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Eintracht: Eine Macht in der Fremde

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Von: Peppi Schmitt

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Alle Pläne gehen auf: Die Eintracht liefert beim 3:1 in Wolfsburg das vielleicht beste von vielen guten Auswärtsspielen ab. Trainer Kovac darf sich auf die Schulter klopfen.

Manchmal sind Bundesligaspiele dann doch vorhersehbar. So der souveräne 3:1 (2:0)-Sieg der Frankfurter Eintracht beim VfL Wolfsburg. Die auswärtsstarken Frankfurter, die zweitbeste Mannschaft der Fußball-Bundesliga in der Fremde hinter dem Krösus FC Bayern, waren auswärts stark. Der entworfene Matchplan wurde konsequent durchgezogen, es war wie auf dem Reißbrett, wie im Training. Hier die selbstbewussten Gäste, dort die verunsicherten Gastgeber. „Die erste Halbzeit war sehr gut, die zweite war gut“, sagte Trainer Niko Kovac. „Kompliment an meine Mannschaft. All das was wir in der Trainingswoche erarbeitet haben, wurde umgesetzt.“ Schnell, blitzschnell ging es nach vorne, mit spielerischer Leichtigkeit, mit präzisen Pässen, mit Mut zum Risiko. „Unsere Planungen sind gegen einen sehr starken Gegner nicht aufgegangen“, gab der Wolfsburger Trainer Martin Schmidt ehrlich zu, „wir haben Lehrgeld bezahlt.“

In den ersten 45 Minuten war es sicher das beste Frankfurter Auswärtsspiel von vielen guten in dieser Saison. Inzwischen haben die Hessen schon 21 Punkte in der Fremde gewonnen. Diesmal war es besonders ansehnlich, weil mit Omar Mascarell und Kevin-Prince Boateng zwei Strategen im Mittelfeld agieren, die mit dem Ball umgehen können. Beide finden auch unter Bedrängnis Lösungen.

„Omar hat die Fähigkeit, den Platz zu scannen“, lobte der Trainer. Soll heißen: Mascarell denkt immer schon einen Schritt weiter. Das ist der ganzen Eintracht diesmal gelungen, der Unterschied zu den biederen Wolfsburgern war frappierend. „Wir können nicht nur laufen und kämpfen, wir können auch Fußball spielen“, sagte Kovac zu Recht, „wir haben uns gegenüber der Vorrunde spielerisch deutlich verbessert.“ Was in erster Linie am spielenden Mittelfeld liegt. Die Tore wurden nicht irgendwie erzwungen, sie wurden herausgespielt. Was auch an der Topform von Marius Wolf, dem besten Vorbereiter in diesen Tagen, und an Sebastien Haller, dem Torjäger, liegt. „Die Tore waren wirklich Klasse“, sagte Sportvorstand Fredi Bobic.

„Schnelles Umschaltspiel“ sind so Schlagworte aus der aktuell modernen Fußballsprache. Bei der Eintracht treffen sie zurzeit zu. Es geht Ruck-Zuck vom Ballgewinn bis zum Abschluss. Salcedo auf Wolf, Wolf auf Haller, der Franzose dreht sich und hämmert den Ball unter die Latte – das war das 1:0 in der 18. Minute. Ballgewinn Rebic, mit der Hacke zu Wolf, Flanke nach innen, Timothy Chandler frei – das war das 2:0 vier Minuten später. Die Vorarbeit also vom Rechtsverteidiger, der Treffer vom Linksverteidiger. „Ich bin einfach durchgelaufen und haben ihn sehr gut getroffen, dann war der drin“, sagte Chandler, „ich habe es am Anfang selbst nicht geglaubt, erst als alle gejubelt haben.“

„Noch nicht perfekt“

„Effizient“ nannte dies der Wolfsburger Coach. Sein Frankfurter Kollege war trotz der brillanten Phasen seines Teams nicht ganz zufrieden. „Wir hätten noch zwei, drei Tore mehr machen müssen“, sagte Kovac, „es war gut, aber nicht perfekt.“ Jammern auf hohem Niveau, aber angebracht. Denn Rebic mit einem Schuss aus über 50 Metern, der aufs Netz und nichts ins Netz fiel, und vor allem Wolf nach einem Konter verpassten die Entscheidung schon vor der Pause. Und doch hat die Eintracht Klasse bewiesen beim ersten Sieg unter Kovac gegen Wolfsburg. Als Mannschaft und mit ihren Einzelspielern.

Hallers Tor zum Beispiel war einfach gut. „Wir haben ihn gescoutet, wir haben ihn gesehen, wir haben ihn gefunden und er hat sich für uns entschieden“, sagte Kovac über den Franzosen, der für sechs Millionen Euro vom FC Utrecht gekommen ist und schon seinen achten Treffer erzielt hat, „manchmal braucht man auch ein bisschen Glück“. Na ja, es war sicher kein Glück, sondern auch ein gutes Auge der Frankfurter Scouts. Das kann man dem Trainer bei vielen anderen Entscheidungen auch attestieren. Alleine die Versetzung von Chandler von rechts nach links hat nun schon zweimal Früchte getragen. Beim 1:1 vorige Woche gegen den SC Freiburg mit der Vorarbeit zum Tor, nun mit dem Treffer zum 2:0. Auch die Taktik war richtig, sogar die Auswechslungen.

Respekt verdient

Kovac könnte sich diesmal selbst auf die Schulter klopfen. Luka Jovic für den fahrigen Ante Rebic und Gelson Fernandes für den erschöpften Mijat Gacinovic zu bringen, war für die Mannschaft gewinnbringend. Joker Jovic brachte den Sieg mit seinem Tor in der 85. Minute unter Dach und Fach. Er vollendete die Vorarbeit von Boateng und Haller, nachdem die Wolfsburger durch einen fantastischen Freistoß von Maxi Arnold (66.) zwischenzeitlich herangekommen waren. Danach hatte die Eintracht ein wenig Glück, weil sich der Wolfsburger Nany Dimata völlig unnötig an der Mittellinie seine zweite Gelbe Karte abholte und vom Platz flog. In Überzahl hatten die Frankfurter keine Probleme. Auch weil Fernandes defensiv stärker ist als Gacinovic und dem Gegner immer wieder die Bälle klaute.

Und so hat alles gepasst an diesem eigentlich grauen Nachmittag in der Autostadt. Warum diesmal fast alles funktioniert hat, warum die Frankfurter auswärts eine Macht sind, zu Hause aber so gar nicht mächtig, das weiß niemand so genau. Der Trainer versucht es inzwischen nicht einmal mehr zu erklären. „Weil ich es nicht kann“, sagt Kovac, „Fußball ist manchmal sehr merkwürdig.“ Da stellt er sein Licht freilich unter den Scheffel. Es ist Kovac, der mit seiner Detailverliebtheit seiner Mannschaft eine Spielweise maßgeschneidert hat, die Respekt verdient und dem Gegner Respekt einflößt. Wenn ihm ähnliches jetzt auch noch für Heimspiele gelingt . . .

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