+
Evan Ndicka: Gegen Bremen droht wieder die Ersatzbank.

Ersatzspieler

Eintracht Frankfurt: Ins Abseits gestellt

  • schließen

Nicht alle Eintracht-Profis sind glücklich mit ihrer Situation – viele machen aber das Beste daraus.

Als sich die Spieler von Eintracht Frankfurt am Donnerstagabend mal wieder im Rampenlicht des europäischen Fußballs bewegten, als der hessische Bundesligist in Nordportugal bei Vitoria Guimaraes zu einem knappen, auch glücklichen, aber enorm wichtigen 1:0-Erfolg kam, da schauten einige Profikicker der Eintracht in die Röhre. Nun gut, vermutlich schauten sie eher weniger in eine Röhre, sondern stattdessen auf auf hypermoderne Flatscreenbildschirme, aber jedenfalls mussten sie sich den Auftritt ihrer Teamkollegen daheim in den eigenen vier Wänden vor dem Fernseher verfolgen.

Da waren zum einen natürlich die Verletzten, jene Profis, die lange, lange nicht mehr ihrem Beruf nachgehen können. Marco Russ zum Beispiel, derzeit ja nach einer Achillessehnenoperation meilenweit von einem Auftritt auf dem Rasen entfernt. Oder neuerdings auch Kevin Trapp, der Torhüter, der beim vergangenen Bundesligasieg in Berlin derart blöde auf seine Schulter gestützt war, dass er am Donnerstag in Heidelberg operiert werden musste und eine Rückkehr erst im kommenden Jahr möglich erscheint. Oder Makoto Hasebe, der zwar im Wochenverlauf schon wieder einigermaßen fit daherkam, leichte Ausdauerübungen absolvierte, der sich nach seiner erlittenen Gehirnerschütterung beim Zusammenprall mit Trapp aber lieber noch schonen sollte. Und auch Kapitän David Abraham fehlte in Portugal weiterhin angeschlagen.

Eintracht Frankfurt hat noch immer eine gute Truppe

Zum anderen waren da aber auch die Spieler, die zwar körperlich topfit sind, aus Sicht von Trainer Adi Hütter aber offensichtlich nicht gut genug ihren Job erledigen, um der Mannschaft im Wettkampfbetrieb weiterzuhelfen. Etwa Nicolai Müller, 32, früher gar mal zwei Spiele lang Angreifer bei Bundes-Jogi, mittlerweile aber nur noch Sparringspartner im Frankfurter Training. Oder Jonathan de Guzman, ebenfalls 32, der vergangene Saison noch in 39 Pflichtspielen aufgeboten wurde und mittlerweile maximal mit einem Bankplatz bedacht wird. Dreimal kam er in der laufenden Runde erst zum Einsatz. Und nicht zuletzt ist da natürlich auch noch Lucas Torro, der eine ordentliche bis gute Vorbereitung absolviert hatte und dennoch wie Müller und de Guzman nicht einmal für den Europa-League-Kader nominiert wurde. Zudem strich der Fußballlehrer aus Österreich für das Duell in Portugal auch den jungen Angreifer Dejan Joveljic aus seiner Reisegruppe, Mittelfeldkämpfer Dominik Kohr war ohnehin aufgrund seines Platzverweises gegen den FC Arsenal diesmal gesperrt.

Filip Kostic: „Leistung ist meine Sprache“

Ganz klar, die Eintracht hat trotz der prominenten Sommerabgänge Luka Jovic, Sebastien Haller und Ante Rebic noch immer eine gute Truppe beisammen. Vielleicht nicht mehr ganz so stark in der qualitativen Spitze, aber vermutlich sogar besser in der Breite. Folglich gibt es deshalb natürlich auch einige Spieler, die hinten runterfallen, die im Abseits stehen. „Es ist nicht so angenehm, Spieler auf die Tribüne zu setzen. Es sind zwei paar Schuhe, ob jemand auf der Bank sitzen darf oder ganz draußen ist“, sagt Trainer Hütter, der immerhin am Sonntag (18 Uhr) im Bundesligaheimspiel gegen den SV Werder Bremen 20 statt 18 Profis für seinen Kader nominieren darf. Diese Regelung hat die Bundesliga im Gegensatz zur Europa League (und Champions League) getroffen. „Das sind zwei Spieler mehr auf der Bank. Vielleicht habe ich dadurch weniger unzufriedene Spieler“, hofft Hütter. Vermutlich eher nicht.

