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Überflieger: Marius Wolf bereitete gegen Köln zwei Tore vor und erzielte eines selbst.

Eintracht Frankfurt

Adler träumen jetzt von höheren Sphären

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Jetzt siegt die Eintracht auch zu Hause. Und aus einer guten Saison könnte laut Sportdirektor Hübner noch eine „Super-Saison“ werden.

Beim vierten Mal streikte der Video-Würfel. Der Name Marius Wolf tauchte lange nicht in der Liste der Frankfurter Torschützen auf. Vier Treffer, ein deutlicher Heimsieg in der Fußball-Bundesliga – an solche Verhältnisse war die Haustechnik der Arena im Stadtwald wohl nicht mehr gewohnt. Und auch der nach Spielen der Frankfurter Eintracht mitunter etwas verspannt wirkende Sportvorstand ließ seiner guten Laune freien Lauf: „Jetzt können wir auch auswärts mal verlieren, wenn wir zu Hause gewinnen“, meinte Fredi Bobic lachend.

Vergessen ist das eher peinliche 0:3 von Augsburg nicht. Aber seit dieser Woche ist es ganz weit weg. Der klare Sieg über den Nachbarn Mainz 05 im Pokal-Viertelfinale und der Champions-League-Platz vier in der Liga lassen zarte Träume von künftigen großen Momenten blühen. „Mal sehen, wie weit uns die Füße in der Rückrunde noch tragen“, orakelte Eintracht-Marketingvorstand Axel Hellmann nach dem 4:2 (1:0) gegen den Tabellenletzten 1. FC Köln.

Sportdirektor Bruno Hübner stellte genießerisch lächelnd fest: „Wir stehen mit 36 Punkten hervorragend da und können auch noch im Pokal für Furore sorgen. Die Mannschaft wird alles daran setzen, um aus der guten Saison eine Super-Saison zu machen.“ „Wir sind drin in einem Sammelsurium der Top-Mannschaften. Das ist ein schönes Gefühl“, sagte Fredi Bobic.

Und Niko Kovac? Der Komponist des Frankfurter Erfolgsstückes ist für sein analytisches Defensivverhalten bekannt. „Ich lasse mich da nicht treiben und gebe keine Parolen aus. Ich weiß, wie schnell es gehen kann, Augsburg lässt grüßen“, sagt der Trainer. Inzwischen hat aber auch er wohlwollend zur Kenntnis genommen, dass sein Team in einen „gewissen Flow“ (Sportdirektor Hübner) gekommen ist: „Ich bin Sportler genug um es mitzunehmen, wenn zum Schluss etwas übrig bleibt.“

Doch zunächst galt es, das Hier und Jetzt zu genießen. Der Auftritt gegen Köln dürfte bei künftigen Saison-Bilanzen als einer der Höhepunkte durchgehen. Vor 47 700 Zuschauern trafen Ante Rebic in der 15. Minute, Marco Russ (59.), Simon Falette (65.) und Marius Wolf (67.) für die Eintracht, die erstmals in der Kovac-Ära mehr als drei Treffer in einem Bundesligaspiel erzielte. Die Gegentore durch Simon Terodde (57./Foulelfmeter, 74.) konnten die gute Stimmung nicht trüben. „Der Sieg war absolut verdient, auch in der Höhe. Die Mannschaft hat eine richtig gute Einstellung und körperliche Präsenz gezeigt“, sagte Kovac.

Die Arbeit des Trainers trägt immer reichere Früchte. Automatismen greifen mehr und mehr, die Spieler sind – wie gegen Köln – jederzeit in der Lage, einen Systemwechsel zu bewältigen. Die Mannschaft feierte nach zähen Wochen jetzt den dritten Heimsieg in Folge. „Dass man nach dem Ausgleich direkt zurückschlägt zeigt, dass die Jungs daran glauben. Nie aufzugeben, immer an sich zu glauben – diese Mentalität ist aller Achtung wert“, sagt Kovac, der dem Team diese Mentalität eingeimpft hat.

Der spielerische Aufwärtstrend wird auch in der Chefetage wohlwollend registriert. „Wenn man sich anschaut, wie in der Hinrunde unser Spiel in Köln war, ist das ein Unterschied wie Tag und Nacht. Einfach schön zu sehen“, sagt Vorstandsmitglied Axel Hellmann.

„Jeder entwickelt sich weiter“, sagt Kovac: „Ich glaube, dass wir noch viel Potenzial nach oben haben.“ Und im selben Atemzug tritt er wieder auf die Bremse: „Wir sind keine Weltklassemannschaft, wir sind eine ordentliche Mannschaft.“

Und eine Mannschaft, die über einen breiten Kader verfügt, in dem jeder gebraucht wird (lesen Sie dazu auch den unten stehenden Text). Gegen Köln saßen nominelle Stammkräfte wie Carlos Salcedo, Sébastien Haller, Mijat Gacinovic, der genesene Marco Fabián und Jetro Willems auf der Ersatzbank. Und es gibt Härtefälle: Spieler wie Marc Stendera, Aymen Barkok und Branimir Hrgota schaffen es derzeit am Spieltag nicht einmal in den 18-er Kader.

Ganz am Schluss tauchte Sabrina Setlur in der Interviewzone auf. Es dauerte eine Weile, bis sich die zierliche Frankfurter Rapperin durch den Pulk der Journalisten gekämpft hatte. Dann hauchte sie Niko Kovac eine Kusshand zu. Der Trainer bedankte sich mit einem Lächeln – und musste bei seinen Ausführungen neu ansetzen: „Jetzt habe ich den Faden verloren.“ Bei seiner Arbeit mit der Mannschaft wird ihm das wohl so schnell nicht passieren.

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