Pokalsieg 1988: Charly Körbel, Lajos Detari und Toni Hübler (von links) feiern den 1:0-Sieg im DFB-Pokal über den VfL Bochum.
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Pokalsieg 1988: Charly Körbel, Lajos Detari und Toni Hübler (von links) feiern den 1:0-Sieg im DFB-Pokal über den VfL Bochum.

Eintracht Frankfurt

Eine Eintracht-Legende Anton Hübler ist tot

  • VonKlaus Veit
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Er war ein Mann, der immer gern lachte. Er war ein Mann, der häufig sagte: „Das Leben ist so schön.“ Kein Wunder, dass er mehr als vier Jahrzehnte lang die gute Seele bei Eintracht Frankfurt war.

Er war ein Mann, der immer gern lachte. Er war ein Mann, der häufig sagte: „Das Leben ist so schön.“ Kein Wunder, dass er mehr als vier Jahrzehnte lang die gute Seele bei Eintracht Frankfurt war.

Nun ist Anton, genannt „Toni“ Hübler tot. Der ehemalige Zeugwart starb am 21. September im Alter von 87 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit. Die Spieler des Fußball-Bundesligisten werden am Samstag gegen Hertha BSC Berlin mit Trauerflor antreten. Und vor dem Anpfiff werden auf dem großen Videowürfel zur Eintracht-Hymne „Im Herzen von Europa“ Bilder von Toni zu sehen sein.

Angefangen hatte alles im Jahr 1954. Mit einer Notlüge und einem Missverständnis. Er hatte sich beim Arbeitsamt für den Gärtnerjob bei der Eintracht beworben. Im Bewerbungsgespräch wurde ihm gesagt, er könne ihn nur bekommen, wenn er sich für Fußball interessiere. „Natürlich“ war die Antwort. Das Gespräch fand übrigens mit deutlicher Verspätung statt: Toni Hübler war vom Hauptbahnhof in den Stadtwald gelaufen, dachte, die Geschäftsstelle sei dort. Und dann musste er halt per pedes, weil er kein Geld hatte, durch ganz Frankfurt an den Riederwald.

Doch bald war klar: Toni und die Eintracht passen zusammen. Er pflegte die Plätze, pflanzte Pappeln, die das Grundwasser in der Tiefe hielten und heute noch am Riederwald stehen. Er war Chauffeur des Präsidenten und überraschte die Spieler, als diese 1959 als Deutscher Meister aus Berlin zurückkamen, mit großen Blumenbeeten.

Zum Bundesliga-Start 1963 wurde er dann Zeugwart. Bis 1995 war der passionierte Jäger nicht nur für saubere Kleidung der Profis zuständig, sondern auch fürs Seelenleben der manchmal doch dünnhäutigen Sportler. Mit Herz, aber auch mal mit Härte. Als Ronnie Borchers einen Motorrad-Unfall hatte, verschaffte Toni Hübler dem Spieler ein „Alibi“ beim Trainer. Und als sich der Ex-OFCler Ralf Weber über zu schwere Bälle beschwerte, meinte er: „Sei ruhig, in Offenbach habt ihr doch noch mit Bowlingkugeln gekickt!“ Unvergessen auch, als er nach dem Ausrüsterwechsel von Adidas zu Puma im Trainingslager in Saarnen (Schweiz) alle Schuhe mit schwarzer und weißer Schuhcreme „umfrisierte“, weil die neuen Schuhe noch nicht geliefert waren. Dumm nur, dass ein Regenschauer dafür sorgte, dass beim Testspiel zur Halbzeit wieder die drei Streifen zu sehen waren.

Der „Plattschädel“, wie ihn Charly Körbel wegen früh schwindender Haarpracht liebevoll nannte, ging 1995 in Ruhestand. Er hatte rund zwei Dutzend Trainer, acht Präsidenten und über 200 Profis in seiner Zeit am Riederwald erlebt. Vergessen ist er auch nach 22 Jahren noch lange nicht, nicht nur bei seinem Fanclub „EFC Anton Hübler“. Körbel meinte am Donnerstag: „Ich bin tief traurig, er hat mich während ganzen Eintracht-Karriere begleitet. Einen wie den Toni wird es nie mehr geben.“

Manch einer mag nun ein Gläschen Rosé auf Toni Hübler trinken. Denn das war abends das Lieblingsgetränk der Eintracht-Legende.

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