Vor dem Spiel, das 1960 Eintrachts internationalen Ruhm begründete: Die Kapitäne José Zárraga (Real) und Alfred Pfaff (Eintracht) tauschen die Wimpel. Der schottische Schiedsrichter Jock Mowat schaut zu.
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Vor dem Spiel, das 1960 Eintrachts internationalen Ruhm begründete: Die Kapitäne José Zárraga (Real) und Alfred Pfaff (Eintracht) tauschen die Wimpel. Der schottische Schiedsrichter Jock Mowat schaut zu.

Eintracht Frankfurt

Als die Eintracht die bekannteste Mannschaft Deutschlands war

  • Dieter Sattler
    VonDieter Sattler
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Die Frankfurter Eintracht könnte bei einem Sieg im Pokalfinale wieder international spielen. Was heute außergewöhnlich ist, war in den 1970er Jahren normal. Im Jahrzehnt zuvor galt die Eintracht sogar eine Zeitlang als die berühmteste Mannschaft Deutschlands. Das hatte sie dem historischen Finale gegen Real Madrid zu verdanken.

Frankfurt. Als die Frankfurter Eintracht am 5. Juni 1963 ein Freundschaftsspiel gegen den FC Santos austrug, weinte im Stadtteil Bornheim ein kleiner Junge, weil er nicht ins Stadion durfte. „Du bist noch zu klein“, sagte der Vater zu dem Vierjährigen. Ein Jahr später durfte der Knirps dann zu seinem ersten Bundesligaspiel und sah auf den Schultern des Papas ein 2:2 gegen Schalke.

Aber dass er damals die magischen Brasilianer mit Pelé (er schoss beim 5:2 für Santos vier Tore) nicht anstaunen durfte, reut ihn noch heute. Das Gastspiel war damals noch viel mehr als wenn heute der FC Barcelona mit Neymar und Messi käme. Die Brasilianer hatte man nur in verhuschten Schwarzweiß-Aufnahmen, aber noch nie richtig spielen sehen.

Dass die Wundermannschaft mit all den Weltmeistern überhaupt nach Frankfurt kam, hatte die Eintracht vor allem einem Spiel gegen eine europäische Wundermannschaft zu verdanken: dem 3:7 im 1960er-Europacup-Finale gegen Real Madrid, das britische Journalisten noch heute als bestes Fußballspiel aller Zeiten bezeichnen.

Die Eintracht war zwar am Ende untergegangen, aber eine halbe Stunde die spielbestimmende Mannschaft und hatte durch Richard Kress mit 1:0 geführt. Ohne den spektakulären Weg der Eintracht ins Finale hätte die am Ende doch klar entschiedene Partie sich wohl nicht so tief ins Gedächtnis gerade der Briten gebrannt. Im Halbfinale schalteten die Adler die Glasgow Rangers mit 6:1 und 6:3 aus, und das Endspiel fand dann ausgerechnet in Glasgow statt.

Die spektakulären Europacup-Aufritte machten die Eintracht in den Folgejahren zur berühmtesten deutschen Mannschaft und zum Aushängeschild für die Bundesrepublik, die in jener Zeit ja immer noch um internationale Reputation rang. Dass Santos hier gastierte, zeigte das hohe Ansehen des Klubs ebenso wie der Umstand, dass das argentinische Nationalteam sich 1966 mit zwei Testspielen gegen die Eintracht auf die WM in England vorbereitete. Die Frankfurter wurden als ähnlich stark wie das DFB-Team eingestuft, das Gruppengegner war. Das erste Spiel gewann Argentinien, das zweite die SGE mit 3:1 (!). Gegen Deutschland spielte Argentinien später übrigens 0:0.

Damals konnte sich die Eintracht vor Einladungen nicht retten, aber just das WM-Jahr 1966 leitete im deutschen Fußball eine Wende ein. 1966 holte Borussia Dortmund den Europacup, ein Jahr später Bayern München.

Bei der WM 1966 ging Franz Beckenbauers Stern auf, während die Eintrachtler Jürgen Grabowski und Friedel Lutz nur Ersatzspieler waren. Lutz ging zu den Münchner Löwen, gegen die die Eintracht das Pokalfinale 1964 verloren hatte, kehrte aber schon ein Jahr später zurück. In der Saison 66/67 hatten die Frankfurter die Meisterschaft verspielt, obwohl sie lange mit dem Namensvetter aus Braunschweig um den Titel rangen. Schon damals war die Eintracht eine elegante, aber launische Diva.

Internationale Meriten konnte sie so vorerst nur im Messepokal (Vorläufer des Uefa-Cups) erringen, wo sie gegen Teams wie Feyenoord Rotterdam und US Cagliari spielte. Doch welchen Ruf die SGE hatte, sieht man daran, dass 1965 mit Elek Schwartz ein Welttrainer direkt vom Europacup-Finalisten Benfica Lissabon kam. Er blieb drei Jahre und erfand mit dem Österreicher Willi Huberts den Libero, noch vor Beckenbauer. In Fahrudin Jusufi kam 1966 auch ein Weltauswahlspieler und Offensivverteidiger von Partizan Belgrad. 1971 holte die Eintracht mit Dribbelkünstler Ender Konca den ersten Türken in die Bundesliga. Diese internationale Tradition setzten später Weltstars wie Bruno Pezzey, Anthony Yeboah, Cha Bum und Jay Jay Okocha fort.

Doch neue Europa-Reisen waren schon gekommen, als die Weltmeister von 1974, Jürgen Grabowski und Bernd Hölzenbein, im selben Jahr auch den ersten Pokalsieg mit klarmachten. Zeit, dass es damit wieder losgeht. Auf geht’s Adler! Fliegt durch Europa!

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