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B-Jugend: Was wurde aus dem Meisterteam?

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Von: Roland Stipp

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Hoch das Bein: Sonny Kittel im Finale gegen Leverkusen.
Hoch das Bein: Sonny Kittel im Finale gegen Leverkusen. © Christian Klein

Vor fünf Jahren wurde die Frankfurter B-Jugend Deutscher Meister und groß gefeiert. Unter den Eintracht-Profis findet sich heute von diesen vielen Talenten aber nur eines: Sonny Kittel.

Damals groß gefeiert, zerstreuten sich die deutschen B-Jugend-Meister der Frankfurter Eintracht von 2010 schnell in alle Winde. Nur Alexander Schur, der in jener Zeit seine erste Saison als Trainer erlebte, wirkt nach wie vor am Riederwald. Er erwarb zwischenzeitlich die Fußballlehrer-Lizenz, trainierte die U23-Mannschaft in der Regionalliga und kämpft gerade mit den A-Junioren um den Klassenerhalt in der U19-Bundesliga.

Und dann ist da natürlich noch Sonny Kittel, damals mit zwei Vorlagen im Hinspiel gegen Hertha BSC und zwei Treffern im Rückspiel der Held des Halbfinales. Er schaffte den Sprung zu den Profis und spielt nach wie vor für die Eintracht. Sein Debüt feierte er schon mit 17 Jahren unter Trainer Michael Skibbe. Später musste er wegen eines Kreuzbandrisses und mehreren Knieoperationen wiederholt aussetzen und kam in fast fünf Jahren als Profi bislang auf ganze 38 Einsätze in der Ersten und Zweiten Liga. Auch unter Thomas Schaaf ist er kein Stammspieler. Dabei mangelt es Kittel sicher nicht an Talent. Er wurde 2011 als zweitbester Spieler des Jahrgangs 1993 hinter dem Schalker Julian Draxler mit der Fritz-Walter-Medaille in Silber geehrt, durchlief von der U16 bis zur U20 alle DFB-Nationalmannschaften – und hat ja den Titel mit der B-Jugend der Eintracht vorzuweisen.

Einen Profivertrag hat der eine oder andere von Kittels ehemaligen Mitspielern, so richtig groß rausgekommen ist aber (noch) keiner von ihnen. Louis Goncalves, der im unvergesslichen Finale gegen Bayer Leverkusen vor großer Kulisse am Bornheimer Hang in der Verlängerung das siegbringende 1:0 erzielte, riss sich wenig später das Kreuzband, verpasste mehr oder weniger das ganze erste A-Jugendjahr und damit auch die Chance, sich zum Profi zu entwickeln. Er spielte später für die Zweite Mannschaft des SV Wehen Wiesbaden in der Hessenliga. Aktuell ist er beim Verbandsliga-Tabellenführer Watzenborn-Steinberg am Ball und hat dort hoffentlich den Spaß am Fußball wiedergefunden.

Torhüter Aykut Özer, von der U16 bis zur U21 türkischer Jugend-Nationalspieler, bekam bei der Eintracht einen Profivertrag, durfte drei Jahre mit dem Bundesligateam trainieren und einmal, am letzten Spieltag der Saison 2012/13 gegen Wolfsburg, kam er zur zweiten Halbzeit für den verletzten Oka Nikolov aufs Feld. Ein Jahr später, nach der Abmeldung der Frankfurter U23, wechselte er zu Karabükspor, das demnächst wohl aus der Ersten türkischen Liga abgestiegen sein wird. Özer kann nichts dafür – er sitzt meist nur auf der Bank.

Ausgeliehen an den FSV

Noch nicht aufgegeben hat Patrick Schorr, der ebenfalls Junioren-Nationalspieler war. Er wechselte noch in der Jugend zur TSG Hoffenheim, wo er Anfang 2013 auch einen Profivertrag bekam. Einmal durfte er in der Bundesliga schon ran, in der Hinrunde der laufenden Saison spielte er aber nur für die Zweite Mannschaft in der Regionalliga. Inzwischen wurde er auf Leihbasis (bis 2016) an den Zweitligisten FSV Frankfurt abgegeben. Dort könnte er aus Hoffenheimer Sicht den Durchbruch schaffen, sein Vertrag mit der TSG wurde jedenfalls bis 2017 verlängert.

Alexander Hien, damals einer der ersten Internatsschüler am neuen Riederwald und großer Hoffnungsträger des Leistungszentrums, bekam einen Profivertrag, verletzte sich aber immer wieder, spielte noch ein paar Mal für die U23 in der Regionalliga und verließ die Eintracht nach längerer Leidenszeit reichlich frustriert. Beim Regionalligisten Wormatia Worms spielt er seither auch nicht die ganz große Rolle.