Adi Hütter vertraut oft den erfahrenen Spielern

Denn natürlich gibt es eine Menge Fußballer im Kader der Eintracht, die nicht wirklich zufrieden sein können. Der Spanier Torro hatte sich sicher mehr erhofft, er wollte nach einer für ihn schwierigen Premierensaison in Frankfurt nun einen Schritt nach vorne machen. Das scheint ihm nicht zu gelingen, und das obwohl der 25-Jährige dem Team in den ersten Monaten der Saison sogar schon weitergeholfen hat. In Tallinn war das, beim 2:1-Auswärtssieg in der ersten Qualirunde zum Europapokal, da hämmerte der Mittelfeldspieler gegen den FC Flora den Ball zur Führung in den Kasten und war auch ansonsten einer der besten Männer auf dem Feld.

Ähnliches gilt auch für Joveljic, erst 20 Jahre jung, der nach der späten Ankunft von Bas Dost und André Silva zurzeit nur Stürmer Nummer vier im Team ist und daher geringe Einsatzchancen aufweist. Doch auch der Serbe agierte schon entscheidend und köpfte in Estland den umjubelten Siegtreffer kurz vor Schluss. Auch Evan Ndicka, 20-jähriger Verteidiger, hat sich nach seiner starken Premierensaison sicher mehr gewünscht, als nur der Ersatz für Martin Hinteregger zu sein, oder wie diesmal in Guimaraes für den angeschlagenen Hasebe in die Startelf zu rücken. Ndicka machte übrigens ein starkes Spiel, köpfte sogar den Siegtreffer und muss wohl doch bald wieder einige Spiele auf der Bank Platz nehmen, wenn Trainer Hütter lieber auf die erfahrenen Hasebe und Hinteregger vertraut.

Nicht zuletzt ist da auch noch David Abraham, der Kapitän der Kompanie, dessen Saison doch arg holprig verläuft. Sicher nicht ganz schlecht, aber halt auch nicht so gut wie in der vergangenen Runde. Abraham hat sichtbar zu kämpfen – mit seinem Körper, irgendwie aber auch mit sich selbst, was nicht gerade förderlich für die bisherigen Leistungen war. Zwar stand der 33 Jahre alte Abwehrmann in dieser Saison schon neunmal auf dem Rasen, doch allmählich scheint ihm der zehn Jahre jüngere Almamy Touré auf der rechten Abwehrseite den Rang abzulaufen.

Tadelloser Rönnow

Jetzt ist es sicher so, dass Trainer Hütter seinen auch fürs Binnenklima innerhalb der Truppe wichtigen Spielführer nicht fallen lassen wird, er wird auf genügend Minuten kommen, ganz zufrieden aber wird Abraham mit der Entwicklung nicht sein. Wie auch Danny da Costa. Der Dauerspieler der Vorsaison (50 Einsätze) muss derzeit, zumindest aus seiner Sicht, ein ums andere Mal zu oft von draußen zusehen, wenn Kollege Erik Durm (oder auch Timothy Chandler) die rechte Seite entlangeilt.

Wie schnell aus vermeintlich ins Abseits gestellten Profis wieder wichtige werden können, zeigt sich dieser Tage im Tor der Eintracht. Frederik Rönnow, im Sommer ein Verkaufskandidat, war eigentlich ohne Chance auf einen Stammplatz. Nun hat er diesen wegen des Trapp-Malheurs bis zur Winterpause sicher. In Guimaraes wurde er erstmals geprüft und erledigte seinen Job tadellos.

Von Daniel Schmitt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare