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Norbert Nachtweih wurde mit Bayern München viermal deutscher Meister und kehrte später zur Eintracht zurück.

Eintracht Frankfurt

Blick zurück: So erging es Adlerträgern bei den Bayern

Viele Spieler gibt es nicht, die sowohl für die Frankfurter Eintracht als auch für Bayern München kickten. Und nur einer wechselte vom Rekordmeister an den Main. Andere verließen die Eintracht Richtung München, um später zurückzukehren.

Thomas Berthold (53 Jahre): Der in Hanau geborene Weltmeister von 1990 wechselte als Jugendlicher zur Eintracht. Ab der Saison 1982/83 kickte er bei den Profis und reifte im Adler-Dress zum Nationalspieler. Bis 1987 stand Berthold 111-mal für Frankfurt auf dem Platz. Er galt als beinharter Manndecker, der aber auch technisch versiert war. 1987 zog es ihn in die damals stärkste Liga der Welt nach Italien. 1991 kehrte er nach Deutschland zurück, wurde aber bei Bayern München nicht glücklich. In zwei Spielzeiten bestritt Berthold nur 30 Spiele, weil er sich mit Trainer Erich Ribbeck überwarf – und suspendiert wurde. Bayerns damaliger Schatzmeister Kurt Hegerich bezeichnete ihn süffisant als „bestbezahlten deutschen Golfprofi nach Bernhard Langer“. Berthold sagte gerne seine Meinung, was ihm die Teilnahme an der EM 1996 kostete. Nach sieben Jahren beim VfB Stuttgart (1993 bis 2000) beendete er seine Laufbahn 2001 in der Türkei. Heute organisiert Berthold Fan-Reisen, tritt als Fernsehexperte in Erscheinung – und beschäftigt sich intensiv mit der Eintracht. Im September 2017 ging er mit seinem Herzensverein hart ins Gericht, als er von „Fußball zum Abgewöhnen“ sprach. „Momentan ist die Eintracht fußballerisch um Klassen schlechter als im vergangenen Jahr“, grantelte Berthold in Richtung Trainer Niko Kovac.

Radmilo Mihajlovic (53): Im besten Fußballeralter landete der frühere jugoslawische Nationalspieler zur Saison 1993/94 bei der Eintracht. Der Offensivspieler war mit einigen Vorschusslorbeeren von Schalke 04 gekommen, konnte aber die Erwartungen nicht erfüllen. Vier Jahre zuvor war er im Trikot des FC Bayern noch ein wichtiger Spieler auf dem Weg zum Titel gewesen. Mihajlovic war Stammspieler, erzielte in 34 Spielen vier Tore. In der Saison 1990/91 geriet er aber aufs Abstellgleis und wurde an Schalke 04 abgegeben. Der damalige Zweitligist erhielt einen Spieler, der durch seinen extravaganten Lebensstil aneckte. „Morgen komme ich nicht mehr“, sagte er nach dem letzten Spieltag der Saison 1992/93, obwohl sein Vertrag noch bis Ende Juni lief. Mihajlovic kam tatsächlich nicht mehr. Sein Verhalten hielt die Eintracht aber nicht von einer Verpflichtung ab. Im Sommer 1994 verließ Mihajlovic Frankfurt wieder und legte eine dreijährige Pause ein. Nach Engagements in Südkorea und Zypern beendete er seine Laufbahn im Jahr 1998.

Johnny Ekström (53): Bei der Eintracht war man sich im Sommer 1995 sicher, dass Stürmer Johnny Ekström dem Club zu neuem Glanz verhelfen würde. Letztlich war der 47-fache schwedische Nationalspieler aber nur ein Mitläufer und stieg mit der Eintracht 1996 in die Zweite Liga ab. Mit den Bayern hatte Ekström in der Saison 1988/89 als Stammspieler die Meisterschaft geholt. Entsprechend hoch waren die Erwartungen, als er nach Frankfurt kam. Im fortgeschrittenen Fußballeralter von 30 Jahren sollte er das Sturmproblem lösen, das sich nach dem Abgang von Anthony Yeboah ergeben hatte. Doch Ekström hatte wenig vom Glanz des Ghanaers, erzielte nur zwei Tore und stand im Frühjahr nicht mehr im Kader. Nach der ersten Zweitliga-Spielzeit der Eintracht verabschiedete sich der bullige Stürmer Richtung Göteborg, wo er seine Laufbahn im Frühjahr 1998 ausklingen ließ.

