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Geballte Entschlossenheit: So wollen Eintracht-Trainer Niko Kovac und sein Team auch am Sonntag in Dortmund punkten.

Eintracht Frankfurt

Vom Beinahe-Absteiger zum Champions-League-Kandidaten

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Trainer Niko Kovac genießt den Höhenflug mit der Frankfurter Eintracht. Er fühlt aber auch mit dem abstiegsbedrohten Hamburger SV.

Am Donnerstagabend hat Niko Kovac zum Telefon gegriffen und Heribert Bruchhagen angerufen. Es war ihm ein tiefes Bedürfnis noch einmal mit jenem Mann zu sprechen, der ihm zu seinem wahrscheinlich wichtigsten Karrieresprung als Fußballtrainer verholfen hat. „Ich verdanke ihm, dass ich hier sitzen darf. Es tut mir auch leid, was mit ihm passiert ist“, sagt Kovac.

Was für eine Parallelität: Am 8. März vor zwei Jahren hat der Kroate seine – letztlich erfolgreiche – Rettungsmission bei der begonnen. Und ebenfalls an einem 8. März ist Heribert Bruchhagen als Vorstandschef des Hamburger SV abgesetzt worden – und damit wohl aus der Bundesliga verschwunden.

Kovac leidet im Abstiegskampf mit seinem früheren Verein Hamburger SV. „Es tut mir leid, was mit dem HSV passiert. Es gibt viele, die dem HSV wünschen, dass er mal absteigt. Ich gehöre nicht dazu“, sagt Kovac. Der 46-Jährige spielte von 1999 bis 2001 für die Hamburger. „Ich war ein Teil dieses großen Clubs. Ich hatte dort zwei wunderschöne Jahre. Meine Tochter kam in Hamburg zur Welt“, betont er. Sein Fürchten um den schwer bedrohten „Dino“ ist spürbar.

Aber so ist Niko Kovac. Ein Mann mit Prinzipien. Reflektierend, emotional, ehrgeizig, manchmal auch überbordend und impulsiv. Als „Vulkan“ hat ihn sein Co-Trainer Armin Reutershahn charakterisiert. „Ich fordere von mir selbst viel und gehe voran. Und das verlange ich auch von anderen“, sagt der ehemalige kroatische Nationalcoach: „Ich gebe nie auf, bis zum letzten Atemzug. Das ist mein Naturell.“

Was klingt wie ein Lehr-Baustein aus Fachbüchern für Motivationstrainer ist in seinem Fall die simple Wahrheit. Im Trainer Niko Kovac steckt immer noch viel vom unermüdlich kämpfenden Mittelfeldspieler Niko Kovac. Mit dieser Getriebenheit hat er die Eintracht vor dem Abstieg bewahrt und – in Teamarbeit mit Sportvorstand Fredi Bobic und Sportdirektor Bruno Hübner – zu einem Kandidaten für die europäische Bühne geformt. Was ihn nur weiter anspornt: „Hochzukommen, das schafft immer mal wieder jemand. Aber wir müssen es schaffen, da oben zu bleiben. Das ist die Herausforderung für die nächsten Wochen.“

Er weiß, dass er bei allem Arbeitsethos auch Glück gehabt hat. „In der Bundesliga eine Chance als Trainer zu bekommen, ist schwierig“, weiß Kovac: „Deswegen bin ich dem Verein zu Dank verpflichtet.“ Beide Seiten seien ein Risiko eingegangen, für beide Seiten habe es sich gelohnt. Sein Vertrag läuft noch ein Jahr. Der Trainer hat trotzdem schon die lebenslange Mitgliedschaft bei der Eintracht verliehen bekommen. Er sagt gerne: „Ich werde den Adler immer im Herzen haben.“ Dass er ihn noch länger auf der Brust tragen wird, sagt er nicht. Nach seinen Maßstäben wäre das unehrlich. Dazu ist der Fußball zu schnelllebig.

Auch bei Borussia Dortmund ist Niko Kovac im Gespräch. Und ausgerechnet dorthin führt ihn am Sonntag (18 Uhr) sein nächster Weg. Der Dritte gegen den punktgleichen Vierten: Es ist das Spitzenspiel am 26. Bundesliga-Spieltag. Und der Druck lastet auf den Gastgebern: „Sie müssen die Champions League erreichen, wir können“, sagt der Frankfurter Coach: „Uns reißt niemand den Kopf ab, wenn wir verlieren.“ Kovac spricht von „angenehmem Druck“, den seine Mannschaft habe: „Wir können etwas erreichen, was vor der Saison niemand von uns erwartet hat.“

Bis auf Omar Mascarell (lesen Sie dazu unseren gesonderten Artikel), kann er personell aus dem Vollen schöpfen. Der schwache Auftritt der Dortmunder in der Europa League gegen Salzburg hat für den Frankfurter Trainer im übrigen keine besondere Bedeutung: „Der BVB wird gegen uns ein anderes Gesicht zeigen. Was war, ist vorbei“, sagt Niko Kovac: „Was kommt ist entscheidend.“ Es klingt ein wenig wie ein Blick in die eigene Zukunft.

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