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25.08, Baden-Württemberg, Freiburg: Fußball: Bundesliga, SC Freiburg - Eintracht Frankfurt, 1. Spieltag im Schwarzwaldstadion. Danny da Costa, Sebastien Haller und Mijat Gacinovic (l-r) von Frankfurt bejubeln das 2:0. Foto: Patrick Seeger/dpa - WICHTIGER HINWEIS: Gemäß den Vorgaben der DFL Deutsche Fußball Liga ist es untersagt, in dem Stadion und/oder vom Spiel angefertigte Fotoaufnahmen in Form von Sequenzbildern und/oder videoähnlichen Fotostrecken zu verwerten bzw. verwerten zu lassen. +++ dpa-Bildfunk +++ | Verwendung weltweit

Eintracht Frankfurt

Auftaktsieg in Freiburg ist für Trainer Hütter „Balsam auf die Wunden“

Das 2:0 in Freiburg zum Bundesliga-Start tut der Frankfurter Eintracht nach den Enttäuschungen in Supercup und Pokal besonders gut. „Dieser Sieg ist mehr wert als die drei Punkte“, urteilt Stürmer Haller.

Hinterher, als der nicht erwartete 2:0 (1:0)-Auswärtssieg beim SC Freiburg Realität war, hat man förmlich die Steine hören können, die von vielen Frankfurter Herzen geplumpst waren. Mit einem Auftakterfolg im Breisgau hatte im Hessenland kaum einer gerechnet, selbst die größten Optimisten nicht. Dazu waren die Vorstellungen in den beiden vorigen Partien gegen die Bayern (0:5) im Supercup und beim peinlichen Pokal-Aus in Ulm (1:2) schlicht zu niederschmetternd. Und dann raffte sich das Team zu einer solch engagierten Leistung auf! Nicolai Müller, Schütze des ersten Tores nach zehn Minuten und einer der erfahrenen Spielern von Eintracht Frankfurt, hatte es später auf einen einfachen Nenner gebracht: „Bundesliga ist anders.“ Trotzdem wusste vorher niemand, was die Wundertüte Eintracht Frankfurt so alles bieten würde.

Die Erleichterung darüber, einen kompletten Fehlstart verhindert zu haben, war auch Trainer Adi Hütter anzumerken. Die beiden jüngsten Schlappen zuletzt waren arg aufs Gemüt geschlagen, umso größer sei nun „die Genugtuung“, in Freiburg gewonnen zu haben, sagte der 48 Jahre alte Fußballlehrer. „Als Österreicher im ersten Spiel in der deutschen Bundesliga nach all der Kritik, die berechtigt war, einen Sieg zu landen, tut gut“, sagte Hütter erleichtert. Es sei „Balsam auf die Wunden“. In dieser Woche hatte er noch gehofft, aus dem Gegenwind er letzten Wochen Rückenwind zu schaffen, das ist ihm erst einmal gelungen.

Diese drei Punkte zum Bundesligaauftakt haben den Frankfurtern fürs erste von den ärgsten Sorgen und Nöten befreit. „Es gibt nichts Schöneres, als mit einem Dreier auswärts zu starten“, fasste Rechtsaußen Müller die ersten 90 Minuten zusammen. Der Sieg, sagte auch der dieses Mal als Kapitän fungierende Gelson Fernandes, „hat ein bisschen Ruhe gebracht“. Die Frankfurter können durchatmen, der Auftakt in eine Saison, die Eintracht-Vorstand Fredi Bobic neuerdings als „eine schwere“ einschätzt, ist gelungen. Der Erfolg im Schwarzwald, zwar mit einer Prise Fortune, aber nicht unverdient errungen, hat die in Frankfurt zuletzt aufkommende Kritik zunächst verstummen lassen.

Sebastien Haller, der nach einem monatelangen Formtief ein starkes Spiel machte, das 1:0 per Hacke vorbereitet und das 2:0 (82.) selbst erzielt hatte, war es, der noch am Abend über den Tellerrand hinaus blickte. „Dieser Sieg“, sagte er bei der Analyse, „ist mehr wert als die drei Punkte.“ Er gebe der Mannschaft das nötige Selbstvertrauen, das zuletzt so gefehlt habe. „Nach den zwei Niederlagen war klar, dass wir mehr machen müssen, dass wir als Team zusammenstehen müssen.“ Das sei zum Auftakt immerhin prima gelungen.

Zumal Adi Hütter ein Team nominiert hatte, das in dieser Form noch nie zusammengespielt hat. Auf die Ausfälle von David Abraham (Pferdekuss) und Makoto Hasebe (Grippe) reagierte er, in dem er eine Viererkette nominierte und mutig den blutjungen Evan Ndicka (und nicht den routinierten Marco Russ) brachte. Dazu blieben Jonathan de Guzman und Neuzugang Filip Kostic auf der Bank, stattdessen spielte Hinterbänkler Taleb Tawatha Linksaußen. Die taktische Marschroute, Ergebnis „knallharter Analyse“, ging auf, die Mannschaft habe von der ersten bis zur letzten Minute bravourös gefightet, so Hütter. Die Eintracht war drei Kilometer (124,8 Kilometer) mehr als die Gastgeber gelaufen, sie sprintete öfter und legte mehr intensive Läufe hin. Dazu überzeugten gerade die zuletzt doch sehr wackeligen Neuzugänge Frederik Rönnow im Tor oder Lucas Torro im Mittelfeld.

Natürlich hat auch Hütter gesehen, dass spielerisch noch eine Menge Luft nach oben ist. Der Frankfurter Spielaufbau beschränkte sich im Wesentlichen auf lange Bälle nach vorne. Von einem geordneten Spiel von hinten heraus war sehr lange nichts zu sehen. Geplant war das nicht, räumte Hütter ein, eher aus der Not geboren. Kombinationen über mehrere Stationen waren die Ausnahme, im Zweifelsfall wurde der Ball lang gespielt oder zum Torwart zurück, der dann die Kugel nach vorne drosch. Den Hessen kam indes eine gewisse Harmlosigkeit der Freiburger zupass, die zwar optisch überlegen waren, aus ihren Möglichkeiten, durch Nils Petersen (6., 22., 67.) oder Florian Niederlechner (48.) aber kein Kapital zu schlagen wussten.

Dazu besaß die Eintracht dieses Mal das nötige Spielglück, das 1:0 durch Müller nach zehn Minuten sorgte für Sicherheit, „dieses Tor“, sagte Hütter, „hat die Mannschaft erlöst“. Es war auch bis dato der erste vernünftig Angriff der Frankfurter. Das 2:0, „der Schlüssel zum Sieg“ (Hütter), hatte indes die Gemüter der Freiburger Zuschauer erhitzt, weil Eintracht Frankfurt nach ihrer Auffassung angeblich gegen ein Gebot der Fairness verstoßen habe. Torhüter Rönnow hatte den Ball acht Minuten vor dem Ende ins Aus schlagen wollen, weil sich Torro in seinem Strafraum vor Schmerzen krümmte. Es war Rönnow nicht ganz gelungen, der Ball wäre nicht ins Aus gerollt, wenn nicht der Freiburger Pascal Stenzel ihn über die Linie befördert hätte. Jetro Willems schnappte sich die Kugel auf Höhe der Mittellinie, es war nicht ganz klar, ob er den Ball nun zu einem Freiburger werfen sollte oder doch zu einem Frankfurter.

Nach einem kurzem Gespräch mit dem Linienrichter und einigen SC-Spielern war klar: Alle Beteiligten hatten sich darauf geeignet, das Spiel normal weiterzuführen. Willems warf also zu einem Eintracht-Kollegen; und ein paar Spielzüge später zappelte der Ball nach einer der wenigen gelungenen Kombinationen über Mijat Gacinovic, Jonathan de Guzman und Haller im Tor. Unsportlich? Eher nicht. Selbst Lars Voßler, der Freiburger Co-Trainer, der seinen an einem Bandscheibenvorfall leidenden Chef Christian Streich vertrat, wollte den Frankfurtern „keinen Vorwurf“ machen, „wir hätten es immer noch verteidigen können.“ In Frankfurt sind die zuletzt hochgeschlagenen Wogen fürs erste geglättet. Das ist mehr als man erwarten durfte.

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