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Maik Kubitzki (links) und Marko Mihaljevic.

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E-Sports bei Eintracht Frankfurt: Die E-Adler vom Riederwald

Der elektronische Sport, kurz E-Sport, boomt. Turniere begeistern die Massen und füllen ganze Hallen, es geht um viel Geld. Auch Eintracht Frankfurt hat seit Anfang des Jahres zwei E-Sportler.

Von Junge-Zeitung-Autor Timo Konrad

Frankfurt - Marko und Maik spielen FIFA. Das ist erst einmal nichts Besonderes. Die Fußball-Simulation aus dem Hause EA erfreut sich seit Jahren großer Beliebtheit. Doch die beiden Spieler zocken besser als der Großteil der Mitspieler in Deutschland. Sie sind seit Anfang diesen Jahres im E-Sport FIFA-Team von Eintracht Frankfurt und haben im Trainingszentrum am Riederwald einen eigenen Raum zur Verfügung. „Wir sind da rein gestolpert, das kann man schon sagen“, meint Marko, der mit Nachnamen Mihaljevic heißt. Sein Teamkollege Maik Kubitzki ergänzt: „Man merkt halt irgendwann, dass man besser spielt als die Gegner und konzentriert sich dann auch gar nicht mehr richtig.“

Das klingt arrogant, so meint der 18-jährige Schüler das aber überhaupt nicht. Kubitzki: „Man sucht sich dann neue Gegner und die findet man dann eben bei solchen Turnieren.“ Turniere wie etwa die Virtuelle Bundesliga (VBL). Hier spielten in der sogenannten Club Championship in diesem Jahr zum ersten Mal 22 Vereine aus der ersten und zweiten Bundesliga den Deutschen Meister in FIFA aus. Für die Frankfurter Eintracht traten Kubitzki und Mihaljevic an. Sie qualifizierten sich als 16. geradeso für die Play-offs im Dortmunder Fußballmuseum. Hier musste Mihaljevic nach der Vorrunde die Segel streichen – ein einziges Tor fehlte zum Weiterkommen. Kubitzki schaffte den Sprung bis ins Halbfinale, musste sich dort seinem Kontrahenten geschlagen geben. Er qualifizierte sich aber durch einen Erfolg in einem Entscheidungsspiel dennoch für das Finale Ende Mai in Berlin.

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Mit dem Start der sogenannten Weekend-League begann Maik, der unter dem Namen „Sn0wGoogles“ spielt, erst richtig zu zocken. „Am Anfang war ich so auf dem Level eines Gold-1-Spielers. Ab FIFA 18 wurde ich dann immer besser. Meine Freunde meinten zu mir, dass ich schon sehr gut spielen kann und da auf jeden Fall dranbleiben soll. Es ist schon ein kleiner Traum in Erfüllung gegangen.“ Privat und zum Abschalten spielen die beiden Frankfurter schon gar kein FIFA mehr. Feste Trainingszeiten haben sie auch nicht, erzählt Kubitzki. „Das ist ja das klassische Klischee, dass wir acht Stunden vor der Konsole hocken würden. Ich habe die letzten zwei Wochen vor den Play-offs kein einziges Spiel gespielt.“ Anders als im Fußball, müsse man bei FIFA nicht ständig trainieren: „Du kannst das Spiel ja. Nur, wenn ein neuer Patch rauskommt, muss man sich mal länger hinsetzen und vielleicht was neues ausprobieren.“ Als Ausgleich machen die beiden auch Bewegungssport. Die Eintracht bietet ergänzend speziell abgestimmtes Training, für den Rücken etwa.

„Sn0wGoogles“ und Partner Marko alias „Makibest“ kennen sich erst seit Anfang des Jahres, die Chemie stimmte von Beginn an. Beide können sowohl auf der Xbox One als auch auf der PlayStation 4 zocken, Marko lieber auf der PS4, Maik favorisiert die Xbox. Und das hat einen bestimmten Grund, wie er erklärt: „Auf dem Xbox-Controller sind die Sticks zum Bewegen der Spieler so angeordnet, dass ich beim Ändern der Taktik nicht kurz stehen bleiben muss. Das ist bei der PS4 anders.“

Viel Geld im Spiel

Solche Kleinigkeiten entscheiden auf allerhöchstem FIFA-Niveau oft Spiele – und damit unter Umständen auch über die Vergabe von viel Geld. 25 000 Euro bekommt der Sieger der Virtuellen Bundesliga in dieser Saison. International geht es um sechsstellige Beträge. Im Vergleich zu den Summen, die bei anderen Spielen zu gewinnen sind, sind das sogar noch geringe Beträge. Beim Online-Battle-Strategiespiel League of Legends (LoL) etwa geht es um mehrere Millionen US-Dollar.

FIFA-Deutsch:

EA: Electonic Arts, Spieleentwicklerfirma aus Kalifornien (USA).

Weekend-League: Wöchentlicher Modus in FIFA, bei dem Belohnungen erspielt werden können.

Gold-1: Ein Rang innerhalb der Weekend-League.

Skill: Fähigkeiten eines Spielers.

Patch: Neuerungen im Spiel.

Twitch: Weltgrößte Plattform für die Übertragung von (Video-)Spielen mit mehr als 40 Millionen Nutzern im Monat.

Das Genre E-Sport wird immer populärer und füllt ganze Messehallen. 2016 etwa verfolgten 43 Millionen Menschen das Finale der LoL-Weltmeisterschaft online und vor Ort. Auch die FIFA-Spieler Kubitzki und Mihaljevic übertragen ihre Partien auf der Plattform Twitch und haben sich eine kleine Fangemeinde aufgebaut.

Die Konkurrenz bei den Turnieren ist groß. „Die Skill-Unterschiede zwischen den Spielern sind minimal“, berichtet Marko. Während eines Turniers stehen die Spieler extrem unter Druck. Kubitzki beispielsweise musste am Play-off-Sonntag neun mal an die Konsole. Bei etwa 20 Minuten Spielzeit pro Match kommt er auf drei Stunden höchste Konzentration. Sein Kollege Mihaljevic sagt: „Du brauchst Konzentration, Reaktion und vor allem Willen. Ohne Willen geht es nicht.“

Kubitzki hat es bei seiner ersten Play-off-Teilnahme gleich ins Finale geschafft. Dort will er als Neuling „erst einmal abwarten, was möglich ist. Vielleicht kann ich die Gruppenphase überstehen, aber das wird schwer genug“. Die Eintracht hat das Potenzial E-Sport erkannt, will den Bereich ausbauen und den eigenen Nachwuchs weiter fördern. Marko Mihaljevic und Maik Kubitzki spielen dabei eine wichtige Rolle – unter anderem als Trainer für die Jugend.

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