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Der strahlende Spieler des Spiels gegen Bayer Leverkusen: Frederik Rönnow

Eintracht Frankfurt

Frederik Rönnow: Bestleistung und Saisonrekord für SGE-Keeper

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    Thomas Kilchenstein
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Vati ist der Beste: Torwart Frederik Rönnow bekam aufgrund der Geburt seines Sohnes in der vergangenen Woche so gut wie keinen Schlaf, machte trotzdem das Spiel seines Lebens.

Frankfurt - Eigentlich schade, dass Schiedsrichter Christian Dingert nach dem Studium der Bilder aus Köln den vermeintlichen Handelfmeter in der 72. Minute zurückgenommen hatte. An diesem Abend, an dem alles gelang, hätte der Frankfurter Torhüter auch den ruhenden Ball aus elf Metern abgewehrt. Frederik Rönnow hat ja auch sonst alle Schüsse und Kopfbälle der Leverkusener Spieler pariert, und die waren teilweise aus viel kürzerer Distanz abgegeben worden. Aber an diesem Abend, den Frederik Rönnow in seinem Leben nicht vergessen wird, hätten es die Bayer-Profis noch stundenlang versuchen können, einen Treffer hätten sie nie und nimmer erzielt.

Es gibt solche Spiele im Leben eines Fußballprofis, da gelingt einem alles, es gibt sie nicht häufig, aber manchmal kommt alles Gute zusammen, und irgendwann im Spiel weißt du: Heute kann nichts schiefgehen, heute hast du den Flow, heute bist du nicht zu bezwingen. Heute ist dein Tag.

Frederik Rönnow: "Bestes Spiel meiner Karriere" – Torhüter von Eintracht Frankfurt wird von Fans gefeiert

Frederik Rönnow, 27, Däne und hinter Kevin Trapp klar die Nummer zwei in Frankfurt, muss dieses Gefühl gespürt haben an diesem Freitag, vielleicht noch nicht nach der ersten Parade in der ersten Halbzeit, als er eine Direktabnahme von Lucas Alario (42.) zur Seite lenkte. Eher bei einem kniffligen, harten Schuss von der Seite von Karim Bellarabi kurz nach Wiederanpfiff (53.), der Schuss war nicht leicht zu parieren, er kam scharf und Rönnow musste ihn festhalten, zwei Leverkusener standen parat für einen möglichen Abpraller. „Wenn man den ersten Schuss hält, gibt das einem Selbstvertrauen. Das ist sehr wichtig für mich“, sagte Rönnow nach dem „besten Spiel meiner Karriere“

Danach hielt er alles, was auf seine Bude kam. Er wehrte zehn Schüsse ab und stellte damit einen neuen Saisonrekord auf, zuvor war es Zack Steffen von Fortuna Düsseldorf gelungen, in einem Spiel neun Bälle zu halten. Spektakulär waren die Reflexe, als er einen von Makoto Hasebe abgefälschten Schuss von Kai Havertz noch über das Tor boxte oder beim Kopfball von Alario aus großer Nähe. Dank Rönnow hatte Eintracht Frankfurt dieses Spiel zu Null gewinnen können, er war der Garant des Sieges: „Frederik hat ein tolles Spiel gemacht“, lobte Trainer Adi Hütter, noch auf dem Rasen hatte er seinen Torhüter lange umarmt. „Es war ein sehr emotionaler Moment, ich bin stolz und glücklich“, sagte Rönnow, der zu Recht auch von den Fans mit lauten „Rönnow, Rönnow“-Rufen gefeiert wurde.

Frederik Rönnow ist bei Eintracht Frankfurt außerordentlich beliebt – Vater eines Sohnes geworden

Es war auch deswegen eine sehr emotionale Geschichte, weil der 27-Jährige am Tag zuvor Vater eines Jungen geworden war, Theodor war am Donnerstag um sechs Uhr morgens zur Welt gekommen, am Dienstag hatten bei Freundin Sarah die Wehen eingesetzt und Rönnow entsprechend wenig geschlafen. Für Hütter stand außer Frage, dass er Rönnow gegen Bayer Leverkusen trotz Müdigkeit ins Tor stellen würde, „ein Kind bringt Power, Energie und Liebe.“ Einen schöneren Abend, ein besseres Spiel hatte sich Rönnow nicht vorstellen können. „Das war mehr als ich zu träumen gewagt hatte, auch weil mir der Schlaf zum Träumen gefehlt hat.“

Es gab an diesem Freitag keinen Menschen, der Frederik Rönnow diesen Erfolg nicht von Herzen gegönnt hätte. „Er hat es sich total verdient“, sagte etwa Doppeltorschütze Goncalo Paciencia, der dänische Torhüter ist im Kreis der Mannschaft außerordentlich beliebt, weil er sich nie hat hängen lassen oder schlechte Laune versprüht hat.

Hartes Jahr bei Eintracht Frankfurt für Frederik Rönnow – Torhüter hat sich Latte selbst ziemlich hoch gelegt

Denn es liegt ja keine leichte Zeit hinter ihm. Im Sommer 2018 als Nachfolger des zu Bayer Leverkusen abgewanderten Lukas Hradecky von Bröndby IF geholt, hatte er die sportlich Verantwortlichen nie restlos überzeugen können. Im Supercup gegen den FC Bayern (0:5) sah er nicht gut aus, dann bremste ihn eine Knieverletzung, so dass die Eintracht Kevin Trapp holte. Der Stammplatz auf der Ersatzbank war ihm sicher, dann, als Trapp in diesem Sommer nach Paris zurückmusste und Rönnow in der Europa League-Qualifikation hätte spielen sollen, stoppte ihn eine Schulterverletzung. Dann unterschrieb Trapp einen Vertrag bis 2024 und Rönnow war wieder außen vor.

Der belesene Däne, der sich zuweilen ans Piano setzt und ein passionierter Skatspieler ist, sprach selbst von „einem harten Jahr“. Es gebe zwei Möglichkeiten, mit solch einer misslichen Situation umzugehen: „Entweder du bemitleidest dich selbst oder du arbeitest hart.“ Er habe sich für die zweite Variante entschieden, „in diesem Jahr habe ich viel gelernt“. Bis zur schweren Schulterverletzung von Kevin Trapp stand Rönnow in eineinhalb Jahren lediglich in sechs Pflichtspielen im Tor. Trotz aller Kritik hat der immer noch jugendlich aussehende Ballfänger, der bis mindestens zur Winterpause Fachkraft Nummer eins bleibt, nie an sich gezweifelt. „Ich wusste, dass ich die Fähigkeiten habe, so zu perfomen wie am Freitag.“

An dieser Leistung wird er künftig gemessen werden. Der Mann unter der Latte hat die Latte selbst ziemlich hoch gelegt.

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