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Präsentation des Pokals im Wappensaal des "Roten Rathauses" in Berlin. Karl-Heinz "Charly" Körbel, ehemaliger Fußballprofi von Eintracht Frankfurt (l), und Paul Breitner, ehemaliger Fußballprofi von FC Bayern München, halten den DFB-Pokal. Foto: Annegret Hilse/dpa

Eintracht Frankfurt

Charly Körbel: "Wir sind mal wieder dran, den Pott zu holen"

Charly Körbel ist mit 602 Einsätzen, alle im Trikot der Frankfurter Eintracht, der Bundesliga-Rekordspieler. Der 63-Jährige leitet heute die Eintracht-Fußballschule und die Traditionsmannschaft.

Ich habe es ja schon vor dem Halbfinale auf Schalke gesagt: Wir sind jetzt wieder einmal dran, den Pott nach Frankfurt zu holen. Es ist jetzt 30 Jahre her, dass uns Lajos Detari zum 1:0 gegen den VfL Bochum geschossen hat. Das war damals auch ein schweres Finale, aber natürlich nicht so schwer wie diesmal. Die Bayern sind halt mal die höchste Hausnummer im deutschen Fußball. Aber, um es gleich zu sagen: Wir sind nicht chancenlos.

Ich werde in diesen Tagen immer wieder gefragt, was so ein Pokal-Endspiel so ganz besonders macht. Ich glaube, da hat sich in den letzten 30 Jahren gar nicht so viel geändert. Der Ablaufplan für die Mannschaft ist ganz ähnlich. Man fliegt schon einen Tag früher in die Hauptstadt als zu einem normalen Bundesligaspiel, es gibt genaue Ansagen, was jeder anzuziehen hat, Anzug statt Trainingsanzug, es gibt andere Bälle als in der Liga, es wird am Tag vor dem Spiel im Olympiastadion trainiert. Spätestens dann merkt jeder, dass man nicht gegen Hertha BSC spielt, sondern dass es ein Finale ist. Alles ist anders, aufregender als im normalen Alltag. Ich war immer ganz froh, wenn ich vor dem Endspiel aus Frankfurt weg war. Zu Hause wird man doch immer wieder angesprochen auf das Finale, kommt irgendwie nicht zur Ruhe.

Es ist schwer zu beschreiben, aber nach der Landung in Berlin wird man vom Flair, von der ganzen Stimmung angesteckt. Auch wenn die Trainer versuchen, Normalität vorzugaukeln, es ist einfach nichts normal. Es herrscht eine größere Nervosität, aber auch eine höhere Fokussierung. Die ganze Stadt vibriert, schon die Fahrt zum Training am Freitagabend ist etwas Besonderes. Wie bei einem Länderspiel. Vom Spiel selbst gar nicht zu reden. Die Kulisse ist beeindruckend, die Nationalhymne, der Pokal wird reingetragen, in diesem Jahr von Paul Breitner und von mir, das ganze Drumherum. Es ist faszinierend. Klar ist, dass sich alle unsere Spieler auf dieses Spiel freuen. Sie werden es nicht so oft erleben wie vielleicht die Bayern.

Unsere Jungs sollten in sich gehen, Kraft tanken, sich genau vorbereiten. Sie sollten sich nicht nur auf die Trainer verlassen, sondern sich selbst mit ihren Gegnern befassen. So habe ich das früher immer gemacht. Gegen die Bayern zu spielen ist ja eigentlich einfach. Das sind die Besten der Besten. Das ist für jeden eine echte Herausforderung. Da kann jeder sehen, ob er mithalten kann, ob er gegen diese Stars bestehen kann. Eines ist aber klar: Ausreden gibt es keine. Jeder muss alles geben. Und dann werden wir sehen.

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