Markus Schupp (52): Der Spielmacher ist der einzige Spieler, der von Bayern München zu Eintracht Frankfurt wechselte. Im Sommer 1995 wurde er für rund zwei Millionen Mark geholt, um mit den Adlerträgern wieder in das internationale Geschäft zu kommen. Doch letztlich erwies sich die Verpflichtung des gebürtigen Pfälzers als Missverständnis. Schupp war nicht der Mittelfeldstratege, der er sein sollte. Im Frühjahr 1996 ließ er mit seinem Treffer zum 1:0 gegen Werder Bremen kurzzeitig Hoffnung im Kampf gegen den Abstieg keimen. Doch kurz drauf war die Eintracht abgestiegen – und Schupp zog es nach Hamburg. Auch dort hinterließ er in 16 Einsätzen für den HSV keinen bleibenden Eindruck und ging 1997 in die Schweiz, wo er seine Karriere vier Jahre später im Trikot von Sturm Graz beendete. Später war Schupp Cheftrainer bei Sturm Graz (2001 bis 2003), Wacker Burghausen (2004 bis 2006) und beim Karlsruher SC (2009 bis 2010) sowie Co-Trainer beim Hamburger SV (2007 bis 2008) und bei Red Bull Salzburg (2009). Nach seiner Entlassung beim KSC im Oktober 2010 probierte sich Schupp als Sportdirektor. Zunächst beim VfR Aalen, später (zwischen 2014 und 2015) beim 1. FC Kaiserslautern. Zuletzt war er bis Mitte Februar beim österreichischen Bundesligisten SKN St. Pölten tätig.

Norbert Nachtweih (60): Der Mittelfeldspieler zählt zu den Eintracht-Legenden. Zwischen 1977 und 1982 absolvierte Nachtweih 120 Bundesliga-Spiele im Adler-Dress, gewann 1980 den UEFA-Cup und 1981 den DFB-Pokal. 1982 wechselte er zum FC Bayern und absolvierte bis 1989 202 Spiele (20 Treffer) für die Münchner. Vier Meistertitel feierte er in dieser Zeit, zudem bestritt er 1987 das Endspiel des Europapokals der Landesmeister. Nach einem zweijährigen Intermezzo in Frankreich beim AS Cannes ging er zurück nach Frankfurt. In der Saison 1991/92 stand er als 34-Jähriger drei weitere Male für die Eintracht auf dem Feld, wechselte dann zum Zweitligisten SV Waldhof Mannheim und beendete seine Karriere 1996. Anschließend war Nachtweih als Trainer im Amateurfußball tätig. Beim SV Bernbach und beim FK Pirmasens, jeweils in der Oberliga. 2005 erhielt er eine Anstellung bei der Eintracht-Fußballschule, heute ist der 60-Jährige Jugendtrainer beim SC Hessen Dreieich, bildet aber weiterhin für die Eintracht Talente aus.

Wolfgang Kraus (64): Er zählte in den 70er-Jahren zu den Leistungsträgern der Eintracht und erzielte in 173 Bundesliga-Spielen 29 Treffer. Der gebürtige Frankfurter, genannt „Scheppe“, agierte in den 70er-Jahren im Schatten von Bernd Hölzenbein und Jürgen Grabowski, war bei den Fans aber nicht minder beliebt. Bis zu seinem Wechsel zum ungeliebten FC Bayern, für den er ab Sommer 1979 fünf Jahre lang die Fußballschuhe schnürte. Die Eintracht hatte Kraus nicht die Konditionen geboten, die er sich als B-Nationalspieler erhofft hatte. „Ich wollte nie weg von der Eintracht“, erklärte der Offensivspieler viele Jahre später. 1986 war er nach einem zweijährigen Engagement beim FC Zürich zurück in Frankfurt. 15 weitere Einsätze folgten, ehe er bei „seiner“ Eintracht den Managerposten übernahm. Keine zwei Jahre später war Kraus den Job schon wieder los. Seine Kündigung erhielt er durchs gekippte Toilettenfenster, was in die Annalen der deutschen Fußballgeschichte einging. Seine besondere Beziehung zur Eintracht ging dadurch aber nicht in die Brüche. Von der Tribüne aus beobachtet er als regelmäßiger Stadiongänger ganz genau, was die nachfolgenden Spielergeneration den Fans bieten.

Sebastian Rode (27): Der einstige Frankfurter Leistungsträger hat schwierige Jahre hinter sich. Im Sommer 2016, nach zwei durchwachsenen Spielzeiten bei Bayern München, wollte er im Trikot von Borussia Dortmund den Durchbruch bei einem Spitzenclub schaffen. Doch seitdem absolvierte der Mittelfeldspieler, der bei der Eintracht in der Abstiegssaison 2010/11 debütiert hatte, nur 14 Bundesliga-Spiele. Hartnäckige Verletzungen bremsten ihn immer wieder aus. Zuletzt fiel der gebürtige Südhesse durch markante Statements in einem Fernsehinterview auf. Angesprochen auf die Zukunft des mittlerweile zurückgetretenen BVB-Trainers Peter Stöger, entgegnete Rode: „So wie er sich in der Kabine ausdrückt, gehen wir fest davon aus, dass wir in der kommenden Saison einen neuen Trainer haben werden.“ Auf dem Feld trat der 27-Jährige in dieser Spielzeit nicht in Erscheinung, bestritt verletzungsbedingt kein einziges Bundesliga-Spiel. Als er 2014 nach vier Jahren bei der Eintracht zum Rekordmeister ging, hatten nicht viele daran glaubt, dass sich Rode durchsetzen werde können. Viel mehr als gute Ansätze zeigte er unter Trainer Pep Guardiola auch nicht. Trotzdem zahlte der BVB im Sommer 2016 zwölf Millionen Euro. Zu den Bayern war er zwei Jahre zuvor ablösefrei gegangen.

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