Eintracht Frankfurt

Aigner-Interview: Alles andere als ein Spaßurlaub

Unter Armin Veh startete Stefan Aigner vor drei Jahren durch und ist seitdem aus der Eintracht-Elf eigentlich nicht mehr wegzudenken. Daran wird sich auch mit der Rückkehr des Trainers gewiss nichts ändern. Im Trainingslager im Stubaital sprachen Peppi Schmitt und Markus Katzenbach mit dem 27-jährigen Münchner.

Von Peppi Schmitt und Markus Katzenbach

Berge oder Meer, was ist Ihnen lieber?

Stefan Aigner: „Urlaub habe ich am Meer gemacht, Trainingslager gefallen mir besser in den Bergen. Man ist es einfach gewohnt, in Österreich Trainingslager zu machen. Da gibt es schöne Hotels, gutes Essen, gute Plätze. Deswegen ist Österreich mit das Beste, was es gibt.“

Letztes Jahr waren Sie mit Thomas Schaaf auf Norderney, jetzt mit Armin Veh im Stubaital. Abgesehen von der Landschaft: Wie sind denn die Unterschiede beim Training?

Aigner: „Klar ist es etwas anderes. Jeder Trainer hat seine eigene Philosophie. Es ist mehr Lockerheit in der Mannschaft, mehr Spaß beim Training. Trotz alledem heißt das nicht, dass wir hier einen Spaßurlaub und Witze machen. Nein, wir arbeiten hart. Und es heißt auch nicht, dass es unter Schaaf keinen Spaß gemacht hat.“

Wie haben Sie erfahren, dass Armin Veh zurückkehren wird? Durch das Internet oder die Zeitung?

Aigner: „Ein Freund hat mir Bescheid gegeben. Im Urlaub schaue ich nicht ins Internet.“

Haben Sie Thomas Schaaf nach dem letzten Bundesligaspiel gegen Leverkusen noch mal gesehen?

Aigner: „Nein, mich hat gleich eine Krankheit erwischt, so dass ich bei den Freundschaftsspielen nicht mehr dabei war. Seitdem habe ich nichts mehr von ihm gehört.“

Was ändert sich taktisch für den Rechtsaußen Aigner, wenn der rechte Verteidiger in Zukunft wieder höher stehen, also weiter vorne spielen wird?

Aigner: „Ich stehe nicht mehr direkt an der Linie, muss nicht mehr Außen bleiben. Das wollte Thomas Schaaf so, von dort sollten wir Eins-zu-eins-Situationen suchen. Jetzt ist es taktisch anders. Da der Außenverteidiger hoch steht, versuche ich ihm Platz zu geben und stehe mehr mittig, ein bisschen auf der Halbposition. Ich bin ein Spieler, der gerne in die Schnittstelle geht, auf Bälle in die Tiefe lauert, wie sie vor zwei Jahren Taka (Takashi Inui, Anm. d. Red.) immer gut gespielt hat. In der Offensive hat man so viel mehr Optionen, das ist sicher ein Vorteil für uns. Der Nachteil ist, dass man bei Ballverlust nicht mehr vier, sondern nur noch maximal drei Spieler hinten hat.“

Das Spiel wird auch in anderen Bereichen umgestellt. So sind nun wieder Kurzpässe gewünscht, vor allem Flachpässe. Wie groß ist die Umstellung, nachdem es letztes Jahr anders versucht wurde?

Aigner: „Wir versuchen umzusetzen, was der Trainer will. Ich finde es gut, dass er sofort abpfeift, wenn wir hohe Anspiele machen. Da prägen wir uns gleich ein, dass hohes Spiel eben nur im Notfall erlaubt ist. Vor zwei Jahren haben wir durch dieses Spiel schnell nach vorne den Gegner überrascht, manchmal uns auch selbst (lacht).“

Die einstige „Veh-Mannschaft“ besteht ja so nicht mehr. Schwegler ist weg, Rode ist weg, Jung ist weg. Wie viel Veh steckt noch im aktuellen Team?

Aigner: „Natürlich geht uns einer wie Pirmin Schwegler ab. Er war extrem spielstark und hat Ruhe reingebracht. Auch Rode, der die Bälle erkämpft hat. Oder Jung, der Dampf gemacht hat. Doch Bruno Hübner hat immer wieder Spieler geholt, die das gut kompensiert haben. Man darf auch die letzte Saison nicht schlecht reden, die war ja auch gut. Wenn wir nur nicht immer die wichtigen Spiele verloren hätten.“

Sie selbst kamen vor drei Jahren aus der Zweiten Liga, jetzt sind Sie einer der Führungsspieler. Sehen Sie das auch so?

Aigner: „Der Schritt für mich war damals schon wichtig. Veh hat mir und mehreren Spielern aus der Zweiten Liga die Chance gegeben, ich habe sie genutzt. Da gehört auch ein bisschen Glück dazu. Ich denke aber schon, dass ich die letzten drei Jahre mich gut entwickelt habe. Führungsspieler hin oder her: Ich versuche, im Spiel immer alles zu geben, bis zum Schluss zu kämpfen, auch wenn es mal nicht so läuft. Ich bin einer, der nie zufrieden ist.“

Marco Russ und Bastian Oczipka haben gesagt, sie würden es sich zutrauen, Kapitän zu sein. Würde Sie das auch reizen?

Aigner: „Wenn der Trainer mich fragt, würde ich jetzt nicht sagen, ich mache das nicht. Klar ist es eine Auszeichnung, wenn du Kapitän von Eintracht Frankfurt sein darfst. Aber ich bin da nicht so heiß drauf. Wichtig ist die Leistung auf dem Platz. Ob man eine Binde am Arm hat oder nicht, ist mir eigentlich wurscht.“

Welche Chancen sehen Sie in der neuen Saison?

Aigner: „Das ist noch schwer zu sagen. Wichtig ist natürlich, dass wir gut durch die Vorbereitung kommen, dass sich keiner schwer verletzt und kein wichtiger Spieler länger ausfällt. Und dass du gut in die Runde kommst, gleich Erfolgserlebnisse hast. So kommt das Selbstvertrauen. Ich denke schon, dass wir eine gute Mannschaft haben, uns verstärkt haben. Wenn alle fit sind, wird der Konkurrenzkampf groß sein. Da kann es sich keiner erlauben, mal nachzulassen.“

Armin Veh hat eine Prämie für die Europa League und sogar für die Champions League im Vertrag. Schafft es die Mannschaft, dass ihr Trainer mehr Geld verdient?

Aigner: „Ich habe keine Champions-League-Prämie ausgehandelt. Da kann er mir was abgeben, wenn wir in die Champions League kommen (lacht). Obwohl ich vielleicht noch mal genau nachlesen muss, was in meinem Vertrag steht. Das mache ich aber erst, wenn wir auf Platz vier stehen (lacht).“

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