Charly Körbel (61) ist mit 602 Einsätzen, alle im Trikot der Frankfurter Eintracht, Bundesliga-Rekordspieler. Inzwischen schon traditionell erklärt er vor jedem Heimspiel die aktuelle Lage aus seiner Sicht.
+
Charly Körbel (61) ist mit 602 Einsätzen, alle im Trikot der Frankfurter Eintracht, Bundesliga-Rekordspieler. Inzwischen schon traditionell erklärt er vor jedem Heimspiel die aktuelle Lage aus seiner Sicht.

Eintracht Frankfurt

Charlys Blickwinkel: Vom Alltag eingeholt

Eintracht-Legende Charly Körbel weiß: Die Partie gegen Leverkusen wird eine Antwort auf die Frage liefern, die sich viele nach dem starken Start gegen Schalke gestellt haben: Waren die so schwach oder wir so stark?

Einiges scheint tatsächlich so zu kommen in der Bundesliga, wie ich es hier vor dem Schalke-Spiel vermutet hatte. Die Bayern-Dominanz scheint sich zum Beispiel gleich wieder zu bestätigen. Ach, was heißt hier „scheint“? Im Grunde genommen hat es sich schon nach zwei Spieltagen bestätigt und es ist sehr wahrscheinlich, dass die wieder einen Durchmarsch machen. Es ist schon beeindruckend, wie die das Jahr für Jahr durchziehen.

Mal sehen was mit Dortmund ist, die werden es vielleicht etwas spannender machen. Die anderen, Gladbach zum Beispiel, müssen jetzt in Bundesliga und Champions League zurechtkommen – da hat mancher am Anfang Probleme. Siehe Leverkusen, unser nächster Gegner. Eigentlich ist das eine super Mannschaft, im echten Leben aber oft ein Gegner, bei dem man nie so richtig weiß, was er auf den Platz bringt. Die können dich in Grund und Boden spielen, so wie sie es am Mittwoch mit Moskau in der Anfangsphase gemacht haben. Da müssen sie 4:0 oder 5:0 führen. Und dann stellen sie die Arbeit ein und müssen sich mit einem 2:2 begnügen, obwohl sie erst so klar dominiert haben.

Jetzt müssen wir mal sehen, wie Leverkusen mit der Enttäuschung umgeht und hier auftritt. Und für uns ist es ja ähnlich nach der Niederlage in Darmstadt. Ich kenne unsere Mannschaft auch noch nicht gut genug, um da eine Vorhersage zu wagen. Es war ja doch ein großer Umbruch im Sommer.

Klar ist, dass uns nach dem so überragenden wie überraschenden Sieg gegen Schalke ganz schnell der Alltag wieder eingeholt hat. Da machst du ein gutes Spiel mit gefühlten 80 Prozent Ballbesitz und genau da sieht man auch die Probleme – wir waren nicht in der Lage, das Spiel dann auch zu einem guten Ende zu bringen, sprich genügend Torchancen heraus zu spielen, bis der Ball endlich drin ist. Und das gegen eine – bei allem Respekt – doch bescheidene Darmstädter Mannschaft. Ich hatte schon mit einem Sieg gerechnet. Klar ist auch, dass du, wenn du nicht in der Lage bist, so ein Spiel zu gewinnen, trotzdem auf keinen Fall verlieren darfst.

Es ist schade, weil wir hätten schon sechs Punkte haben können und damit eine super Ausgangsposition. So aber muss man sich ein bisschen Sorgen machen. Da kommt schon wieder einiges zusammen, Verletzungen und die Sperre von Hector und solche Sachen. Schöner wäre es, gerade zu Saisonbeginn mal mit einer Mannschaft mal vier, fünf Spiele am Stück machen zu können, ohne etwas verändern zu müssen. So ist es aber leider nicht. Dazu kommt, dass einige Spieler sich schwer damit tun werden, von heute auf morgen in der Bundesliga anzukommen. Und die Bundesliga lässt einem keine Zeit, da kann man nicht sagen, wir haben junge Spieler, die sich erst eingewöhnen müssen.

Doch es ist, wie es ist und es wird die Aufgabe von Niko Kovac sein, eine schlagkräftige Mannschaft aufzustellen gegen Leverkusen. Das wird sicher ein ganz anderes Spiel als gegen Schalke. Die haben uns ja spielen lassen und mich sehr enttäuscht. Leverkusen dagegen wird uns unter Druck setzen von Anfang an. Ich bin sehr gespannt, wie wir uns da anstellen. Auf jeden Fall wird da eine Frage beantwortet, die sich viele nach dem Schalke-Spiel gestellt haben: „Waren die so schwach oder waren wir so stark?

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare