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Bravo Marco Russ: Ob als Kapitän oder in der zweiten Reihe - er zeigt immer vorbildliche Haltung. Jetzt verlängerte die Eintracht seinen Vertrag.

Eintracht Frankfurt

Marco Russ ist der Anker im Multi-Kulti-Team der Adlerträger

Auf Marco Russ ist Verlass: Auf und neben dem Platz spielt der Routinier eine wichtige Rolle. Deswegen verlängerte Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt den Vertrag.

Am Tag nach dem rauschenden Offensivspektakel im Stadtwald hat Eintracht Frankfurt Nägel mit Köpfen gemacht und Marco Russ ein Angebot unterbreitet, das er nicht ablehnen konnte. Der 33 Jahre alte Verteidiger, abgesehen von einem kurzen Wolfsburger Intermezzo seit 1996 bei der Eintracht am Ball, mit mehr als 320 Pflichtspielen auf dem Buckel, verlängerte seinen im Sommer auslaufenden Vertrag um ein weiteres Jahr bis 2020. 24 Stunden zuvor hatten die Hessen das Arbeitspapier von Makoto Hasebe verlängert.

Auf Marco Russ ist Verlass

„Wir haben noch einiges vor“, sagte Russ am Montag, er wolle bei der Weiterentwicklung des Teams seinen Beitrag leisten. Russ ist bei der Eintracht allerdings kein Stammspieler mehr, acht der 23 Pflichtspiele hat er in dieser Runde lediglich bestritten. Er ist keiner, der deswegen lamentieren würde, seine Rolle in der zweiten Reihe ist klar. Und doch ist auf das Frankfurter Urgestein Verlass, wenn er gebraucht wird, wie etwa zuletzt im Europa-League-Spiel bei Lazio Rom. „Für viele junge Spieler ist er mit seinem großen Erfahrungsschatz ein wichtiger Bezugspunkt und nimmt eine wichtige Rolle als regionaler Anker in unserer internationalen Truppe ein“, ließ sich Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic zitieren. Im Sommer ließ der Club eine ähnlich gelagerte Chance auf Vertragsverlängerung mit Alex Meier noch verstreichen.

Aber der „Fußballgott“ ist ja schon lange kein Thema mehr. Eintracht Frankfurt verfolgt in dieser Saison eine komplett andere Spielidee und hat damit großen Erfolg. Im Grunde gibt es nur eine Richtung: es geht nach vorne, bedingungslos und ohne Rücksicht auf mögliche Verluste. Selbst in der vierminütigen Nachspielzeit am Sonntag marschierten die Frankfurter Spieler nach vorne, jeder Pass wurde direkt und kompromisslos in die Spitze gespielt. Abwarten? Ruhe reinbringen? Fehlanzeige. Die Frankfurter Profis machen einfach weiter, greifen stetig an, einerlei, ob es 2:0 oder 3:0 steht oder knapp 2:1 wie gegen Bayer Leverkusen. Selbst in der 94. Minute hatte sich Luka Jovic noch eine klasse Gelegenheit geboten, auf 3:1 zu erhöhen. In der vergangenen Saison noch hätte die Eintracht einen knappen Vorsprung irgendwie über die Zeit verwaltet, hätte die Abwehr gestärkt und die Zahl der Defensivspieler stetig erhöht.

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Nicht so unter Trainer Adi Hütter. Flinke Spieler mit Zug zum Tor werden flankiert von flinken Spielern am Flügel, dazu wird permanent hoch attackiert und dem Gegner keine Sekunde Luft gelassen. „Der Trainer fordert, dass wir mit in den Strafraum reinschieben“, erläuterte Rechtsverteidiger Danny da Costa. Bayer-Torwart Lukas Hradecky, selbst drei Jahre bei der Eintracht, lobte seine ehemaligen Kollegen über den grünen Klee: „Ich ziehe den Hut, was sie in dieser Saison leisten. Es ist ein Genuss, das zu verfolgen.“

Eintracht Frankfurts starke Offensive

Bislang fanden nur Hertha BSC und Wolfsburg Mittel, die Offensivwucht auszubremsen. Umso wichtiger war es, dass nach zwei Niederlagen in der Bundesliga zwei Siege in Europa League und Liga folgten. Der Erfolg in Rom hat neuen Elan gegeben, das Vertrauen in die alte Stärke war gegen Bayer zurück. Erstaunlich war aber auch, mit welcher Leidenschaft und Laufbereitschaft die Eintracht in dieses Spiel ging, 120 Kilometer lief und 813 intensive Läufe abspulte – und das drei Tage nach dem Auftritt in Rom.

Nach dem Spiel am Sonntag ist Hütter nach dem Geheimnis seiner offenbar nahezu perfekten Trainingssteuerung gefragt worden. Ob es ein Geheimnis gebe, wisse er nicht, sagte der Coach, er wisse aber, wie er ein Team mit internationale Belastungen zu führen habe, mehr als 30 Europapokal-Spiele habe er auf dem Buckel. Die Mischung aus dezenter Rotation und gezielter, kurzer Belastung mache den Unterschied. Und bislang gibt es keinerlei Anzeichen, dass die Spieler einbrechen würden. Dazu legten sie gegen Leverkusen wieder jene Aggressivität und Körperlichkeit an den Tag, die dem Gegner wehtut. „Die Eintracht führt die Zweikämpfe hart an der Grenze des Erlaubten“, sagte Bayer-Trainer Heiko Herrlich. „Da können wir noch eine Schippe drauflegen.“

Nächstes Spiel in Mainz

Nun geht es darum, in den noch ausstehenden Spielen dieses Jahres in Mainz und gegen Bayern die prima Position zu verteidigen. Unmöglich ist das nicht, die Brust ist wieder breiter geworden. „Wir sind keine Eintagsfliege“, findet Danny da Costa, sondern eine Mannschaft „mit viel Qualität“. Zu Recht steht die Eintracht auf Tabellenplatz fünf, in Schlagweite zur Champions League. Heiko Herrlich fand ja ohnehin schon am Sonntag, gegen „eine Top-Mannschaft“ gespielt zu haben.

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