18.08.2016, Fussball, 1.BL, Training Eintracht Frankfurt.

Sportdirektor Bruno Hübner (li.), Sportvorstand Fredi Bobic.

Foto: Heiko Rhode, Bad Homburg

 ***WWW.FOTO-RHODE.DE*** 

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18.08.2016, Fussball, 1.BL, Training Eintracht Frankfurt. Sportdirektor Bruno Hübner (li.), Sportvorstand Fredi Bobic. Foto: Heiko Rhode, Bad Homburg ***WWW.FOTO-RHODE.DE*** FON 0172-6703266

Eintracht Frankfurt

Bobic im Exklusiv-Interview: Weg von der Abstiegszone

Wie waren denn Ihre ersten Wochen als Sportvorstand der Frankfurter Eintracht?

Wie waren denn Ihre ersten Wochen als Sportvorstand der Frankfurter Eintracht?

FREDI BOBIC: Natürlich hat man schon vorher Erwartungen, hat Informationen, aber man schaut nur von außen aufs Haus. Wenn man dann im Haus lebt, sieht man viel mehr Dinge. Zuerst haben wir eine Bestandsanalyse gemacht, dann erste Schritte eingeleitet. Wir mussten erst einmal sehr viele Personalentscheidungen treffen.

War es von vornherein Ihr Ziel, die Eintracht so umzukrempeln?

BOBIC: Erst musste ich schauen, was funktioniert und was nicht so gut. Scouting, Analyse, Medizin, Fitness, Mannschaft: Da habe ich eng mit Bruno Hübner und Niko Kovac zusammengearbeitet. Sie haben ihre Erfahrungen einfließen lassen. Es war ja klar und wurde auch im Umfeld gefordert: Nach Platz 16, nach der Relegation muss man schon etwas ändern.

War es schwierig, gute neue Spieler zu finden?

BOBIC: Bei unseren wirtschaftlichen Möglichkeiten war es sicher nicht einfach, da muss man auch Phantasie und Überzeugungskraft einsetzen. Man muss Spieler und Berater erst mal von Eintracht Frankfurt überzeugen.

Viele befürchten, die Eintracht hat nun eine Söldnertruppe, auf die kein Verlass ist.

BOBIC: Damit habe ich ein Problem. Wenn überhaupt, kann man Spieler so um die 30, die häufig ihren Verein gewechselt haben, als Söldner bezeichnen. Das sehe ich bei uns nicht. Ich sehe viele junge Leute, denen sich die Bundesliga als Plattform bietet. Die elf Freunde sind romantische Erinnerungen, die gibt es längst nicht mehr bei Bayern München und nicht bei Wattenscheid 09.

Trotzdem wäre es wohl einfacher, wenn mehr Spieler deutsch sprechen könnten, oder?

BOBIC: Manches wäre viel schöner, aber es hängt eben alles von der Machbarkeit ab. Anfang Juni, nach der Relegation, haben wir erst mal den deutschen Markt sondiert. Und haben schnell gemerkt, dass da für uns nichts machbar war. Dann sind wir auf den internationalen Markt, haben unser Netzwerk genutzt und auch Spieler von namhaften Vereinen verpflichtet. Ich bin sicher, wir haben eine Bundesliga-taugliche Truppe zusammen. Und bei den Abgängen waren wir teilweise halt an Vertragsklauseln gebunden. Da konnten wir nur reagieren.

Aber einen Stefan Aigner hätte man doch wohl halten können. Es kann doch nicht sein, dass ein Zweitligist bessere finanzielle Möglichkeiten besitzt als die Eintracht?

BOBIC: In diesem Fall schon. Stefan wollte unbedingt weg, hatte ein tolles Angebot von 1860 München, das er sportlich und wirtschaftlich für sinnvoll ansah. Ich versichere: Wir wollten ihn nicht abgeben, er stand auf keiner Liste. 1860 ist  ein Eigentümer-Verein und hat damit eine ganz andere Struktur als die Eintracht. Im Ernst: Ich hätte das Angebot früher auch angenommen.

Wenn das so ist, kann man sich in Frankfurt doch eine bessere Zukunft abschminken. . .

BOBIC: Ich bin weit weg vom Jammern, wir müssen eben das Beste aus unseren Möglichkeiten herausholen. Und 2017 gibt es deutlich mehr TV-Geld. Das müssen wir gut einsetzen.

