Eintracht Frankfurt

Du-Ri Cha: Von der Eintracht nach Mainz

  • VonStefan Fritschi
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Auch wenn ihm das, was eigentlich alle Fußballer wollen, nicht so häufig gelang, avancierte er in Frankfurt zum Publikumsliebling. Nach drei Jahren bei der Eintracht wechselte der gebürtige Frankfurter und südkoreanische Nationalspieler Du-Ri Cha nach Mainz.

Es war eine bittere Niederlage, welche die Eintracht vor ein paar Tagen im Westfalenstadion kassierte. Ausflüge an den Ostrand des Ruhrgebiets lohnen sich eh kaum für die Adler. Doch vor knapp zwölf Jahren löste ein Unentschieden bei allen Frankfurtern Ekstase aus. Verständlich, denn der Klassenerhalt war nach dem 1:1 bei Borussia Dortmund schon am vorletzten Spieltag perfekt. Der Schütze des SGE-Tores: Du-Ri Cha, mit Anlauf und aus der Distanz. Die „gelbe Wand“ war beim Einschlag wie erstarrt. „Das war kein normales Tor, das war sensationell“, sagte Trainer Funkel kurz und knapp dazu.

Hätte Cha auf seiner genuinen Position gespielt, wäre ihm das wohl kaum gelungen. Als „Chancentod“ wurde er mitunter despektierlich bezeichnet. Dies hielt viele Hardcore-Fans nicht davon ab, ihm ein (kurzes) Lied zu widmen. Hätte Du-Ri so oft getroffen wie es in der Kurve gesungen wurde, dann hätte sein Engagement sicher länger gedauert als drei Spielzeiten. Wegen seiner relativ bescheidenen Quote – zwölf Tore in 87 Erst- und Zweitliga-Partien für die SGE – beorderte ihn Funkel auch von der Offensive auf die Außenverteidigerposition. Du-Ri Cha nahm’s an.

„Es macht mir Spaß, rechts hinten zu spielen. Da kann ich mich noch weiterentwickeln“, beschrieb Cha junior diese Maßnahme. So treffsicher wie sein Vater Bum-Kun konnte er einfach nicht werden, daher war dieser Schritt zurück auf dem Spielfeld gewiss eine richtige Entscheidung.

Eine aussichtsreiche Zukunft bei der Eintracht gab es für ihn aber nicht mehr. Patrick Ochs galt als gesetzt, und vor ihm auf der rechten Seite Rückkehrer Albert Streit. Kurz nach Saisonende einigte sich Du-Ri Cha, der unbedingt ein Reservistendasein verhindern wollte, auf eine Zusammenarbeit mit dem FSV Mainz 05 unter Coach Jürgen Klopp – der Bundesliga blieb er also erhalten, wenn auch nur noch für eine Saison. Aus Rheinhessen wiederum kam Michael Thurk. „Alles kein Problem, das ist doch Normalität im Profifußball“, kommentierte Funkel den „Tausch“ mit Verzögerung.

Zur Eintracht war Du-Ri Cha nur über Umwege gekommen. Als Cha senior, Ikone bei der Eintracht, seine Karriere beendet hatte, ging die Familie zurück nach Südkorea. Dort machte der Filius in der Universitätsauswahl auf sich aufmerksam und debütierte wenige Monate vor Beginn der Weltmeisterschaft in der Nationalmannschaft. Bei der Heim-WM 2002 – der zweite Gastgeber war Japan – erreichte er sensationell mit Südkorea den vierten Platz.

Nun führte der Weg wieder nach Deutschland. Bayer Leverkusen lieh ihn postwendend nach Bielefeld aus, auch die Eintracht hatte 2002 schon Interesse gezeigt. Ein Jahr später klappte es dann aber doch, die Arminia war auch aus der Beletage abgestiegen.

Der damalige Trainer Willi Reimann plante ihn – wie auch Jermaine Jones – als Stürmer ein. Passenderweise erhielt Du-Ri Cha das Trikot mit der Nummer 9. „Jetzt will ich mich bei der Eintracht durchbeißen, einen Stammplatz erkämpfen und viele Tore schießen“, war seinerzeit seine Begrüßungsbotschaft. Doch trotz seiner Schnelligkeit, Dynamik und Athletik – für Treffer ins Netz mussten in der Regel schon andere sorgen.

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