Nach Derby-Niederlage

Die alte Eintracht-Crux: Keiner reißt Lücken

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Die Derby-Niederlage in Darmstadt hat gezeigt: Bei der Frankfurter Eintracht gibt es zu viele ähnliche Spielertypen.

Es gibt Dinge, die sich bei der Frankfurter Eintracht offenbar nie ändern. Zumindest seit Jahren nicht. Nach der Derby-Niederlage beim SV Darmstadt 98 ist die Debatte über das fehlende Tempo im Mittelfeld zu Recht wieder aufgeflammt. Eine Diskussion, die seit Sommer 2014 geführt wird, als Pirmin Schwegler, der den Ball „schnell“ machen konnte, und Sebastian Rode, der das Spiel antreiben konnte, die Eintracht verlassen haben.

Das Problem ist längst erkannt, aber es wurde nicht gebannt. Der eine oder andere bei der Eintracht argumentiert, es könne mangels wirtschaftlicher Mittel und personeller Angebote nicht gebannt werden. Schon drei Trainer hatten oder haben damit zu kämpfen, Thomas Schaaf, Armin Veh und nun eben auch Niko Kovac.

„Langweilig“ fand Frankfurts Torwart Lukas Hradecky die Spielweise seiner Mannschaft in Darmstadt. Dieses Wort trifft es genau, langatmig könnte man noch hinzufügen. Dies liegt zweifellos an den Spielertypen, die im Mittelfeld die Fäden ziehen oder ziehen sollen. Makoto Hasebe ist einer der Lücken schließt, aber keiner der Lücken reißt, wie die „FR“ so treffend beschreibt.

Szabolcs Huszti ist von Hause aus ein eher bedächtiger Spieler, zudem in die Jahre gekommen. Und der Neue aus Spanien, Omar Mascarell, bevorzugt eine ganz ähnliche Spielweise wie dieses Duo, ballsicher, aber risikolos. So hat sich dies in den vergangenen Wochen herauskristallisiert.

Eine wirkliche Überraschung ist das fehlende Spieltempo für Trainer Kovac nicht. Schon ganz früh während der Vorbereitung hat er gesagt, dies müsse man anders kompensieren. „Wenn wir außen schnelle Spieler haben, sehe ich keine Probleme in der Zentrale“, so Kovac. Doch mit den schnellen Außenspielern ist das so eine Sache. Stefan Aigner wurde verkauft, Mijat Gacinovic, als Rechts- oder Linksaußen geholt, sieht sich selbst seit Beginn dieser Saison eher als Mittelfeldspieler, Ante Rebic konnte wegen einer Erkrankung noch nicht helfen und Danny Blum wurde zur allgemeinen Überraschung beim Derby eben nicht auf Außen, sondern im Mittelfeld eingesetzt.

Einer wie Marco Fabián könnte helfen, selbst wenn auch er nicht der Allerflinkste ist. Freilich besitzt er Handlungsschnelligkeit und auch eine gute Technik, um Lösungen zu finden. Seinen Trainer aber konnte der Mexikaner bislang noch nicht überzeugen.

Das fehlende Tempo im Frankfurter Spiel wurde in Darmstadt auch an anderen Stellen deutlich. Bei der Verdichtung des Mittelfeldes durch die destruktiven „Lilien“ hätten manchmal auch selbstbewusste Vorstöße der Abwehrspieler helfen können. Doch David Abraham und Jesus Vallejo beließen es meist bei Sicherheitspässen. Zumindest bei Vallejo war dies angesichts seines ersten Bundesliga-Einsatzes verständlich. Aber die Chance, durch ein Dribbling, durch das Überspielen der ersten Darmstädter Verteidigungsreihe, Löcher zu finden, wurde auch da nicht gesucht.

Auch in der Spitze sind die Frankfurter nicht wirklich schnell. Alex Meier war vom Spiel fast abgeschnitten. Das ist nicht neu, das gibt es seit vielen Jahren, wenn eben keine Bälle in den Strafraum gespielt werden. Da könnte ein Partner helfen, der Löcher reißt, der Platz schafft für Meier. Dessen Laufpensum zu kritisieren, ist albern. Meier spielt wie er spielt und das seit zehn Jahren. Und Meier trifft seit zehn Jahren, wenn er halbwegs vernünftige Bälle bekommt. In Darmstadt hat das nicht geklappt, weil Hrgota und Huszti ihn zweimal „übersehen“ haben.

Was in den bisherigen drei Pflichtspielen offensichtlich geworden ist: Neuzugang Hrgota und Meier sind ähnliche Spielertypen, stehen sich gegenseitig im Weg. Und wenn einer nach außen ausweicht, verliert er seine eigentliche Stärke. Aber ganz vorne ist immerhin Abhilfe in Sicht. Mit Haris Seferovic und Ante Rebic stehen zwei Stürmer in den Startlöchern, die andere Qualitäten einbringen und Meier besser assistieren könnten. Und in diesen Tagen soll ja auch der jüngste Neuzugang, der Schweizer Nationalstürmer Shani Tarashaj, zum ersten Mal mit der Mannschaft trainieren.

Derweil hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die Pokalspiele der 2. Runde terminiert. Die Eintracht empfängt den Bundesliga-Konkurrenten FC Ingolstadt am Dienstag, 25. Oktober. Anstoß ist um 20.45 Uhr.

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