Eintracht Frankfurt

Charlys Blickwinkel: Rang drei verteidigen!

Charly Körbel (62) ist mit 602 Einsätzen, alle im Trikot der Frankfurter Eintracht, Bundesliga-Rekordspieler. Inzwischen schon traditionell erklärt er vor jedem Heimspiel die aktuelle Lage aus seiner Sicht.

Also, ich freue mich, dass wir endlich unser erstes Heimspiel im Jahr 2017 haben. Unsere Auftritte in Leipzig und auf Schalke waren ja so unterschiedlich, dass sie kaum unterschiedlicher sein konnten. Zuerst kam in Leipzig alles Unglückliche zusammen, was nur zusammen kommen kann. Nach ein paar Sekunden war unsere Nummer eins Lukas Hradecky schon draußen, ein paar Sekunden später fingen wir das erste Gegentor.

Für den Rest des Spiels stellte sich fast nur noch die Frage: Wie gut ist eigentlich Heinz Lindner? Viele konnten unseren „Ösi“ ja überhaupt nicht einschätzen. Und dann zeigte sich, dass es ein völlig nahtloser Übergang war. Der Heinz hielt auf Anhieb prima. Auch das ist eines unserer Erfolgsgeheimnisse: Wenn einer ausfällt, wird die Lücke eben durch einen anderen gefüllt.

Und nach dem 0:3 gab es kein Nachdenken oder Zweifel an der eigenen Leistungsfähigkeit. Auf Schalke war wieder die Eintracht zu sehen, wie wir sie aus der Vorrunde kannten: Verdammt unbequem für den Gegner. Und das ohne Hradecky, Huszti und Fabián.

Dafür wieder mit Makoto Hasebe in der Dreierreihe. Und schon war hinten wieder dicht. Der Hase ist ein Glücksfall auf dieser Position, er ist unsere defensive Lebensversicherung zwischen zwei guten Innenverteidigern. Und vorne, das hat sich in Gelsenkirchen gezeigt, ist Alex Meier weiter unsere offensive Lebensversicherung. Nicht nur wegen seines Tores, sondern weil er seine neue Rolle voll angenommen hat. In Abu Dhabi hatte ich ihm mehrfach gesagt, dass er immer noch unser Erfolgsgarant ist, auch wenn er nicht bei jedem Spiel in der Startelf steht. Auch mal auf den Alex zu verzichten, das hatte sich vor Niko Kovac kein Trainer getraut. Alex musste lernen, mit der neuen Situation und der neuen Spielweise umzugehen. Er hat so reagiert, wie wir ihn kennen: Er redet nicht viel, spricht lieber mit Toren.

Ich musste früher mit einer ähnlichen Situation fertig werden, als mir Kalli Feldkamp erklärte, dass er nicht einen, sondern elf Kapitäne brauche. Das war wie ein Stich ins Herz. Braucht man dich nicht mehr? Bist du etwa zu alt? Da gehen einem viele Fragen durch den Kopf. Der Alex hat die Situation gemeistert, ist, so glaube ich, gestärkt aus ihr heraus gegangen. Er macht immer seine zehn bis fünfzehn Tore pro Saison. Das wird diesmal nicht anders sein.

Jetzt geht es also gegen Darmstadt. Deren 1:6 gegen Köln war mir nicht so recht. Da kann wieder das typische Eintracht-Denken aufkommen: Die schießen wir jetzt ab wie dies Köln gelang. Doch das wird nicht geschehen, es wird ein heißer, schwieriger Sonntag werden. Klar, die Lilien stehen ganz hinten drin, haben kaum noch Hoffnung auf den Klassenerhalt, aber sie wissen auch: Mit einem Derbysieg ist vieles wieder gut, da können wir Selbstvertrauen tanken. Entsprechend werden sie um jeden Meter Boden kämpfen und sich hinten einigeln. Da müssen wir erst einmal durchkommen, müssen geduldig sein. Das wird ein richtiges Knochenspiel. Ihr Trainer Torsten Frings wird die Truppe schon heiß machen: „Wenn wir schon runter müssen, dann mit fliegenden Fahnen.“

Trotzdem ist es an der Zeit, dass wir dieses Derby gewinnen. Das 0:1 in der Vorrunde war ebenso ärgerlich und überflüssig wie unsere Heimniederlage in der vergangenen Saison. Natürlich gibt es die Phrase, dass Derbys ihre eigenen Gesetze haben, aber die Zeit ist reif. Unsere Mannschaft ist heiß auf diese drei Punkte, will den dritten Tabellenplatz verteidigen.

Am vergangenen Wochenende hatte mich eine Grippe ans Sofa gefesselt. Und weil ich sowieso schon Kopfweh hatte, lief der Fernseher am Samstag den ganzen Tag. Erst Wintersport, dann Fußball. Ich glaube, ich habe jeden Bundesligisten gesehen. Erschrocken bin ich über den Hamburger SV, besonders über die Leistung vor der Pause. Da kann ich nur sagen: Viel Glück, lieber Heribert Bruchhagen!

Erstaunlich ist, wie auch Spitzenteams in dieser Saison große Probleme haben. Selbst die Bayern mit ihrem super Kader schaffen es nicht, die Konkurrenz in Grund und Boden zu spielen. Borussia Dortmund kommt in Mainz nur zu einem 1:1, Leverkusen stellt die Arbeit nach einer 2:0-Führung gegen Gladbach ein. Schalke rüstet ohne Ende auf, hat aber trotzdem keine funktionierende Mannschaft. Am ehesten traue ich es noch den Gladbachern zu, die Trendwende zu schaffen.

Diese Schwächen der Konkurrenz sind unsere große Chance, den Platz im Vorderfeld zu verteidigen. Uns kann auch in die Karten spielen, dass bald wieder Champions League und Europa League beginnen. Die Mehrfachbelastung bleibt uns erspart. Wir haben nur noch den DFB-Pokal. Da erhoffe ich mir schon einen Sieg in Hannover gegen ein Spitzenteam der Zweiten Liga. Dann würde es weiter gehen Richtung Berlin. Ich glaube, wir können uns auf eine spannende Rückrunde der Eintracht einstellen. Und das ganz ohne Abstiegssorgen.

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