Wenn wir auf das erste Pflichtspiel der Saison schauen, dann kann man nicht zufrieden sein, oder?

BOBIC: Ich will das nicht schön reden. Es war ein Pokalspiel, das man gewinnen muss. Es war kein überragender Auftritt, den wir aufarbeiten werden. Aber: Viele Erstligisten haben sich durch die erste Runde gequält.

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Haben Sie schon die winterliche Transferperiode im Blick?

BOBIC: Was heißt Winter? Wir denken schon an den Sommer 2017. Nach den Relegationsspielen war keine Zeit für strukturelle Arbeit, da musste alles sehr schnell gehen. Ob Bruno, Niko oder ich: Wir alle sammeln Ideen, wie wir in einem Jahr die Eintracht ein Stück besser machen können. Sollten wir im Winter merken, dass etwas notwendig ist, werden wir eben dann schon reagieren.

Wird bis Ende August noch etwas passieren?

BOBIC: Aktuell ist alles sehr ruhig, aber das kann sich auch schnell ändern. Wichtig ist, dass man für solche Fälle gut vorbereitet ist. Natürlich will der Trainer keinen Spieler mehr verlieren. Aber er weiß auch, dass wir vorbereitet wären.

Sie gehen also optimistisch in die Saison?

BOBIC: Eintracht Frankfurt gefällt mir sehr, sehr gut. Ich kann ja hauptsächlich nur für die sportliche Abteilung sprechen. Da herrscht große Begeisterung vom Trainer bis zum Zeugwart. Erst kürzlich hatten wir eine große Sitzung, bei der die positive Grundstimmung deutlich wurde.

Sie gelten als Teamplayer. Stimmt das?

BOBIC (lacht): Alleine geht dieser Job nicht. Ich kann nicht den Ball ins Tor schießen, ich kann auch keinen Spieler heilen. Wenn am Samstag der Ball rollt, dann sind mir die Hände gebunden. Nein, nur als Team kann man in der Bundesliga bestehen. Und da trennt sich dann die Spreu vom Weizen.

Sie sind ja in die großen Fußstapfen von Heribert Bruchhagen getreten. Was haben Sie noch von ihm lernen können?

BOBIC: Wir haben uns über viele Themen unterhalten. Das macht Spaß, weil er eine riesige Erfahrung besitzt. Er kennt sich hervorragend in der Bundesliga aus. Aber ich bin eine andere Generation, ich sehe mehr über die Grenzen hinweg. Er hat die Eintracht sehr vorbildlich mit ruhiger Hand geführt. Doch der Vereinsfußball hat sich immer schneller entwickelt, er fordert rasche Lösungen, kein Aussitzen. Ich schätze Heribert Bruchhagen sehr, er hat mir gesagt, ich könne ihn jederzeit anrufen.

Haben Sie?

BOBIC: Bisher noch nicht. Er soll erst einmal loslassen, soll das Leben genießen. Ich hoffe, dass ich ihn als TV-Experten auch bald mal in Frankfurt begrüßen kann.

Was ist denn ein realistisches Saisonziel für die Eintracht?

BOBIC: Wenn alles optimal läuft, werden wir im Mittelfeld landen. Unser Ziel ist es, nie wirklich im Abstiegskampf zu stecken. Berührungen mit dieser Zone sind sicher nicht auszuschließen, aber das wird bei zehn Vereinen passieren. Möglichst schnell 40 Punkte holen, das haben wir vor.

Wenn Sie sagen, zehn Vereine werden auch nach unten schauen müssen, bedeutet das aber auch: Ist man der beste dieser zehn, dann ist man ganz nah an einem Europa-League-Rang?

BOBIC: In der Frage klingt mir ein zu optimistischer Tenor durch. Ich schaue erst mal auf Abstand nach unten. Richtig aber ist: Wenn man einen tollen Lauf bekommt, ist vieles möglich. Das hat man zuletzt ja bei der Hertha gesehen. Aber wenn’s nicht läuft, kann es eben auch schnell in die andere Richtung gehen. Erfolg ist für uns so zu definieren: Das Optimale rausholen aus unseren Möglichkeiten. Daran werden wir weiter arbeiten – wie alle Traditionsclubs.

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