Eintracht Frankfurt

Charly Körbel: Das Ziel ist erreicht

Charly Körbel (60) ist mit 602 Einsätzen, alle im Eintracht-Trikot, Bundesliga-Rekordspieler. Auch in dieser Saison erklärt er vor jedem Heimspiel die aktuelle Lage aus seiner Sicht.

Fast ist es geschafft, wieder mal geht eine Saison zu Ende. Und wieder mal gab und gibt es viel über die Eintracht zu diskutieren. Beispielsweise über unsere Auswärtsschwäche, trotz des Punktgewinns in Berlin. Ich glaube, wir haben noch nie so wenig Punkte geholt auswärts wie in diesem Jahr. Ärgerlich, denn selten war es so leicht, in die Europa League zu kommen wie in dieser Saison. Aber bei sieben Auswärts-Niederlagen und zwei Unentschieden in der Rückrunde ist das halt nicht möglich.

Nur gut, dass es im eigenen Stadion so erfolgreich lief, dass die Eintracht da auch überragende Leistungen abgeliefert hat. Die Heimbilanz ist richtig gut, Gott sei Dank, sonst wären wir ein Abstiegskandidat gewesen. Diese Unterschiede müssen ausgeglichen werden, da muss auch bei der Wahl der neuen Spieler der Hebel angesetzt werden. Wir brauchen Spieler, die uns sofort helfen. Keine leichte Aufgabe für Bruno Hübner und Thomas Schaaf, die auch entscheiden müssen, von wem man sich trennen sollte, weil es eben nicht reicht für die Ansprüche der Eintracht in der Bundesliga.

Gerade auswärts haben viele Spieler ihre Chance gehabt, aber nicht genutzt. Denen muss man dann leider sagen: „Ihr habt die Chance gehabt, sie aber nicht genutzt!“

Was mich fürchterlich aufgeregt hat, das war die aus heiterem Himmel losgetretene Trainerdiskussion. Thomas Schaaf hat hier in seinem ersten Jahr eine unheimlich schwere Aufgabe zu lösen gehabt. Wir hatten im vergangenen Sommer vier, fünf Stammspieler verloren, und er hatte nach seiner Verpflichtung keine Zeit mehr, den Kader mit zu gestalten. Trotzdem hat er es super gemacht, hat schnell eine schlagkräftige Truppe aufs Feld schicken können. Da merkt man, er hat die Qualität und die Erfahrung. Ja, er hat die vorgegebene Aufgabe, die Klasse zu halten, mit seinem Trainer-Team nicht nur gelöst, es wäre sogar noch mehr drin gewesen. Aber dann lief halt einiges schief. Es war ja nicht nur die Auswärtsschwäche, es haben sich auch viele wichtige Spieler zum Teil schwer verletzt. Das trifft die Eintracht eben schwerer als die Bayern, und trotzdem konnten wir uns irgendwie durchmogeln, ohne jemals wirklich in Gefahr zu geraten.

Deshalb ist es für mich ein riesiges Ärgernis, dass nun über Thomas diskutiert wird. Er ist sicher ein Trainer, der nach der Saison auch seine Arbeit analysieren wird. Sollte er zu dem Schluss kommen, Fehler gemacht zu haben, wird er versuchen, diese abzustellen. Denn er weiß ja auch, dass die kommende Saison ein entscheidendes Jahr werden wird. Diesmal kann er zusammen mit Bruno Hübner darauf einwirken, wie der künftige Kader aussehen wird.

Und was die Kritikpunkte angeht, bei ihm gebe es keinen Spaß oder keine Gespräche: Ich kann mich noch gut an meine Trainer wie Zebec, Rausch oder Lorant erinnern. Die haben manchmal das ganze Jahr nicht mit einem Spieler geredet. Also die Spieler von heute müssen sich auch selbst mal hinterfragen: Benutze ich solche Dinge als Alibi, wenn es mit der Leistung mal nicht so klappt? Wenn die Ergebnisse mal nicht stimmen? Der Trainer ist verantwortlich für Trainingsinhalte und eine gute Taktik, aber ist kein Zirkusclown und kein Dompteur.

Nach meinem Schienbeinbruch hatte ich damals das Gefühl, dass mich Kalli Feldkamp abschießen wollte. Er hatte erklärt, er brauche keinen Kapitän, er habe 17 in seinem Kader. Habe ich mir damals den Spaß verderben lassen? Nein, ich habe auf dem Platz gezeigt, wie wichtig ich bin.

Und auch aus dem Aufsichtsrat kamen ja Strömungen gegen Thomas Schaaf. Ich weiß nicht, ob da jemand die sportliche Lage wirklich einschätzen kann, ob er berechtigt ist, einen Stein zu heben und dann sogar zu werfen. Erinnern wir uns doch nur etwas zurück: Manch einer hatte über Armin Veh gesagt, er trainiere zu wenig. Und Friedhelm Funkel sei doch immer nur auf Mallorca gewesen.

Auch diese internen Stimmen sollten Thomas Schaaf lieber weiter unterstützen. Also, da wurde jetzt ein Fass aufgemacht, wo eigentlich überhaupt kein Fass war. Diese ganzen Spekulationen helfen nicht nur nicht weiter, wir müssen aufpassen, dass es bei der Eintracht nicht bald so zugeht wie beim HSV, beim VfB oder auf Schalke.

Das musste mal raus. Aber jetzt zum Spiel gegen Leverkusen: Für beide Teams geht es um nicht mehr viel. Deswegen hoffe ich auf einen schönen Schlagabtausch. Von mir aus kann die Partie ruhig 4:4 ausgehen.

Und danach kann Alex Meier, der zum Spiel ins Stadion kommt, die Torjägerkanone überreicht bekommen. Er traut dem Braten zwar immer noch nicht, aber da passiert nichts mehr. Und er hat sie auch verdient, schließlich war er maßgeblich daran beteiligt, dass die Eintracht nie in Abstiegsgefahr geraten ist. Er ist dann nach Anthony Yeboah und Jörn Andersen erst der dritte Eintracht-Profi, der diese Auszeichnung erhält. Das zeigt, wie wichtig er auch in der kommenden Saison wieder für uns sein wird. Wir brauchen ihn und hoffen, dass er schnell wieder gesund wird.

Und unsere tollen Fans könnten ihrem Fußballgott wieder mal zujubeln. Das hat sich die Fangemeinde verdient. Wahnsinn, wie sie die Mannschaft die ganze Saison unterstützt hat, dass zuletzt 6000 Eintrachtler nach Berlin gereist waren. Also, ich ziehe den Hut vor den Leuten, trotz mancher Rakete, die nicht sein müsste.

Vielleicht gibt es gegen Leverkusen noch mal auf dem Rasen ein spielerisches Feuerwerk, bevor es dann in die Sommerpause geht. Einen schönen Urlaub und – bis zum ersten Heimspiel der Saison 2015/16!

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