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Einmal abklatschen, bitte: Luka Jovic (von links), Sebastien Haller und Ante Rebic funktionieren auch als Trio ? und wie.

Eintracht Frankfurt

Diese Angriffslust und Spielfreude hat man bei der Eintracht lange nicht gesehen

Schluss mit dem Ballgeschiebe: Die Offensivpower des aktuellen Eintracht-Jahrgangs erinnert an Bein, Yeboah und glorreiche Zeiten.

Kevin Trapp ist ein Mensch, der sich, wie er erst kürzlich sagte, „selten zufriedengibt“, ein Ehrgeizling, der immer mehr will. Wahrscheinlich auch deshalb ist der Schlussmann der vor einer Woche, nach einem 1:1 beim 1. FC Nürnberg, so aus der Haut gefahren und hat sein Team in den Senkel gestellt. „Das war ungenügend“, zürnte der 28-Jährige da. Am Freitagabend nun klang das ganz anders. Da erlebte derselbe Kevin Trapp dann doch einmal dieses seltene Gefühl, einmal rundherum zufrieden zu sein, mit sich, mit seinen Kollegen, mit der Welt. Zum einen hatte er erstmals, seitdem er wieder zwischen den Frankfurter Pfosten steht, keinen Gegentreffer kassiert. Das hat ihn gefuchst, aber „jetzt ist der Bann gebrochen“. Und zum anderen war er angetan von dem 3:0 beim VfB Stuttgart, das ging kaum anders: „Eine sehr, sehr gute Leistung, sehr souverän.“

Zu kritisieren gibt es momentan überhaupt wenig, abgesehen von Nürnberg. Seit sieben Pflichtspielen, davon sechs Siege, sind die Hessen ungeschlagen. In Frankfurt reiben sich derzeit viele die Augen über diese Mannschaft, die mit einer Offensivpower in die Partien geht, als spielten noch Yeboah, Bein, Okocha und Möller mit, Stars der glorreichen 90er-Jahre. Die Eintracht des Jahres 2018 agiert mit einer Spielfreude, die man lange nicht gesehen hat. Es geht permanent in hohem Tempo nach vorne, Angriff ist die beste Verteidigung, scheint die Devise zu lauten, und doch wird die Defensive nicht vernachlässigt. Ständig wird attackiert, gestört, angelaufen, ganz weit vorne. Zuweilen dauert es nur fünf Sekunden, dann ist die Kugel nach Ballgewinn im gegnerischen Tor.

Stressfußball nennt das Trainer Adi Hütter, der am Freitagabend viel Courage bewies und der Einfachheit halber (und weil Mijat Gacinovic unpässlich war) gleich die komplette Frankfurter Torfabrik zum Laufen brachte: Sebastien Haller, Luka Jovic, Ante Rebic – das neue magische Dreieck.

Vertrauen in eigene Stärke

Es ist natürlich auch ein Ausdruck gewachsenen Vertrauens in die eigene Stärke, in einem Auswärtsspiel auf Sieg zu spielen, ohne Wenn und Aber und mit einer Selbstverständlichkeit, die verblüffte. Da ist nichts mehr mit verzagtem Ballgeschiebe, abwartendem Taktieren oder, wie noch im vergangenen Jahr, mit dem Fokus auf der Defensive. Mittlerweile sucht die Eintracht konsequent ihr Glück in der Offensive, spielt jetzt genau den attraktiven, schnörkellosen Angriffsfußball, für den Hütter steht und für den er auch geholt wurde.

In Stuttgart agierten die Frankfurter teilweise mit fünf Angreifern, weil auch die Außenverteidiger Danny da Costa und Filip Kostic immer wieder den Weg an die Grundlinie suchten. In der zweiten Hälfte, nach der Einwechslung von Marc Stendera für den muskulär leicht angeschlagenen Gelson Fernandes, standen genau drei gelernte Defensive auf dem Platz – die drei Verteidiger David Abraham, der wieder bärenstarke Makoto Hasebe und Evan Ndicka. Die konsequente Ausrichtung nach vorne ist einer erstaunlichen Weiterentwicklung der Mannschaft geschuldet. Eingangs der Saison konnte Hütter diesen Stil nicht spielen lassen, weil noch wichtige Akteure fehlten (etwa Kostic und Rebic) und die taktische Balance im Kader noch nicht stimmte. Die ist längst gefunden: „Wenn du solch drei Stürmer da vorne hast, musst du im Mittelfeld für sie die Drecksarbeit machen“, fasste Stendera treffend zusammen. Inzwischen arbeiten die drei Angreifer auch fleißig nach hinten. „So stelle ich mir das vor“, sagte Hütter nach „der Klasseleistung. Es war ein anderer Wind drin.“ In Stuttgart ließen die Frankfurter eine Möglichkeit der Hausherren durch Mario Gomez zu. Das war’s auch schon. Inzwischen ist die Lust am Spiel bis unters Tribünendach zu spüren. Und keine Spur von Müdigkeit.

Wie eine Spitzenmannschaft

Die Belastung durch die bislang ebenfalls außerordentlich erfolgreichen Gastspiele in der Europa League jedenfalls schüttelt das Team locker ab. „Wir machen das nicht zum Thema“, sagte Hütter. Im Gegenteil: Jeder freue sich auf die Spiele auf internationaler Bühne, nehme sie als ein Geschenk.

Der Österreicher hat diese Mannschaft, nach anfänglichen Schwierigkeiten, besser gemacht. Es ist eine klare Handschrift zu erkennen und eine Reihe von Faktoren für den momentanen Höhenflug: Da ist erstens die Ruhe, die Kevin Trapp im Tor ausstrahlt, die, zweitens, nur noch getoppt wird von der des überragenden Strategen Makoto Hasebe in der Dreierabwehrkette. Drittens kommt enormer Druck über die Flügel durch da Costa und vor allem Kostic, viertens die unglaubliche Wucht der torgefährlichen drei. Das ist das ganze Geheimnis.

Nach der 0:3-Schlappe hat VfB-Manager Michael Reschke davon gesprochen, dass „Frankfurt im Stile einer Spitzenmannschaft und eine Klasse über uns“ gespielt habe. Eintracht – eine Spitzenmannschaft? Danny da Costa will „das Wort so noch nicht in den Mund nehmen“. Noch nicht. Der Blick aber geht inzwischen sehr wohl eher nach oben denn nach unten. Bei Kevin Trapp klingt das so: „Wir haben immer noch Hunger.“ Ohne Zweifel.

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