Eintracht-Fans und verbotene Pyrotechnik, hier gegen Nürnberg.
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Eintracht-Fans und verbotene Pyrotechnik, hier gegen Nürnberg.

Eintracht Frankfurt

Drei halbe Geisterspiele drohen

  • VonKlaus Veit
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Der Frankfurter Fußball-Bundesligist schätzt das Fan-Verhalten weniger schändlich ein als der DFB. Man sieht sich vor Gericht.

Eintracht Frankfurt wird in den nächsten Tagen wieder einmal vor dem Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) stehen. Denn der „Gütetermin“ vor dem DFB-Kontrollausschuss wegen diverser Fan-Vergehen in der Rückrunde der abgelaufenen Saison hat keine Einigung erbracht.

Die Unterhaltung sei zwar in einer angenehmen Atmosphäre verlaufen, aber die Vorstellungen einer Bestrafung liegen weit auseinander. Eintracht-Vorstand Axel Hellmann, der zusammen mit Justiziar Philipp Reschke in die DFB-Zentrale auf der anderen Seite der Otto-Fleck-Schneise im Frankfurter Stadtwald gegangen war, lehnt Kollektivstrafen ab. Otto Nachreiner, Chef des Kontrollausschusses, will jedoch – neben einer saftigen Geldstrafe – eine solche verhängen.

Angeblich sogar eine sehr drastische: Bei drei Heimspielen der Eintracht soll die gesamte Nordwestkurve leer bleiben, zumindest aber deren Stehplatzbereich. Da versammeln sich traditionell die heißesten Fans, die lautstark für Stimmung sorgen, manchmal aber dabei auch zu verbotenen Mitteln wie Pyrotechnik greifen.

Bei insgesamt acht Spielen in diesem Kalenderjahr hatte der DFB etwas zu beanstanden gehabt. Mal waren es Schmähsprüche gegen den Verband wie in Köln, mal war es eine verbotene Blockfahne mit Choreographie wie gegen Dortmund, mal waren es Raketen und Böller wie beim zweiten Relegationsspiel in Nürnberg.

Für den Mann aus dem bayerischen Gottfrieding sind das in der Summe so gravierende Verfehlungen, dass sie eine Strafe erfordern, die in dieser Härte noch nie ausgesprochen worden ist. Nachreiner kann auch auf das Urteil vom 21. Januar 2016 verweisen, das wegen der Vorfälle im Dezember 2015 beim Heimspiel gegen Darmstadt 98 ausgesprochen worden war. Hier war angedroht worden, bei einem weiteren Heimspiel den Fan-Stehplatzbereich zu sperren, wenn bis zum Ende des Kalenderjahres 2016 ein „schwerwiegender Wiederholungsfall“ vorkommt.

Am „schwerwiegenden Wiederholungsfall“ scheiden sich nun die Geister. Gegen Darmstadt waren fast 100 Fanutensilien der Lilien im Fanblock in Flammen aufgegangen, nach dem Abpfiff hatte eine Handvoll Anhänger den Platz betreten. So gravierende Vorkommnisse hatte es in der Rückrunde nicht gegeben, selbst die beiden Relegationsspiele verliefen „anständiger“ als die Entscheidungspartien in den vergangenen Jahren.

Das Sportgericht wird sich auch mit der Frage beschäftigen müssen, ob der Verein alles getan hat, um Verfehlungen der Anhänger zu verhindern. Dies könnte für die Eintracht sprechen, denn ihre Arbeit im Bereich der Prävention wird in der Bundesliga sogar als vorbildlich angesehen. Oliver Lerch, Sicherheitschef der Frankfurter, ist ein gefragter Redner bei Fachtagungen und ähnlichen Veranstaltungen. Wann das Sportgericht über die genaue Bestrafung entscheiden wird, ist noch unklar. Richter Hans E. Lorenz weilt derzeit mit der DFB-Delegation in Frankreich, wo am Freitag die Fußball-Europameisterschaft eröffnet wird.

Gut möglich, dass sich das Verfahren noch etwas hinziehen wird. Und dann gibt es ja auch noch das DFB-Bundesgericht. Es scheint, als ob die Eintracht bereit ist, im Notfall nicht nach der ersten Instanz schon aufzugeben.

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