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Polizeieinsatz vor dem Eintracht-Block: Die Beamten entfernten ein Plakat.

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Eintracht Frankfurt legt Beschwerde wegen Polizeimaßnahmen ein

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Der Streit um die Durchsuchung vor dem Europa-League-Heimspiel von Eintracht Frankfurt gegen Schachtjor Donezk hat ein juristisches Nachspiel. Und die Linke im Landtag fordert den Rücktritt von Innenminister Beuth.

Eintracht Frankfurt hat nach der polizeilichen Durchsuchungsaktion vor dem Europa-League-Heimspiel gegen Schachtjor Donezk juristische Schritte eingeleitet. Der Fußball-Bundesligist legte beim Amtsgericht Frankfurt Beschwerde ein. „Wir haben erhebliche Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Maßnahme und ihres Zustandekommens. Eine objektive rechtliche Klärung ist daher notwendig und auch für die weitere Zukunft hilfreich“, erklärte Vorstandsmitglied Axel Hellmann.

Die Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und der Eintracht waren gestern auch Anlass für einen ersten Schlagabtausch im Hessischen Landtag. Innenminister Peter Beuth (CDU) verteidigte den Polizeieinsatz vom Donnerstag und betonte: „Eine Fankurve ist kein rechtsfreier Raum.“ Zum Teil heftige Kritik musste sich Beuth dagegen aus den Reihen der Opposition anhören.

Die stellvertretende SPD-Fraktionschefin Nancy Faeser warf ihm vor, mit seiner öffentlichen Erklärung vom Freitag habe der Minister den Streit noch angeheizt, statt auf Deeskalation zu setzen. Der Linken-Abgeordnete Hermann Schaus nannte es einen zweifelhaften Erfolg, wenn jetzt auch in anderen Stadien bundesweit Anti-Beuth-Plakate entrollt werden und forderte den Rücktritt des CDU-Politikers.

Für Donnerstag ist auf Antrag der SPD eine Aktuelle Stunde zu dem Thema im Landtag angesetzt, für die noch heftigere Auseinandersetzungen erwartet werden. Am Dienstag ging Beuth bei seiner Regierungserklärung nur kurz auf den Streit mit der Eintracht ein. Die Polizei müsse einschreiten, wenn sie Gefahren für die Sicherheit sehe, „sei es auf der Straße oder im Stadion“, sagte er. Die polizeiliche Lageeinschätzung sei vor dem Spiel der Eintracht gegen Schachtjor Donezk so gewesen, dass sie ein Einschreiten erforderlich gemacht habe. Diese Einschätzung habe sich auf einen richterlichen Beschluss gestützt, fügte der Minister hinzu. „Es geht nicht um eine Auseinandersetzung zwischen Eintracht Frankfurt und mir“, fuhr er fort, sondern um die Sicherheit im Stadion.

„Unappetitlicher Protest“

„Ich erwarte von jedem, dass die Prinzipien unseres Rechtsstaats respektiert werden“, sagte er weiter. Erforderliche Maßnahmen seien „in jedem Fanblock zu akzeptieren“.

Beuth sprach – offenbar in Anspielung auf das Transparent, in dem er als „Ficker“ bezeichnet wurde – von einem „unappetitlichen Protest“. Zugleich wies er aber darauf hin, dass die Polizei eine Nachbereitung ihres Einsatzes im Stadion angekündigt und Eintracht Frankfurt ein Gesprächsangebot unterbreitet habe – wozu sich Eintracht-Vorstand Hellmann gestern im Übrigen bereit erklärte.

Für Wirbel sorgt auch ein Video, das zeigt, wie ein Fan von einem Beamten so hart angegangen wird, dass er über die Werbebande fällt. Der Linke Schaus sagte dazu, es sei kein Gewinn für die Sicherheit, wenn Eintracht-Fans verletzt werden. Innenminister Beuth entwickle sich zum „Unsicherheitsminister“ und sei die größte Fehlbesetzung im Kabinett. Er solle sich erklären und entschuldigen. Der Innenminister habe „fertig“.

Der Frankfurter Polizeipräsident Gerhard Bereswill kann in dem bei YouTube hochgeladenen Video dagegen kein Fehlverhalten der Polizisten erkennen. Im Hessischen Rundfunk sagte er, das Banner sei zu dem Zeitpunkt bereits sichergestellt worden, „es kam Ruhe rein“. Daraufhin habe eine Person versucht, in die Reihe der Polizisten einzudringen und das Banner wegzureißen. Dies hätten die Polizeibeamten dann abgewehrt, „indem sie sie zurückgestoßen haben“.

Michael Gabriel, Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte, wertet das Vorgehen der Polizei als besorgniserregend. „Der Einsatzleitung muss klar gewesen sein, was für ein Eskalationspotenzial dadurch entsteht“, sagte er dieser Zeitung. „Es muss einem Sorge machen, dass sich der Konflikt weiter vertieft. Auch weil auf beiden Seiten Hardliner dadurch noch einmal Aufwind bekommen.“

Siehe Seite 2 und 22

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