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Sofort mittendrin, gewohnt nickliges Zweikampfverhalten: Rückkehrer Sebastian Rode (rechts), hier gegen Thiago Santos von Flamengo Rio de Janeiro, gehörte zu den positiven Erscheinungen im Eintracht-Trainingslager.

Eintracht Frankfurt

Eine Bilanz des Trainingslagers in Florida - mit positiven und negativen Einzelleistungen

Die Eintracht-Profis sind wieder in Frankfurt gelandet. Trainer Adi Hütter ist mit dem Trainingslager zufrieden. Das Team macht vor dem Rückrundenstart gegen Freiburg einen guten Eindruck.

Frankfurt - Um kurz nach 13 Uhr hatten sie wieder deutschen Boden unter den Füßen. Mit leichter Verspätung setzte die Maschine aus Orlando am Frankfurter Flughafen auf. Zehn Tage Trainingslager in Florida lagen da hinter den Fußball-Profis von Eintracht Frankfurt, zwei Spiele, ein Sieg und eine Niederlage, anfangs äußerst intensive Einheiten auf dem Platz, in der Endphase viele Freizeitbeschäftigungen abseits davon.

„Ich bin mit dem Trainingslager zufrieden“, hatte Trainer Adi Hütter zum Abschluss des USA-Trips noch gesagt, „die Jungs haben gut mitgezogen.“ Und tatsächlich, weitestgehend machte die Mannschaft des Tabellensechsten der Bundesliga, die erst am Mittwochnachmittag wieder die Vorbereitung auf das Samstagsspiel gegen Freiburg aufnimmt, einen guten Eindruck. Im Training war ordentlich Dampf drin, in den Testspielen zumindest über gewisse Phasen ebenso. Während die große Masse an Spielern das Programm also fleißig abarbeitete, stachen einzelne heraus – positiv wie negativ. Eine Übersicht:

  Kevin Trapp: Der Torhüter wirkt nach einem halben Jahr bei der Eintracht noch einmal ein Stück reifer. Der 28-Jährige gibt auf dem Platz und in der Kabine den Ton an. Er ist zwar kein Kapitän, verhält sich aber als ein solcher. Trapp wird zu Interviews mit deutschen und internationalen Medien vorgeschickt, zu PR-Terminen sowieso. Er weiß, diese problemlos zu meistern. Auf dem Rasen strahlt er eine enorme Ruhe aus, das hilft den Kollegen. Und zwischen den Pfosten ist der Schlussmann ja ohnehin kein ganz schlechter seiner Zunft.

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  David Abraham: Der Verteidiger ist Kapitän, im Gegensatz zu Trapp verhält er sich aber nicht immer so. Abseits des Platzes meidet er Interviews, maximal spricht er nach Spielen zu südamerikanischen Medien. Die Wadenverletzung, die den 32-Jährigen in der Endphase des vergangenen Jahres ausgebremst hatte, scheint vollends auskuriert. Abraham absolvierte alle Trainingseinheiten in den USA und beide Spiele. Er ging gewohnt resolut in die Zweikämpfe, in der Partie gegen Flamengo jedoch zu resolut. Erst lieferte der Argentinier sich Wortgefechte mit den Brasilianern, dann ließ er sich zu einem Gesichtswischer hinreißen. Nicht der erste Aussetzer dieser Art in Abrahams Karriere, langsam sollte er sich besser im Griff haben.

  Makoto Hasebe: Wenn Torhüter Trapp schon eine enorme Ruhe ausstrahlt, was macht dann Hasebe? Dessen Abgebrühtheit ist kaum mehr zu toppen. Der am Freitag 35 Jahre alt werdende Japaner bestätigte auch in Florida seine beeindruckende Hinrundenform. Ein Musterprofi, an den zurzeit in der Frankfurter Truppe leistungsmäßig niemand herankommt. „Ich bin in der Form meines Leben“, sagte Hasebe im FR-Interview selbst und fügte an: „Aber ich kann noch besser werden und der Mannschaft mehr helfen.“ Ob das wirklich möglich ist? Schwer vorstellbar.

