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Greift überraschenderweise schon wieder an: Stürmer Bas Dost, blitzgeheilt.

Am Sonntag gegen Schalke

Eintracht Frankfurt ist aus den Fugen geraten - Bas Dost vor Rückkehr

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    Thomas Kilchenstein
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Bei Eintracht Frankfurt fehlt Dynamik und Selbstvertrauen – aber jetzt kommt Stürmer Bas Dost zurück.

Vor der entscheidenden Europapokalbegegnung gegen die Portugiesen aus Guimaraes hatte Trainer Adi Hütter inständig auf einen emotionalen Befreiungsschlag gehofft, auf eine „Initialzündung“ für die drei ausstehenden Spiele in der Bundesliga. „Wir wollen den Schwung für die letzten elf Tage mitnehmen.“ So weit die Theorie, in der Praxis muss man nach dem indiskutablen 2:3 (2:1) gegen Schlusslicht Vitoria festhalten, dass die Mission Rückenwind krachend gescheitert ist. An diesem trüben Donnerstag gab es für die Eintracht genau eine einzige gute Nachricht: das Weiterkommen – dank Schützenhilfe des FC Arsenal London, der ein 0:2 in Lüttich aufgeholt hatte und die Belgier mit dem 2:2 auf den undankbaren dritten Rang schickte. Ansonsten war diese fast schon peinliche Eintracht-Niederlage der nächste Rückschlag auf dem ohnehin schon sehr holprigen Pfad, den die Frankfurter seit Saisonbeginn beschreiten.

Eintracht Frankfurt: Danny Costa war „angepisst“

Unmittelbar nach dem Abpfiff der Partie waren die Protagonisten einigermaßen konsterniert. Danny da Costa, der kluge Kopf auf der rechten Seite, ging gar davon aus, dass die Pleite gegen die Portugiesen das Aus in der Europa League zur Folge gehabt hat. „Ich dachte, es hätte nicht gereicht. Aber es hat mich im ersten Augenblick auch gar nicht interessiert, weil ich extrem angepisst war.“ So ging es fast allen Spielern. Sebastian Rode sprach zwar davon, dass man irgendwie stolz darauf sein könne, zum zweiten Mal hintereinander ins Sechzehntelfinale eingezogen zu sein. „Aber im Moment überwiegt die Enttäuschung über unsere Leistung.“

Die war im zweiten Abschnitt unterirdisch. Die Mannschaft hat 45 Minuten lang fast kein Bein auf den Boden bekommen, kopflos, konfus und vogelwild agiert. Dieser Einbruch, mit einer Führung im Rücken, war seltsam und rätselhaft, die Eintracht schien alles im Griff zu haben, ehe es zum kollektiven Systemausfall kam. Die Tore für die Iberer hatten sich abgezeichnet, auch wenn die Treffer an sich glücklich waren. „In gewisser Weise haben wir darum gebettelt“, fasste Mittelfeldmotor Rode zusammen. „Wir sind keine Spitzenmannschaft, die das souverän zu Ende spielt.“ Womöglich habe das Team auch „Angst gehabt, noch einen zu fangen“. Es wurden gleich zwei. Zack, zack, aus 2:1 mach 2:3, und am Ende schallten sogar vereinzelte Pfiffe durch die Arena im Stadtwald.

Eintracht Frankfurt hat den Gruppensieg verschenkt

Leichtfertig haben die Hessen nicht nur den Dreier, sondern auch den Gruppensieg hergeschenkt, der von der Uefa mit einer Million Euro belohnt wird, der aber vor allem einen leichteren Gegner im am 20. und 27. Februar auszutragenden Sechzehntelfinale beschert hätte. Statt 18 Punkte wie im Vorjahr reichte dieses Mal die Hälfte fürs Überwintern, „die neun Punkte haben wir aber nicht gestohlen“, befand Hütter, der bei aller Enttäuschung nicht vergaß anzumerken, dass die Mannschaft „das große Ziel“ erreicht hat. „Wir sind einen langen Weg gegangen, deshalb freuen wir uns, am Montag im Lostopf zu sein.“

20 Partien auf internationalem Parkett stehen in diesem Jahr zu Buche, so viel wie noch nie eine deutsche Mannschaft absolviert hat, insgesamt werden es in 2019 55 Begegnungen sein, seit Hütters Amtsantritt 2018 sogar 80 Pflichtspiele. „Das ist eine Menge Holz, mehr Spiele als jeder andere Bundesligist“, wie er anmerkte.

