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14.11.2018: Eintracht Frankfurt Training, Commerzbank Arena

Eintracht Frankfurt

Carlos Salcedo brennt auf seinen Einsatz bei der Eintracht

Verteidiger Carlos Salcedo hat wieder Freude an seinem Beruf – kein Wunder nach einer Leidenszeit von acht Wochen.

Am Montag, beim Auslaufen der Profis von Eintracht Frankfurt, hatte Carlos Salcedo richtig Spaß. Mit einem geknoteten Kopftuch spulte der Innenverteidiger seine Übungen ab, auch die langen Läufe störten seine ausnehmend gute Laune nicht, zuweilen trällerte er ein Liedchen. Es war nicht zu übersehen: Der Mexikaner hat Freude an seinem Beruf, den er bekanntlich eine Weile nicht hatte ausüben können.

Im zweiten Saisonspiel, zu Hause gegen Werder Bremen, hatte ihn ein übler Tritt von Davy Claassen außer Gefecht gesetzt – das Syndesmoseband war gerissen, Salcedo musste operiert werden und lag beinahe acht Wochen auf Eis. Erst Mitte November war der in Mexiko als „el Titan“ bekannte Verteidiger übungshalber am Ball. Seine Trainingsleistungen sind seitdem gut. „Er macht einen ordentlichen Eindruck“, stellte dieser Tage Eintracht-Trainer Adi Hütter fest. „Er ist ja schon länger im Mannschaftstraining und brennt auf seinen Einsatz.“

Salcedo selbst hätte sich schon vor zehn Tagen aufgestellt, schon in der Partie beim FC Augsburg hätte er am liebsten mitgemischt. Gerade weil Eintracht Frankfurt in den letzten Wochen von Sieg zu Sieg geeilt war, ist es dem Mexikaner schwergefallen, von außen nur zusehen zu müssen. Bisher reichte es aber nur zu einem Platz auf der Ersatzbank.

Das könnte sich jetzt ändern. Carlos Salcedo ist ein heißer Kandidat für die Startelf am kommenden Samstag in Berlin. Dort trifft die Eintracht um 18.30 Uhr auf Hertha BSC, die nur drei Punkte hinter den Hessen lauert, und Salcedo könnte erstmals seit dem 1. September wieder Mann decken. Er würde dann wahrscheinlich für Marco Russ in die Mannschaft kommen. Der Routinier hat gegen den VfL Wolfsburg sicher nicht seinen besten Tag erwischt, er offenbarte einige Stellungsfehler und hatte vor allem seine Schwierigkeiten, wenn es in den Sprint ging. Derlei Tempodefizite sind bei Russ bekannt, in aller Regel kann der 33-Jährige das mit gutem Auge und der Erfahrung von mehr als 300 Bundesligaspielen ausgleichen. Manchmal aber auch nicht.

Und dann fehlt in der Frankfurter Hintermannschaft aktuell natürlich auch David Abraham. Seine Wadenblessur ist keinesfalls ausgeheilt, von Eintracht-Seite heißt es gar, er falle noch „auf unbestimmte Zeit“ aus, was nichts Gutes verheißt. Der Argentinier hat zwar in der Spieleröffnung seine Schwierigkeiten, er ist aber wegen seiner Schnelligkeit enorm wichtig für die Defensive.

Auch deshalb dürfte Carlos Salcedo, kein ganz langsamer Spieler, für das Berlin-Spiel mehr als eine Option sein. Bisher hat der Mexikaner, seit Sommer 2017 bei der Eintracht, in den eineinhalb Jahren erst 22 Bundesligaspiele absolviert. Zwei schwere Schulterverletzungen hatten ihn zurückgeworfen, jetzt das Sprunggelenk. Der neuerlichen Malaise hat er dennoch etwas Gutes abgewinnen können: Der Körper habe sich die Pause genommen, die er offenbar gebraucht hatte „Alles, was passiert, hat einen Sinn“, hat Salcedo unlängst gesagt. Nach dem Pokalfinale im Mai dieses Jahres ist er direkt mit der mexikanischen Nationalmannschaft zur WM gefahren, Urlaub hatte er wenig.

Ohnehin muss Eintracht Frankfurt überlegen, ob sie in der Winterpause personell noch einmal nachlegt. Bedarf gäbe es schon, etwa in der Abwehr, wo auch Simon Falette, das hat das Europa-League-Spiel gegen Olympique Marseille gezeigt, nicht das Level erreicht, das Evan Ndicka, Makoto Hasebe und Abraham fast regelmäßig bringen. Und natürlich im defensiven Mittelfeld, wo der Ausfall von Lucas Torro (Adduktoren-OP) eine gewaltige Lücke gerissen hat. Dazu kommt, dass der Spanier bis ins Frühjahr ausfallen wird. Da bleibt die Frage, ob die Eintracht das Risiko eingehen will, lediglich mit einem nominellen Sechser, nämlich Gelson Fernandes, in die Rückrunde zu gehen.

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