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Axel Hellman, Vorstand von Eintacht Frankfurt.

Eintracht Frankfurt

Für SGE-Vorstand Axel Hellmann ist das Chelsea-Spiel das größte Highlight der letzten 30, 40 Jahre

Die nächste Ballnacht steht an: Das Europacup-Halbfinale gegen den FC Chelsea ist für Eintracht-Vorstand Axel Hellmann wie ein Traum.

Frankfurt - Die beiden bevorstehenden Halbfinalpartien im Europapokal gegen den mit Öl-Milliarden aufgepimpten FC Chelsea sind für Eintracht Frankfurt rauschende Ballnächte, Glanzstücke mit elektrisierender Lust. Auch für die Verantwortlichen. Philip Holzer etwa, der Aufsichtsrat, hat fast die Hälfte seines Lebens in London verbracht, er kennt dort jeden Stein und viele einflussreichen Menschen, schon vor einiger Zeit empfahl er in einem Interview seinem eigenen Club: "Wir sollten uns am FC Arsenal orientieren." Das ist fast sechs Jahre her, damals schienen die englischen Spitzenvereine von der Eintracht so weit entfernt wie die SG Großaspach von der deutschen Meisterschaft.

Am Donnerstag nun kommt zwar nicht Arsenal, dafür die rund 13 Kilometer weiter südwestlich angesiedelten Blauen von der Stamford Bridge in den Stadtwald nach Frankfurt. "Ich habe immer davon geträumt, dass wir in einem Pflichtspiel gegen einen absoluten Topnamen Europas antreten dürfen", sagt Eintracht-Vorstand Axel Hellmann und blickt schon voller Stolz nach vorne: "Du gehst nicht als Tourist durch London, sondern als Cluboffizieller eines Vereins, der auf der europäischen Fußballlandkarte mittlerweile sehr wohl wahrgenommen wird."

Dazu hat der triumphale Pokalsieg vor fast einem Jahr gegen den großen FC Bayern beigetragen, aber natürlich vor allen Dingen die überragende Europa-League-Saison mit Erfolgen gegen europäische Schwergewichte wie Olympique Marseille, Lazio Rom, Schachtjor Donezk, Inter Mailand und Benfica Lissabon. Und doch ist die Eintracht die große Unbekannte im verbliebenen Quartett; der FC Chelsea und die anderen Halbfinalisten, Arsenal und Valencia, sind auf internationalem Parkett andere Hausnummern und dort schon lange daheim. Die Eintracht hingegen hat eine längere Durststrecke hinter sich, so weit wie jetzt war sie zuletzt 1980 gekommen.

Eintracht Frankfurt: Argwöhnisch beäugt

Dementsprechend argwöhnisch werden die Hessen in diesem illustren Kreis beäugt. Die Rivalen wissen nicht so recht, ob sie es mit einem gewachsenen, aufstrebenden Großclub zu tun haben oder einem Emporkömmling, der vielleicht bald wieder Geschichte ist. Die Funktionäre von Inter Mailand etwa traten mit dem Selbstverständnis eines Vereins auf, der 13-mal italienischer Meister war, dreimal die Königsklasse und dreimal den Weltpokal gewonnen hatte. Hellmann war über das mehr als selbstbewusste Auftreten der Lombarden bass erstaunt: "Das ist ein großer Weltclub", sagte er. "Das spürt man." Die Eintracht siegte trotzdem.

Bei den Vorbesprechungen mit dem kommenden Gegner aus London verhielt es sich nicht anders. Die hohen Herren des FC Chelsea ließen die Frankfurter Delegation spüren, "wer in welcher Etage des europäischen Kaufhauses zu Hause ist", wie es der Eintracht-Vorstand beschreibt. Natürlich würdigten die Engländer die Entwicklung der Adlerträger, doch wer letztlich das Finale am 29. Mai in Baku erreichen wird, nein, daran haben sie keinen Zweifel: Chelsea, nicht Frankfurt. Hellmann hat diese latent großspurige Haltung zur Kenntnis genommen und schickt eine kleine, feine Kampfansage hinüber auf die Insel: "Dann sollten sie uns auf der europäischen Bühne mal kennenlernen."

Eintracht Frankfurt: "Eine Duftmarke setzen"

Hellmann gibt sich indes keinen Illusionen hin, er sieht die Rollen klar verteilt. "Wir sind der totale Underdog", sagt er. Doch gerade am Donnerstag (21 Uhr/RTL) in Frankfurt gelte es, in den Kampfmodus zu schalten und den Kontrahenten mit Inbrunst zu bearbeiten: "Wir müssen uns in unserem Wohnzimmer mit allen Mitteln zur Wehr setzen", fordert der 47-Jährige. "Und wir brauchen alle Spieler am Toplimit, denn Chelsea ist das bisher größte Kaliber, auf das wir treffen."

Hellmann ist trotz der Ausfälle der Schlüsselspieler Ante Rebic (Gelbsperre) und Sebastien Haller (Bauchmuskelverletzung) zuversichtlich. "In der Europa League konnte unser Trainer bisher immer stellen, wen er wollte - es hat funktioniert." Der Marketingchef weiß dabei, dass die Eintracht, die gestern den Vertrag mit Ersatztorwart Jan Zimmerman bis 2021 verlängerte, erneut auf einen dieser speziellen Abende angewiesen sein wird, wenn es im ersten Halbfinale zu einem Coup reichen soll. Die symbiotische Beziehung zwischen den Fans und der Mannschaft müsse entstehen, die Stimmung den Spielern Flügel verleihen. "Wir brauchen den zwölften Mann", sagt Axel Hellmann. "Wir wollen eine Duftmarke setzen. Das ist ganz wichtig." In einem Duell, das für ihn in Sachen Eintracht "das größte Highlight der letzten 30, 40 Jahre" ist.

von INGO DURSTEWITZ

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