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Auf Höhenflug mit der Eintracht: Gegen die Bayern muss auch Sébastien Haller noch einmal über die Grenze gehen.

Eintracht

Die Eintracht wird Kovac mit zügellosem Selbstvertrauen begegnen

Niko Kovac freut sich auf die Rückkehr nach Frankfurt. Die Eintracht wird ihm mit unbändigem Selbstvertrauen begegnen.

Natürlich ging es auch in München zur Mittagszeit um das funkelnde Frankfurter Dreigestirn im Angriff. Niko Kovac, der sommerliche Seitenwechsler, hat Sébastien Haller, Luka Jovic und Ante Rebic ja bei der Eintracht höchstselbst angeleitet, er kennt sie aus dem Effeff. „Die drei machen es richtig gut“, sagte der neue Bayern-Trainer, der gar nicht mehr so neu ist an der Säbener Straße, aber schon eine ganze Menge durchleben und auch einstecken musste.

Vielleicht lässt Adi Hütter, sein Nachfolger in Frankfurt, ja heute im letzten Heimspiel des Jahres gegen die Bayern (18.30 Uhr) alle drei von der Leine. Kovac hatte sich das nie getraut, bei ihm spielten maximal zwei der drei Angreifer, oft genug auch nur einer.

Das ist natürlich eine Frage der Philosophie, der grundsätzlichen Herangehensweise. Die ist beim Österreicher Hütter sehr viel mutiger als beim Kroaten Kovac, der seine Mannschaft eher defensiv und kompakt einstellte. „Aber das ist nicht meine Idee“, sagte Hütter erst unlängst. „Fredi Bobic und Bruno Hübner haben mich nicht geholt, damit ich das weiterführe. Da hätten sich andere Trainer angeboten. Das ist nicht meine Art und Weise von Fußball, wie ich ihn denke.“

Und so wird die Eintracht heute gegen die „beste Mannschaft Deutschlands“ (Hütter) die Flucht nach vorn antreten. Es spricht für das unbändige Selbstvertrauen, dass die Eintracht zwar die Favoritenrolle der Bayern anerkennt, aber in Person von Sportchef Fredi Bobic eine kleine Botschaft hinüber an den Meister schickt: „Wir gehen ganz klar auf drei Punkte.“

Für die Eintracht, mit deren Beteiligung keine der vergangenen 49 Bundesligapartien torlos endete, wird sicher Ante Rebic auflaufen, der die Bayern im Pokalfinale ja fast alleine zerlegte und vielleicht auch Luka Jovic, der schon 17 Pflichtspieltore erzielt hat. Kovac lobte den Kroaten Rebic und den Serben Jovic ausgiebig. „Das sind zwei richtig gute Spieler. Sie haben es nicht nur in der Bundesliga bewiesen, sondern auch international.“

Der 47-Jährige adelte Luka Jovic in besonderem Maße. „Er ist, wenn er auf dem Dampfer bleibt, ein Weltklasse-Stürmer, der irgendwann einmal in einem ganz, ganz großen Club spielen wird, davon bin ich überzeugt. Wenn er gesund und im Kopf klar bleibt, dann ist das einer.“ Und mit einem breiten Grinsen fügte Kovac hinzu: „Wir sind, glaube ich, auch ein Weltklasse-Club.“

Aber aktuell werden die Bayern keinen Vorstoß machen. „Fredi hat diese Saison seine Pläne“, sagte Kovac. „Er wird keinen abgeben.“ Für den Münchner Fußballlehrer ist die Rückkehr an den Main etwas ganz Spezielles: „Ich bin Mitglied auf Lebenszeit, der Club und die Fans sind mir ans Herz gewachsen, es gibt eine besondere Verbindung.“

Adi Hütter hat sich aus Kovacs langem Schatten schnell lösen und sich flugs emanzipieren können, was natürlich auch an den erfolgreichen Auftritten seiner Mannschaft lag.

Die wird am Abend, wie ihr Coach glaubt, „über die Grenzen gehen müssen, um bestehen zu können“, doch generell habe er ein gutes Gefühl, ein sehr viel besseres als im Sommer, als es im Supercup eine 0:5-Klatsche setzte. Das wird nicht noch einmal passieren, da ist sich Hütter relativ sicher. „Man kann uns nicht mehr mit damals vergleichen. Dazwischen liegen 18 Punkte in der Europa League und 27 in der Bundesliga.“

Und eine Menge Tore. 34 in der Liga, mehr, als die Bayern geschossen haben (33). „Das ist überraschend“, betonte Hütter. „Aber wir haben halt Power nach vorne.“ Auch international hat die Eintracht zwei Treffer mehr gemacht als die Münchner, nämlich 17, auch wenn die Europa League nicht die Kragenweite der Königsklasse hat.

Weil sich die Hessen nicht verstecken werden, die Bayern nicht mehr in der Krise stecken und ja ihre unbestrittenen Qualitäten haben, könnte dieses Flutlichtspiel im Frankfurter Stadtwald „ein interessantes Duell werden“, wie Hütter urteilte. „Wir werden unsere Möglichkeiten vorfinden.“

Da Costa bleibt bis 2022

Einer, der immer dabei ist, wird heute ebenfalls dabei sein und seine rechte Flanke beackern, so wie er es in jedem einzelnen der 24 Pflichtspiele bisher gemacht hat: Danny da Costa. „Er wird alles aus sich herausholen“, sagte Hütter über seinen Dauerbrenner.

Zur Belohnung für so viel Hingabe, gepaart mit fußballerischem Können, ist der Vertrag des 25-Jährigen um ein Jahr bis 2022 verlängert worden.

„Danny hat sich bei uns toll entwickelt und ist zu einem wichtigen Spieler geworden“, sagte Sportvorstand Fredi Bobic. „Er ist im besten Alter, seine Entwicklung ist noch nicht zu Ende.“

Auch Sportdirektor Bruno Hübner fand ausschließlich lobende Worte: „Danny bringt eine große Dynamik und Zielstrebigkeit mit und ist sehr verlässlich.“ Heute wird er sich noch einmal zusammenreißen müssen, gegen die großen Bayern fällt das aber gar nicht so schwer.

Von Ingo Durstewitz

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