenbarte. Unter Kovac ist vor allem die Defensive viel besser organisiert – ähnlich wie bei den genauso gut in die Saison gestarteten Berlinern, unter Kovacs altem Hertha-Kumpel Pal Dardai. So gab es im Trainerduell der einstigen Mitspieler gar nicht so viele Chancen, aber seltsamerweise trotzdem drei Tore auf beiden Seiten. Was wiederum vor allem an Fehlern in den jeweiligen Abwehrverbünden lag. Die Eintracht hatte ihre Probleme auf den Flügeln: Rechtsaußen Haris Seferovic hatte gleich anfangs zwei Mal für Hintermann Timothy Chandler aushelfen müssen, mit Hängen und Würgen. Bei einer cleveren Berliner Freistoßvariante leistete er sich dann ein ungeschicktes Foul, den Elfmeter nutzte Vedad Ibisevic in der 19. Minute zum 1:0.

Alte und neue Qualitäten

Bei eigenen Aufbauversuchen taten sich die Frankfurter schwer, das ist gegen vor allem auf Absicherung bedachte Widersacher nichts Neues. Sie konnte sich aber auf neue und alte Qualitäten verlassen. Erst vollendete nach einem tollen Lauf von Danny Blum der erneut auftrumpfende Marco Fabian einen lehrbuchhaften Konter mit Technik und Behauptungswillen zum 1:1 (39.), dann Alexander Meier in gewohnter Manier eine der ebenfalls im Training fleißig geübten Ecken zur Führung (45.). Vor allem Fabian wird immer mehr zu einem Trumpf, Meier ist es auch ohne viel Spielanteile sowieso. „Mir ist der Ball auf die Füße gefallen“, sagte der Kapitän bescheiden zu seinem schon wieder dritten Saisontreffer. Freilich hatte er mit dem Instinkt des Torjägers den Schritt in die richtige Richtung gemacht.

Doch damit nicht genug der Wendungen. „Du kommt dann in die Halbzeitpause und redest auf die Spieler ein: Wir dürfen uns nicht zurücklehnen. Wenn du dann aber nur hin- und herläufst und den Gegner nicht unter Druck setzt, wird es schwer“, sagte Kovac. „Das haben wir in Ingolstadt besser gemacht.“ Seine Frankfurter wurden plötzlich zu bequem, ließen der Hertha zu viel Platz – vor allem auf der linken Abwehrseite, was der eingewechselte Alexander Esswein trefflich nutzte. Erst leistete er die Vorarbeit für Ibisevics zweiten Treffer (58.), dann ließ er Eintrachts Joker Ante Rebic aussteigen und schoss ungehindert aus spitzem Winkel ein Berliner Traumtor. „Esswein hatte zu viel Zeit“, kritisierte Kovac in erster Linie seinen Linksverteidiger Bastian Oczipka: „Bastian hätte das eine oder andere Mal energischer rausrücken müssen, um ihn zu bremsen.“

Heute wird verhandelt

Die Gegentreffer ärgerten den Coach, die Freude über die Reaktion seiner Mannschaft darauf aber überwog. Die Eintracht zeigte Moral, und auch wenn ihr bei den Ausgleichsbemühungen nicht besonders viel einfiel, ließ sie bisweilen fußballerische Klasse aufblitzen. Beispielsweise durch den nach einer Stunde für Seferovic eingewechselten Rebic. Einen fast schon verlorenen Ball eroberte er kurz vor Schluss zurück, ließ sich auch von drei Berlinern nicht an einer Maßflanke für Hector stören – und der sorgte noch für ein glückliches Ende. Zu guter Letzt war der 1,93-Meter-Hüne nur noch ganz vorne zu finden. Ins Spiel gekommen war er erst nach 30 Minuten, für den verletzten Abwehrchef David Abraham (siehe Artikel unten).

Bei Ibisevics 2:2 hatte Hector hinten noch etwas geschlafen, ehe er vorne zum Held in der Nachspielzeit wurde – zu Kovacs Freude. „Wir waren zweimal in Rückstand und sind zweimal zurückgekommen. Das zeigt, dass wir charakterlich auf einem guten Weg sind“, betonte der Trainer. Er gab seinen Spielern zur Belohnung zwei freie Tage, für die Verantwortlichen aber steht heute ein wichtiger Termin an: Vor dem DFB-Sportgericht werden von 13 Uhr an die Fan-Ausschreitungen von Magdeburg verhandelt. Im Raum steht ein weiträumiger Zuschauer-Ausschluss für das Pokal-Zweitrundenspiel gegen Ingolstadt am 25. Oktober. Für die Eintracht könnte so oder so ein schwieriger Monat anstehen, mit Auswärtsspielen in Freiburg, Hamburg und Mönchengladbach und zwischendrin nur dem fast aussichtslosen Heimspiel gegen übermächtige Bayern. Der prächtige Zehn-Punkte-Spätsommer kann dann im Herbst noch Gold wert sein.

Mehr zur Eintracht

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare