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Ball und Gegner vor Augen: der Frankfurter Stürmer Sébastien Haller

Eintracht Frankfurt

Ausgeruht zur nächsten Prüfung nach Stuttgart

Der Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt gastiert heute Abend (20.30 Uhr) beim VfB Stuttgart. Und will seine Serie auch bei den Schwaben fortsetzen.

Die Elogen wollen nicht enden, auch jetzt nicht, da die stürmische F in Nürnberg so ein wenig aus dem Rhythmus gebracht wurde und im Frankenland nur einmal traf, und das auch noch zu einem Zeitpunkt, an dem Fußallspiele ohne Extrazeit eigentlich schon beendet sind. Wichtig war der Treffer zum 1:1 von Sébastien Haller natürlich dennoch. Also ließ sich Matthias Sammer, der emotionale Heißsporn, der gleichwohl ganz kühl und messerscharf analysieren kann, als TV-Experte bei Eurosport zu einer Lobeshymne hinreißen: „Vor dem System Eintracht Frankfurt muss man sich fast verneigen.“

Der entscheidende Faktor sei die Sportliche Leitung um Fredi Bobic, Bruno Hübner und Ben Manga. Diese Männer geben die Leitlinie vor und haben auch mit ihrer Transferpolitik dafür gesorgt, dass die Mannschaft nach dem Wegfall „der Achse an Führungsspielern und jungen Hungrigen“ dennoch in der Spur geblieben ist. „Das haben sie wieder exzellent geschafft“, findet Sammer.

Heute Abend wartet die nächste Prüfung auf den Bundesligisten, dann geht es beim schwer taumelnden VfB Stuttgart (20.30 Uhr) auch darum, den Anschluss nach oben zu halten. Keine leichte Aufgabe, die Schwaben strotzen zwar gewiss nicht vor Selbstvertrauen, sie sind Letzter des Tableaus, der Effekt des Trainerwechsels von Tayfun Korkut hin zu Markus Weinzierl ist kurzfristig erst einmal verpufft, der neue Mann hat sich mit zwei 0:4-Klatschen (gegen Dortmund und Hoffenheim) eingeführt – sehr viel schlechter geht es nicht.

Und doch können genau solche Kontrahenten ja ganz gefährlich sein, so wie angeschlagene Boxer, die nichts mehr zu verlieren haben. Der VfB wittert seine Chance. „Ich erwarte ein heißes Spiel“, sagt daher Eintracht-Trainer Adi Hütter, „sie wollen ihre Serie reißen lassen.“ Das würde im Umkehrschluss bedeuten, dass auch die Serie der Eintracht reißt, die seit sechs Pflichtspielen nicht mehr verloren und fünf von diesen Begegnungen gewonnen hat.

Das wollen die Hessen, man kann es sich denken, mit allen Mitteln verhindern. Auch wenn Hütter die Stuttgarter für einen Gegner hält, der sich irgendwie in diese unschönen Gefilde verirrt hat. „Sie haben Qualität, und diese Qualität stimmt nicht mit dem Tabellenplatz überein.“ Dennoch hat der 48-Jährige ein gutes Gefühl. Das liegt in erster Linie an der grundsätzlichen Beschaffenheit seiner Mannschaft, „der Mentalität“, aber auch an den Trainingseinheiten. Der Österreicher ist seiner Intuition gefolgt und hatte seinen Spielern am Dienstag einen freien Tag gegönnt, was in einer sehr kurzen Woche nach einem Sonntagsspiel und mit einem bevorstehenden Freitagsspiel eher ungewöhnlich ist, aber das erste Training am Mittwoch hat den Coach in seinen Bann gezogen: hohe Intensität, große Bereitschaft, eine Menge Galligkeit.

Der Fußballlehrer glaubt ohnehin, dass die paar Tage Pause seinem Team gut getan haben. Nach dem Europapokalspiel gegen Limassol hatten die Hessen lediglich 61,5 Stunden Zeit, um sich für die Auswärtspartie in Nürnberg zu präparieren. In der Aufarbeitung des glücklichen Remis’ beim Club sein diese kurze Spanne ein Thema gewesen. „Wir haben mit den Spielern gesprochen, sie hatten nicht das Gefühl, diese Spritzigkeit zu haben.“

Frische, Aggressivität, Laufbereitschaft, Tempo – das braucht die Eintracht aber, wenn sie ihr Spiel durchbringen will. Hütter ist optimistisch, diese Stärken wieder auf den Platz bringen zu können. Seine Spieler sollen die Schwaben attackieren und nicht zur Ruhe kommen lassen. Die Frage wird sein, welche Sturmformation der Trainer aufbieten wird. Vieles spricht für Sébastien Haller und Ante Rebic in vorderster Linie. „Das ist eine gute Konstellation“, sagt Hütter. Die Frankfurter orientieren sich im Klassement nach oben, und daher müssen sie Spiele wie das heutige eigentlich gewinnen. Das Anspruchsdenken hat Torwart Kevin Trapp nach dem 1:1 in Nürnberg dokumentiert. „Wir hatten die riesige Möglichkeit, uns oben festzusetzen.“ Für Sammer ist der Keeper auch ein Schlüssel zum Erfolg: Trapp sei in Paris gereift, da sei eine neue Denke implantiert worden. „Er hat ein Gen erhalten, das er trägt, das ausfächert und das er spürt.“

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