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Herz ist Trumpf: Torschütze Luka Jovic (von rechts), Filip Kostic und Sebastian Rode zeigen auch gegen Chelsea Frankfurter Leidenschaft.

„Jetzt kann alles passieren“

Europa League: Eintracht Frankfurt voller Stolz - und Hoffnung

Die Eintracht ist nach dem Hinspiel gegen den FC Chelsea stolz auf sich - und voller Hoffnung. Der große FC Chelsea dominierte die Begegnung phasenweise eindeutig, die Eintracht aber hielt dagegen - und träumt nach dem 1:1 im Halbfinal-Hinspiel weiter vom Endspiel.

Frankfurt - In Paris haben die Sportsmänner Kevin Trapp und David Luiz einst gemeinsame Sache gemacht, da waren sie Mannschaftskameraden und sind gute Freunde geworden. Am Donnerstagabend standen sich der deutsche Nationaltorwart und der einstige brasilianische Auswahlspieler als Kontrahenten gegenüber, Trapp hält ja wieder Bälle für die Frankfurter Eintracht, Luiz verteidigt, wie schon einmal, für den FC Chelsea. Als sich die Kumpels nach dem Abpfiff des packenden Halbfinalduells der Europa League in die Arme nahmen, da ruhte die Rivalität, Wuschelkopf Luiz war es vielmehr ein Bedürfnis, dem früheren Mitstreiter seine Wertschätzung darzubringen. "Ihr ackert ja wie verrückt, es ist schwer, gegen Euch zu spielen", bedeutete er dem Eintracht-Keeper nach dem 1:1 voller Hochachtung. Trapp nahm den Ball gerne auf: "Wir haben noch mal eine Schippe draufgelegt, alles gegeben. Jetzt kann alles passieren", sagte die Leitfigur. "Ich bin stolz auf das, was wir geleistet haben."

Stolz war eine inflationär benutzte Vokabel an diesem Abend, der tatsächlich wieder genau so wurde, wie es viele erwartet und erhofft hatten: aufregend, spektakulär, erinnerungswürdig. Nachdem das Remis im ersten Frankfurter Halbfinale im Europacup nach 39 Jahren besiegelt war und einige Eintracht-Spieler entkräftet und von Krämpfen geschüttelt zu Boden sanken, verließ kaum ein Zuschauer die zuvor bebende Arena im Stadtwald: Die Fans feierten ihre Mannschaft, die gegen einen in allen Belangen überlegenen Gegner einen wahnsinnigen Kampf abgeliefert hatte. "Das war ein absoluter Achtungserfolg gegen eine absolute Topmannschaft", urteilte Coach Adi Hütter, für den das Duell von besonderer Bedeutung war: "Es war ein cooles Gefühl, in einem europäischen Halbfinale auf Chelsea zu treffen. Es war eines der größten Spiele, die ich bisher erleben durfte."

Abend voller Emotionen für Eintracht Frankfurt

Es war wieder einmal ein Abend voller Emotionen - hervorgerufen durch eine großartige kämpferische Darbietung der Eintracht, die ob der spielerischen Dominanz der Engländer manches Mal die Orientierung verlor, sich aber mit aller Wucht gegen eine Niederlage stemmte. "Das war noch mal ein anderes Niveau als die Gegner zuvor", stellte Hütter fest. Und Sportvorstand Fredi Bobic rekapitulierte: "Chelsea hat uns phasenweise vor Riesenprobleme gestellt."

Im nächsten Atemzug lobte er aber die Moral und Opferbereitschaft seiner Mannschaft: "Wir haben uns am Ende noch einmal rausgequält, mit Mentalität und Leidenschaft - ich habe alles gesehen, was ein Fußballspiel braucht."

Gerade die Schlussphase dürfte den Hessen Mut fürs Rückspiel am kommenden Donnerstag in London an der altehrwürdigen Stamford Bridge im Stadtteil Fulham machen, weil sie sich da von der Umklammerung Chelseas befreien konnten und sich noch mal zu rasanten Gegenangriffen aufrafften. Die Eintracht wird mit ihren Mitteln versuchen, die Sensation Realität werden zu lassen. "Wir brauchen mehr als eine Topleistung", sagte Adi Hütter. "Aber wir werden mit Selbstvertrauen und Mut nach London reisen. Wir müssen an unsere Stärken glauben."

Fredi Bobic und der Geist von San Siro

Bobic erinnerte an den letzten großen Auswärtscoup im internationalen Wettbewerb, den 1:0-Erfolg bei Inter Mailand, der den Einzug ins Viertelfinale bescherte. "Vielleicht können wir den Geist von San Siro beschwören", bekundete er. "Vielleicht bekommen die Jungs an der Stamford Bridge diesen Extraschub. Ich bin davon überzeugt, dass sie alles raushauen werden und versuchen, die Sensation zu schaffen - und ich traue es ihnen zu."

Die Eintracht wird einen guten Tag erwischen, auf ein wenig Fortune und einen nicht ganz so entfesselt aufspielenden Gastgeber hoffen müssen, wenn sie eine Chance haben will, das Finale am 29. Mai in Baku zu erreichen. "Alles ist möglich", sagte Hütter, der bei Chelsea "die Trümpfe in der Hand" liegen sieht. Er selbst aber hat auch noch ein Trumpfass, das er ausspielen wird: Ante Rebic. Der kroatische Vizeweltmeister, im Hinspiel gesperrt, kann mit seiner Wucht, Schnelligkeit und Furchtlosigkeit "jeder Abwehr Probleme bereiten", wie Hütter sagte. "Wir", konstatierte Gelson Fernandes am Ende eines denkwürdigen Abends, "sind noch am Leben."

von Ingo Durstewitz und Thomas Kilchenstein

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