Innenverteidiger Julian Dudda erging es kaum besser. Ihn warf der als Feuerwehrmann verpflichtete Christoph Daum 2011 beim 0:2 gegen Köln ins Bundesliga-Feuer. Dudda bekam vom „kicker“ die Note 5, die Eintracht stieg ab. In den letzten knapp zwei Jahren absolvierte der 1,93-Meter-Hüne aus der Wetterau 14 Spiele für die Zweite Mannschaft von Werder Bremen in der Regionalliga Nord. Als Kapitän wuchtete Erik Wille am 28. Juni 2011 voller Stolz die silberne Meisterschale mit dem grünen Glaskern in den Himmel über Bornheim. Zwei Jahre später wurde er zusammen mit Julian Dudda und Alexander Hien Profi. Trainer Armin Veh entschied sich schnell: Wille wollte er nicht haben. 2014 wechselte Wille zum Drittligisten MSV Duisburg, wo er bisher auf drei Einsätze kam. Nach einer Hüftoperation ist diese Saison für ihn bereits vorbei.

Rechts hinten verteidigte im Finale 2011 Robin Söder, der später zur Zweiten Mannschaft von Kickers Offenbach in die Hessenliga wechselte. Kevin Demuth, der im linken Mittelfeld einige Meter zu gehen hatte, war ebenfalls in der Hessenliga am Ball – beim FCA Darmstadt und beim FSV Fernwald. Später verdiente er sich beim Verbandsligisten SSV Lindheim etwas dazu, der inzwischen nicht mehr am Spielbetrieb teilnimmt. Aktuell ist Demuth für die SG Bruchköbel in der Verbandsliga Süd am Ball, die zuletzt mit 0:4 gegen den FC Bensheim verloren hat, der wiederum von der ehemaligen Eintracht-Größe Ronald „Ronny“ Borchers trainiert wird. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.

In einer ganz anderen Welt lebt inzwischen Okan Derici, der damals so wieselflinke und filigrane Stürmer, dem man es so gewünscht hätte, dass er seinen Traum wahr macht. Doch die jugendliche Leichtigkeit verflog, Derici wechselte zu Galatasaray Istanbul, wurde in keinem einzigen Ligaspiel eingesetzt, versuchte es ebenso erfolglos in Deutschland beim Drittligisten Rot-Weiss Erfurt und kehrte wieder in die Türkei zurück. Viel ist seither nicht von ihm zu hören, nur dass ihn sein Erstligaclub aus Konya ihn an einen Zweitligisten verliehen hat, der irgendwo an der bulgarischen Grenze zu Hause ist.

Gianluca Asta war mal beim damaligen Hessenligisten FCA Darmstadt am Ball, konnte sich später bei Viktoria Aschaffenburg aber nicht mehr durchsetzen. Lukas Ehlert versuchte es über die Zweite Mannschaft des FSV Frankfurt und den SVN Zweibrücken und ist aktuell beim Regionalliga-Anwärter SC Hauenstein am Ball, der ab der nächste Saison von Weltmeister Jürgen Kohler trainiert wird. Kevin Bartheld ist Stammspieler beim Hessenligisten Eintracht Stadtallendorf, Daniel Müller bei dessen Ligarivalen Bayern Alzenau.

Bleiben noch die im Finale nicht eingesetzten Reservisten: Danny Söder spielte zehn Mal im Tor des FSV Frankfurt II in der Regionalliga, Kevin Effiong ist noch beim SV Wehen Wiesbaden II aktiv in der Hessenliga, Maurus Klüber kehrte von der Eintracht zum Hünfelder SV zurück und klopft mit dem Verbandsligisten an die Tür zur Hessenliga. Und Florijon Belegu, der elf Mal für die Eintracht-U23 in der Regionalliga spielte, gehört zum Kader des FSV Frankfurt. Einen Zweitliga-Einsatz hatte er noch nicht.

So spielte die Eintracht im U17-Finale der deutschen Meisterschaft 2010 gegen Bayer Leverkusen:

Aykut Özer – Robin Söder, Julian Dudda, Patrick Schorr, Erik Wille (88. Kevin Bartheld) – Louis Goncalves, Sonny Kittel, Alexander Hien, Kevin Demuth – Gianluca Asta (61. Lukas Ehlert), Okan Derici (100. Daniel Müller). Nicht zum Einsatz kamen: Danny Söder, Kevin Effiong, Maurus Klüber und Florijon Belegu.

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