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Eintracht Frankfurt

Die Eintracht fährt wieder als Überflieger nach Augsburg 

Wie schon im Februar kommen die Frankfurter als Überflieger nach Augsburg. Der Besuch am Samstag soll aber möglichst anders ausgehen als die vorherigen.

Die zuweilen etwas ungastlich wirkende Arena im Augsburger Süden an der Bundesstraße 17 zählt nicht zu den bevorzugten Spielstätten von Eintracht Frankfurt, das ist hinlänglich bekannt. In sechs Punktspielen gab es dort keinen Sieg, dafür drei Niederlagen, zuletzt im Februar eine empfindliche 0:3-Schlappe. Mit der hatte niemand so richtig gerechnet, auch der so erfolgshungrige Trainer Niko Kovac nicht. „Wir sind in aller Munde“, sagte er vor dem Spiel beim FCA. Und er hatte Recht.

Die Eintracht hatte sich in der Fußball-Bundesliga auf einem Champions-League-Rang eingenistet, war gut aus den winterlichen Startlöchern gekommen, 33 Punkte, eine satte Ausbeute. Direkt vor der Augsburg-Partie waren daher nette Grüße von Jupp Heynckes herüber nach Frankfurt geflattert, der konstatierte: „Es ist erfreulich zu sehen, dass sich eine Mannschaft wie Frankfurt nach oben orientiert. Das ist auch gut für die Liga.“ Damals war übrigens noch nicht so wirklich abzusehen, dass Kovac alsbald den Grandseigneur in München beerben würde, aber erste Anzeichen, dass er, Kovac, sehr wohl den Markt aufmerksam sondierte, gab es schon seinerzeit. Vertragsverhandlungen mit der Eintracht blockte er konsequent ab. „Es gab keine Gespräche und es gibt keine Gespräche. Das interessiert mich jetzt gar nicht. Wir brauchen keine Ablenkung.“ Die kam ja dann früh genug. Aber das nur am Rande.

Bei der letzten Niederlage in Augsburg, jenem 0:3, fiel die Eintracht plötzlich in ihren alten Trott zurück, den Trott der launischen Diva, obwohl sie ja schon lange keine mehr ist. Torwart Lukas Hradecky wollte das Team gar „überheblich“ gesehen haben; ein Stammspieler, der nicht mehr die Frankfurter Farben trägt, räumte später im vertraulichen Gespräch unumwunden ein, sich für die unangenehme Aufgabe in der Fuggerstadt nicht richtig habe motivieren können. Die Pleite in Augsburg war nicht der sofortige Wendepunkt, aber sie gab einen ersten Hinweis auf das, was folgen könnte und auch folgte: ein kolossaler Absturz, der nur durch den grandiosen Pokaltriumph als wenig schmerzhaft empfunden wurde.

Nun, nicht mal ein Jahr später, reist die Eintracht erneut als Überflieger-Team nach Augsburg. Die Hessen haben zuletzt fast alles und jeden in Grund und Boden gespielt, neunmal nicht verloren, davon achtmal gewonnen. Das gab es seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr. Droht nun ein Déjà-vu in der Puppenkiste? Das lässt sich vorher schlecht beantworten. Die Eintracht im Herbst 2018 wirkt aber in sich geschlossen, gefestigt, man hat nicht das Gefühl, dass die Mannschaft eine Partie irgendwie auf die leichte Schulter nehmen oder böse unter die Räder kommen könnte,

Den Flow erhalten

Irgendwann werden auch die Frankfurter Himmelsstürmer mal wieder auf den Boden zurückgeholt werden, das ist nicht schlimm, sondern liegt sogar in der Natur des Sports. Wichtiger ist, wie man mit einem Dämpfer umgeht. Adi Hütter hat gezeigt, dass er sein Team auch durch raues Gewässer geleiten kann, ohne Schiffbruch zu erleiden. Und der Trainer steht vor dem Augsburg-Spiel wieder vor der Aufgabe, die Begeisterung und den Flow zu erhalten, dabei aber auch die richtige Anspannung zu erzeugen. Das ist ihm bisher vortrefflich gelungen, auch durch Personalrochaden kleinerer Art.

In dieser Woche nun schwört Hütter seine Mannschaft auf den Endspurt in diesem Jahr ein, und der wird es noch mal in sich haben: In 29 Tagen, bis zwei Tage vor Heiligabend, stehen acht Pflichtspiele an. Ein ganz schönes Brett. Die Eintracht hat das in der jüngeren Vergangenheit sehr gut weggesteckt und sich körperliche und geistige Frische bewahren können. Darauf wird es auch jetzt ankommen.

Gut im Rhythmus

Vielleicht wird Hütter in den nach bereits perfektem Weiterkommen nicht mehr ganz entscheidenden Europapokalspielen gegen Marseille in einer Woche und in Rom am 13. Dezember ein wenig Personal wechseln. Da ist Fingerspitzengefühl gefragt, um die richtige Mischung zwischen einer vertretbaren Rotation und der Aufbietung der Vielspieler zu finden, zumal viele Akteure gut im Rhythmus sind und ihnen die vielen Partien offenbar nicht so sehr an die Substanz geht. Über allem steht ja auch, dieses Gefühl zu konservieren und möglichst lange auf der Welle zu reiten. Das Selbstvertrauen, das momentan im Überfluss vorhanden ist, soll nicht so schnell schwinden, denn der Glauben an die eigene Stärke ist im Sport ein elementarer Faktor. Hütter hat diesen Balanceakt prima gemeistert, das Ganze richtig austariert.

Im Augsburger Februar griffen für die Eintracht übrigens Luka Jovic und Sebastien Haller gemeinsam an. Indes: Es war ein laues Lüftchen, was sie fabrizierten, und für Kovac war das Experiment mit den Mittelstürmern somit gescheitert. Beide seien zu ähnlich. Heute stürmt die Büffelherde gleich zu dritt. Manchmal ändern sich die Zeiten schneller als gedacht.

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