Mögliche Gegner in der Europa League
Am Montag um 13 Uhr wird in Nyon das Sechzehntelfinale der Europa League ausgelost. Auf die Eintracht, die den Gruppensieg leichtfertig verspielte und damit in Lostopf zwei gerutscht ist, warten unter Umständen schwere Brocken. Die möglichen Gegner: KAA Gent, Manchester United, Inter Mailand, Ajax Amsterdam, RB Salzburg, Linzer ASK, Benfica Lissabon, FC Porto, Sporting Braga, Celtic Glasgow, FC Basel, Malmö FF, FC Sevilla, Espanyol Barcelona, Istanbul Basaksehir.

Über den Auftritt im zweiten Durchgang wollte dennoch niemand das Deckmäntelchen des Schweigens legen. „Darüber müssen wir sprechen“, forderte da Costa. Das wurde umgehend umgesetzt, schon am Freitagmorgen bestellte Hütter sein Team ein. „Ich habe Klartext geredet.“ Schon am Abend war er deutlich geworden: „Viel Leerlauf“ habe man gehabt, das Spiel sei „nicht das Gelbe von Ei“ gewesen, „mit Ruhm haben wir uns nicht bekleckert“.

Der Fußballlehrer stört sich vor allen Dingen an dem Verhalten der Mannschaft auf dem Platz. „Wir arbeiten vorne nicht gut“, monierte er. Zeitweise seien drei, vier Spieler einfach stehen geblieben. „Das geht nicht, das ist zu sorglos.“ Generell stimmt die Balance nicht mehr, das ganze Gebilde ist aus den Fugen geraten. „Hinten sind wir sehr anfällig. Wir müssen zu unseren Grundtugenden zurück“, betonte der Coach. „Wir brauchen wieder mehr taktische Disziplin.“ Zurzeit sei die Mannschaft nicht in der Lage, die Vorgaben umzusetzen, „weil die Abstände zu groß sind, wir attackieren nicht gemeinsam, sind nicht geschlossen unterwegs.“ Zudem, ganz entscheidend, fehlt dem Team die Dynamik und das Tempo aus der Vorsaison; das Brachiale und Wildentschlossene ist gegangen. Momentan ist viel Gleichförmigkeit und Schablonenhaftes im Spiel.

Gerade die beiden Stürmer, ohnehin von der Rolle und sich in ihren Anlagen zu ähnlich, haben gegen Guimaraes im zweiten Durchgang kaum einen Ball festmachen können. „Wir haben vorne zu viele falsche Entscheidungen getroffen“, krittelte Rode. Goncalo Paciencia etwa übertrieb es mit dem Eigensinn, was auch Adi Hütter ein Dorn im Auge war. Grundsätzlich verstehe er, dass Angreifer nach längerer Flaute einen Treffer erzwingen wollen und gegen einen „gewissen Egoismus“ habe er nichts einzuwenden. „Aber grundsätzlich ist das der falsche Ansatz.“

Bas Dost mit überraschender Rückkehr zur SGE

Auch die vielen Ungenauigkeiten hat der 49-Jährige registriert, er sieht das Problem aber tiefer liegen. „Wenn dein Selbstvertrauen nicht das größte ist und du beginnst nachzudenken, dann werden auf einmal einfache Dinge wahnsinnig schwer.“ Das Leichtfüßige, „Flüssige und Befreite“ (Hüttter) geht dem Team derzeit ab. „Diesen Klick müssen wir wieder hinbekommen.“ Generell, räumte er ein, sei sehr wohl „der Wurm drin, wir sind in einer schwierigen Phase“, aber er als Verantwortlicher bewahre einen kühlen Kopf: „Wenn ich mir Sorgen machen würde, wäre ich fehl am Platz, ich muss Lösungsansätze suchen.“

Da kommt es ihm zupass, dass er gestern überraschend einen Trainingsgast begrüßen konnte, den er nicht auf der Liste und für dieses Jahr schon abgeschrieben hatte: Mittelstürmer Bas Dost. Spezialisten hätten entdeckt, dass ein eingeklemmter Nerv die Schmerzen in der Leiste verursacht hat, weshalb der Niederländer mit einer Spritzenkur behandelt worden und schnell genesen sei. „Er ist absolut schmerzfrei, das war er lange nicht“, sagte Hütter und sprach von einer „überraschenden Kehrtwende“.

Er sei zwar „nicht übereuphorisch“, aber vielleicht könne Dost „eine erfreuliche Alternative“ für die letzte Woche vor Weihnachten sein. Das Auswärtsspiel am Sonntag (18 Uhr) beim Vierten Schalke 04 kommt für den 30-Jährigen wohl zu früh. „Da“, sagte Hütter, „sind wir Außenseiter.“ Nicht nur tabellarisch gesehen.

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