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Eintracht Frankfurt

DFB-Pokal-Gegner: Der Aufstieg und Fall des SSV Ulm

Der Fußball-Regionalligist SSV Ulm hat sich von kühnen Träumen verabschiedet – das Pokalspiel gegen Eintracht Frankfurt ist der Lohn der Aufbauarbeit.

18 Jahre hat es gedauert, dass das Donaustadion von Ulm mal wieder ausverkauft ist. Wegen des DFB-Pokalspiels des SSV Ulm gegen Pokalverteidiger Eintracht Frankfurt (Samstag, 15.30 Uhr) nimmt an diesem Tag sogar die Straßenbahnlinie 1 wieder ihren Betrieb auf. 18 400 Zuschauer werden heute dabei sein, die meisten davon strömen dann auf die alten Stehplätze. Die Haupttribüne fasst knapp 1300, die 1999 gebaute Gegengerade 3000 Sitzplätze. Denn genau wie der Club hat die von einer Laufbahn umgebene Spielstätte unweit der Donau nun einmal ihre besten Zeiten hinter sich. Weswegen FWG-Stadtrat Reinhold Eichhorn kürzlich vorschlug, in der Münsterstadt doch endlich eine reine Fußball-Arena zu planen.

Kommunalpolitiker aller Couleur haben sich dagegen ausgesprochen. Wer soll das bauen und bezahlen? Solch ein Projekt für einen mühsam konsolidierten Viertligisten auf den Weg zu bringen, wäre ein Luftschloss. Und gewiss nicht das richtige Zeichen für die vom Gesamtverein SSV Ulm 1846 abgespaltete Fußball-Abteilung, die in diesem Jahrtausend schon alle

Höhen und Tiefen

durchlebte. Die beste Ulmer Zeit leitete der aufstrebende Fußballlehrer („Professor“) Ralf Rangnick ein, der seine revolutionäre Taktik im Dezember 1998 sogar im ZDF-Sportstudio erklären durfte. Der Höhenflug der Spatzen führte 1999/2000 bis in die Bundesliga und sie schlugen sich lange prächtig, bis ein 1:9 gegen Bayer Leverkusen alles ins Wanken brachte. Dann kam der letzte Spieltag, und Ulm trat beim heutigen Gegner Frankfurt an. Nach einem 1:2 im alten Waldstadion war der Emporkömmling sportlich dann doch abgestiegen, allerdings blieb ein „Geschmäckle“: Die Eintracht hatte zuvor wegen Verstößen gegen die Lizenzauflagen nur einen Zwei-Punkte-Abzug bekommen. In und um Ulm herum glauben viele der Verschwörungstheorie, die Edelfan und Maskottchen „Jack“ alias Jürgen Springer gern auftischt: „Wäre es um einen anderen Verein gegangen als Frankfurt, wäre die Strafe nicht so glimpflich ausgefallen.“

Für Ulm begann hernach eine Talfahrt sondergleichen. Dem Lizenzentzug 2001 mit dem Sturz in die Verbandsliga folgten drei Insolvenzen. Die letzte 2014. Vor zehn Jahren kreuzte zwischendrin die Steuerfahndung auf, ein Jahr darauf waren Spieler in Spielmanipulation verwickelt. Tiefer kann ein Ex-Bundesligist kaum sinken. Danach stieg Anton Gugelfuß ein, Geschäftsführer einer Firma für Fenster, Türen und Fassaden. Er hatte selbst für den SSV gespielt und konnte es nicht ertragen, „dass der Insolvenzverwalter meinen Heimatverein zusperrt“. Gugelfuß und seine Mitstreiter installierten einen Aufsichts- und Verwaltungsrat mit 20 Persönlichkeiten aus dem Ulmer Wirtschaftsleben. Kollektiv hauchten sie dem Club wieder Leben ein. Auch die Stadt ließ sich überzeugen, dass es sich lohnt, wieder Unterstützung zu leisten.

Die Spatzen mussten indes erst wieder lernen, flügge zu werden. Der wichtigste Entwicklungsschritt: der Aufstieg aus der Oberliga Baden-Württemberg 2016. Zweimal haben die Ulmer nun Platz neun in der leistungsstarken Südwest-Staffel belegt. Was für mit vielen Studenten auf semiprofessioneller Basis bestückte Truppe sehr respektabel war. Nun aber könnte sogar noch ein bisschen mehr herausspringen. Nach dem 2:1 gegen Kickers Offenbach steht der SSV plötzlich auf Platz eins. 2481 Zuschauer hatten leidenschaftliche Gastgeber gesehen. Nun gegen die zuletzt vom FC Bayern im Supercup blamierte – und deswegen vom Offenbacher Präsidenten Helmut Spahn verspottete – Eintracht anzutreten, ist die Belohnung für die Aufbauarbeit. „Wir haben alle Bock darauf“, sagt Rechtsverteidiger Lennart Stoll, der seit dieser Saison von Holger Bachthaler trainiert wird. „Wir haben uns einen gewissen Plan zurechtgelegt“, verspricht der Coach, „wir werden versuchen, die positive Energie des besonderen Spiels zu nutzen.“ Der 43-Jährige verantwortete zuletzt die U 19 von Red Bull Salzburg. Verstecken wird sich der Außenseiter unter Anleitung eines entfernten Rangnick-Erben bestimmt nicht. Wer weiß, wann das Donaustadion das nächste Mal wieder einen solchen Ansturm erlebt.

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