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Meldet sich zurück: Lucas Torro.

Lucas Torro

Eintracht Frankfurt: Lucas Torro macht auf sich aufmerksam

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Bei Eintracht Frankfurt meldet sich etwas überraschend Lucas Torro zurück.

Beim letzten großen Interview mit der FR war Lucas Torro richtig am Boden. Er sprach da von „der schwierigsten Phase“ seiner gesamten Karriere, die er gerade in Frankfurt erlebe. Er fühlte sich aufs Abstellgleis geschoben, ja gar als „fünftes Rad am Wagen“. Lucas Torro, der 25 Jahre alte Spanier aus Alicante, war schwer verzweifelt, „es ist gerade nicht leicht für mich“, ließ er von Dolmetscher Stephane Gödde übersetzen.

Eintracht Frankfurt verzichtete lange auf Torro

Die Gründe für seine tiefe Enttäuschung lagen auf der Hand: Lucas Torro spielte bei Trainer Adi Hütter keine Rolle, in der Liga war er bis dato auf eine Nettospielzeit von zwei Minuten gekommen, am allerersten Spieltag durfte er zu Hause gegen die TSG Hoffenheim genau diese 120 Sekunden kicken. Das hatte er sich anders vorgestellt.

Tatsächlich hatte sich Torro mit Feuereifer und hochmotiviert in diese Saisonvorbereitung gestürzt, er wollte das erste Jahr mit lediglich sieben Einsätzen schnell vergessen machen, in dem er nach holprigen Start wegen einer Schambeinentzündung und anschließender Operation sehr lange ausfiel, dazu war sein Bruder ganz überraschend verstorben. Erst am Ende der Runde fasste er leidlich Fuß, aber den wilden Ritt durch Europa verpasste er weitgehend - dabei war er es doch, der mit seinem Treffer zum zwischenzeitlichen 1:1 bei Olympique Marseille die Wende zum Besseren eingeleitet hatte. Er habe damit, sagte er später, auch „ein Sandkörnchen“ zum Erfolg beigesteuert. In der Vorbereitung hatte er ein prima Gefühl, „Ich war gut drauf, um eine großartige Saison zu spielen“, sagte er im Rückblick.

Lucas Torro: Kopfballstärke als Plus

Doch es kam anders, ganz anders: Zwar spielte er anfangs in der Europa-League-Qualifikation, erzielte wieder das erste Tor auf internationaler Bühne, ein fulminanter Linksschuss zum 1:0 bei Flora Tallin in Estland. Doch nach dem schlechten Spiel bei Racing Straßburg (0:1) war der defensive Mittelfeldspieler plötzlich weg vom Fenster - er schaffte es kaum noch in den Kader. Sein Problem: Nirgends ist der Konkurrenzkampf so groß wie im zentralen Mittelfeld, wo sich Sebastian Rode, Dominik Kohr, Djibril Sow, Gelson Fernandes, Daichi Kamada, Mijat Gacinovic, Jonathan de Guzman und eben Torro um drei Positionen balgen. Dazu kommt: Torro ist zwar ein guter Zweikämpfer, zudem ein ausgezeichneter Kopfballspezialist, aber er hat gewisse Defizite in der Schnelligkeit. Und Tempo ist in Hütters System enorm wichtig.

Und dann wurde er nicht einmal für die folgende Europa League gemeldet, ein Schlag ins Kontor für den sensiblen Spanier. „Eine harte Entscheidung für mich“, sagte er, „unangenehm, damit muss man erst einmal klar kommen“. Während die Kollegen auf Reisen gingen, musste Torro allein im Stadtwald Runden drehen. Es war nicht leicht für ihn, aber „ich bin positiv geblieben“ - und er hat weiter an sich gearbeitet. Sogar zusätzliche Einheiten hat er nach dem Training noch angehängt.

Lucas Torro wusste: „Wenn sich eine Chance auftut, dann muss man da sein.“

Das hat der Eintracht-Profi am vergangenen Montag gesagt, am Flatterband, vor Journalisten, schweißdampfend, das Trikot verschmutzt. Gerade hatte er 45 Minuten Bundesligafußball in den Knochen, zwar hatte die Eintracht 1:2 gegen den FSV Mainz 05 verloren, aber Torro hat mit einem engagierten Spiel auf sich aufmerksam machen können.

Eintracht-Trainer Hütter mit Extra-Lob

Das war Coach Adi Hütter natürlich nicht verborgen geblieben: „Lucas hat das sehr gut gemacht. Er hat mir richtig gut gefallen, das war ein tolles Spiel von ihm.“ Vor allem war der Spanier sofort da, er hatte keinerlei Anlaufschwierigkeiten, trotz wochenlang fehlender Spielpraxis. Erneut fiel seine unglaubliche Kopfballstärke auf, vorne wie hinten. Und seine statistischen Werte konnten sich durchaus sehen lassen: Er lief in den 45 Minuten 6,3 Kilometer, also genauso viel wie der beste Frankfurter Dauerläufer Djibril Sow, der 12,6 Kilometer abspulte.

Torro gewann die zweitmeisten Zweikämpfe aller Frankfurter Spieler (zwölf), 31 seiner Pässe fanden den eigenen Mann, das war der drittbeste Wert, er schoss als Defensiver einmal aufs Tor und hatte schließlich in einer Halbzeit 44 Ballkontakte und damit elf mehr als etwa Danny da Costa, der beide Halbzeiten auf dem Platz stand.

„Ein bisschen Werbung in eigener Sache“ habe er machen können, ließ er hinterher, durchaus zufrieden, übersetzen. Im Übrigen empfand er auch nicht alles schlecht an diesem Abend. „Wir haben Mut an den Tag gelegt“, vor allem je länger das Spiel dauerte, „leider sind wir nicht belohnt worden“. Torro jedenfalls hat eine erste Duftmarke setzen können, hat gezeigt, dass der Trainer mit ihm rechnen, auf ihn bauen kann, dass er bereit steht, wenn er gebraucht wird. Das ist einiges mehr als er zuletzt hoffen durfte.

Von Thomas Kilchenstein

Besonders hakt es bei der Eintracht momentan im Sturm. Ein spektakulärer Rücktausch könnte hier Abhilfe schaffen - und neben der Eintracht auch dem AC Mailand nutzen. Ein Kommentar.

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