  Simon Falette: Der Franzose scheint immer gut gelaunt, in den USA noch ein Stückchen mehr als sonst. Falette war der Gruppenkasper, ohne dabei während der Einheiten die nötige Ernsthaftigkeit vermissen zu lassen. Mit viel Engagement dabei, mit ansprechenden Leistungen, aber natürlich mit weniger Talent als Evan Ndicka, sein Konkurrent auf der linken Innenverteidigerposition. Nottingham Forest, Zweitligist aus England, soll an ihm interessiert sein. Mal sehen, was passiert.

  Carlos Salcedo: Der Mexikaner reiste aus privaten Gründen fast drei Tage später an, verpasste dadurch die intensiven Einheiten. Er wirkte wie schon am Ende der Hinrunde nicht immer voll bei der Sache, mit vielen Leichtsinnsfehlern. Aktuell hintendran, selbst Falette zog leistungsmäßig an ihm vorbei. Aber: Salcedos Wort hat innerhalb des Teams – vor allem innerhalb der Südamerika-Connection – Gewicht. Das ist sein großes Plus.

  Danny da Costa: Der Dauerspieler fiel gemessen an seinem in der Hinrunde gezeigten hohen Niveau etwas ab. Da Costa wirkte müde, überspielt, irgendwie auch nicht ganz so fröhlich wie sonst. Da Timothy Chandler in den USA zwar am Rand des Platzes an seinem Comeback arbeitete, aber noch nicht ins Teamtraining einsteigen konnte, wird da Costa gegen Freiburg aber natürlich in der Startelf stehen. Mal sehen, ob sich der 25-Jährige dann zur nächsten Energieleistung aufraffen kann.

Zufrieden mit der USA-Reise: Eintracht-Vorstand Fredi Bobic

  Branimir Hrgota: Der Stürmer ist kein Stürmer mehr – zumindest setzte ihn Trainer Adi Hütter in den beiden Testspielen jeweils auf der rechten Außenbahn ein, um da Costa einige Verschnaufpausen zu gönnen. Hrgota, der in den USA seinen 26. Geburtstag feierte, machte das gar nicht mal so schlecht.

Für die Mannschaft arbeiten, das konnte der Schwede schon immer. Und dennoch: Ein Kandidat für den Kader am Samstag ist er wohl nicht.

  Sebastian Rode: Der Neuzugang trat nicht wie ein solcher auf. Er war sofort mittendrin, auffällig schnell integriert. Er flachste mit den Kollegen, machte im Training einen sehr guten Eindruck, den er in beiden Spielen zumindest in Ansätzen bestätigen konnte. Gelungene Balleroberungen, nickliges Zweikampfverhalten – Rode punktete mit Stärken, die er schon in seiner ersten Zeit bei der Eintracht gezeigt hatte. Allerdings: Die anstrengenden Tiefenläufe fehlten noch, im Kombinationsspiel hat er Nachholbedarf. Gegen Freiburg dürfte der 28-Jährige daher auf der Bank Platz nehmen, Mittelfeldkollege Gelson Fernandes genießt bei Trainer Hütter viel Ansehen.

  Ante Rebic: Der auffälligste Feldspieler der Vorbereitung. Nach durchwachsener Hinrunde scheint der kroatische Vizeweltmeister langsam zur Rückrundenform der Vorsaison zurückzukehren. Rebic dribbelte viel, rannte noch mehr und war der gefährlichste Angreifer. Gegen Sao Paulo traf er per Elfmeter, das hatte er sich durch viel Einsatz verdient.

Einziges Problem: In beiden Testspielen lief Rebic in einem Zwei-Mann-Angriff auf, er konnte sich dadurch häufig auf die linke Seite rausziehen und von dort in die Mitte drängen. Stellt Coach Hütter gegen Freiburg aber wieder alle drei Stürmer auf – also Rebic, Luka Jovic und Sébastien Haller –, was aufgrund der Oberschenkelverletzung von Mijat Gacinovic wahrscheinlich ist, müsste Rebic wohl wieder ins Zentrum rücken. Dort wird er mit dem Rücken zum Tor ein wenig seiner Stärken beraubt.

von DANIEL SCHMITT

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