Am Boden - aus Fotografensicht hätte sich Nelson Valdez nicht besser platzieren können.
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Am Boden - aus Fotografensicht hätte sich Nelson Valdez nicht besser platzieren können.

Eintracht Frankfurt

Blutleere Eintracht bringt auch Hübner ins Grübeln

  • VonKlaus Veit
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Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt ist mit dem 0:2 bei Borussia Dortmund noch gut bedient.

Seit drei Spielen fehlt Alexander Meier wegen seiner schweren Knieverletzung. Seitdem hat die Frankfurter Eintracht kein einziges Mal ins gegnerische Tor getroffen. Und am Samstag hat sie sogar kein einziges Mal ernsthaft Mitchell Langerak geprüft, der den angeschlagenen Roman Weidenfeller vertrat. Das verdarb sogar Bruno Hübner die Laune. „Wenn wir nicht zum Abschluss kommen, da mache ich mir schon meine Gedanken“, sagte der Frankfurter Sportdirektor.

Noch deutlicher wurde Nelson Valdez, der klar einräumte: „Uns fehlt die Qualität.“ Eigentlich kein Wunder, ohne Meier, den besten Saisontorschützen, und ohne Stefan Aigner, den besten Eintracht-Schützen der Rückrunde. Aber das ist zu kurz gedacht. Von 21 möglichen Auswärtspunkten im Jahr 2015 wurde mit dem 2:2 in Augsburg gerade ein Zähler geholt. Ansonsten: Nur Enttäuschungen.

Verblüffend, dass Kevin Trapp eine Verbesserung gegenüber den letzten Vorstellungen gesehen haben will. „Unter dem Strich“ sei es ein besseres Auftreten als zuletzt in der Fremde gewesen, erklärte der Kapitän den staunenden Journalisten. Schönrederei war das wohl. Oder war der Keeper nur froh, dass die Gastgeber in der mit mehr als 80 000 Besuchern ausverkauften Arena besonders in Durchgang zwei wieder einmal diverse Chancen vergeben hatten, eine deftige Schlappe so der Eintracht erspart geblieben ist?

Ja, das 1:0 der Dortmunder war ärgerlich und der Handelfmeter, von Pierre-Emerick Aubameyang lässig verwandelt (24.), eher eine Fehlentscheidung. Dem hoch springenden Sonny Kittel war der Ball aus kurzer Entfernung an die Hand gesprungen. Vergrößerung der Körperfläche ja, Absicht nein. „Schiedsrichter pfeifen je nach Laune“, vermutete Valdez hinterher und auch Thomas Schaaf war sauer: „Man kann sich alles so zurechtlegen, wie man es braucht. Werfen Sie eine Murmel hoch und gucken Sie, was dabei herauskommt!“

Der Trainer gab aber auch die fehlende Qualität und den vergeblich gesuchten Mut zu. Die Hoffnung, dass angesichts der letzten Chance auf die Europa League die Truppe wenigstens kämpferisch an ihre Grenzen geht, erfüllte sich nicht.

Im Gegenteil, manche zeigten sich eher schlafmützig. Paradebeispiel: Lucas Piazon. Die Leihgabe vom FC Chelsea hatte die einzige, also die beste Chance auf dem Fuß. Doch statt alleine vor Langerak entschlossen den Abschluss zu suchen, wurde er immer langsamer und ließ zu, dass ihm Sokratis den Ball noch vom Fuß spitzeln konnte (41.). „Da muss er entschlossener sein“, kritisierte Schaaf, „da muss er ein Tor machen.“ Trotzdem ließ er den schwächsten Eintrachtler 90 Minuten lang durchspielen. „Man hofft halt, dass er seine Qualität doch noch einbringt“, begründete er diese Entscheidung. Auch diese Hoffnung erfüllte sich nicht.

Im Spiel starb sie recht früh, spätestens mit dem Dortmunder 2:0, als Shinji Kagawa einen schnellen, gut vorgetragenen Konter der Westfalen ohne Probleme abschloss (32.).

Am kommenden Wochenende muss die Eintracht wieder reisen. „Unsere Auswärts-Quote ist sicher nicht prickelnd, wir müssen sie irgendwie aus den Köpfen heraus bekommen“, forderte Trapp.

Zwar wird in Bremen Alexander Madlung, der in Dortmund seine fünfte Gelbe Karte sah, fehlen, aber dafür kehren die diesmal gesperrten Bamba Anderson und Bastian Oczipka zurück, Aigner sollte bis Samstag seine Muskelprobleme ebenfalls überwunden haben.

Trotzdem droht ein weiteres Abrutschen in der Tabelle. Konnte lange Rang acht gehalten werden, weil die Konkurrenz der Eintracht in die Karten spielte, sind die Adlerträger mit 36 Punkten inzwischen auf Rang elf abgerutscht. Und es könnte weiter abwärts gehen, denn Köln (35) und Berlin (34) lauern dicht dahinter.

In Abstiegsnöte wird die Schaaf-Truppe bei nur noch vier ausstehenden Spieltagen wohl nicht mehr geraten, aber der finanzielle Schaden ist trotzdem enorm. Geht’s in der „normalen“ Tabelle bergab, so überträgt sich das auf die TV-Geld-Tabelle. Und da ist jeder bessere Rang gut eine Million Euro wert.

Beim Ärger über die schwache Vorstellung war fast untergegangen, dass Luca Waldschmidt in der 73. Minute sein Bundesliga-Debüt feiern durfte. „Die Freude war größer als der Bammel“, beschrieb der 18-Jährige seine Gefühle vor dem ersten, großen Auftritt, dem noch viele folgen werden.

Im Gegensatz zu Wilhelm Bender. Der Aufsichtsrats-Vorsitzende hatte am Samstag erklärt, dass er sich nicht mehr zur Wiederwahl stellen wird. Er hätte wohl auch keine Chance gehabt. Dass Wolfgang Steubing Benders Nachfolger wird, dürfte bereits sicher sein.

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