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Die Fans der Frankfurter Eintracht stehen auch gegen Inter Mailand unter besonderer Beobachtung.

Europa League in Frankfurt

Nach umstrittenem Polizeieinsatz: Eintracht Frankfurt und Frankfurter Polizei um Klärung bemüht

Nach dem umstrittenen Polizeieinsatz vor der Europa-League-Partie gegen Donezk haben sich Axel Hellmann und der Frankfurter Polizeipräsident zu einem klärenden Gespräch getroffen. 

Update, 8. März 2019, 17.35 Uhr: Die Frankfurter Polizei und Eintracht Frankfurt haben sich noch einmal getroffen, um über den Polizeieinsatz im Umfeld des Europa League Rückspiels gegen Shakhtar Donezk am 21. Februar in der Commerzbank-Arena zu sprechen. Vorstandsmitglied der Frankfurter Eintracht Axel Hellmann und Polizeipräsident Gerhard Besewill erörterten in dem Gespräch die unterschiedlichen Positionen und Auffassungen zu den Maßnahmen im Vorfeld der Partie, hieß es in einer gemeinsamen Pressemitteilung.  

Beide Seiten kamen im dem Gespräch überein, dass die abschließende Bewertung der Justiz vorbehalten bleibe. Das Thema wird also voraussichtlich vor Gericht behandelt werden.  

Eintracht Frankfurt: Polizei stuft Spiel gegen Inter Mailand als Risikospiel ein

Update, 6. März 2019, 12.08 Uhr: Die Fans von Eintracht Frankfurt stehen beim Europa-League-Schlager gegen Inter Mailand unter besonderer Beobachtung. Die Polizei hat das Achtelfinal-Hinspiel am Donnerstag (18.55 Uhr) als "Risiko-Spiel" eingestuft. Nach Angaben des Bundesligisten werden 2600 Anhänger aus Italien erwartet. Die Eintracht spielt auf Bewährung und kann sich kein weiteres Fehlverhalten ihrer Fans erlauben. Im Hintergrund schwelt zudem weiter der Streit mit Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU)

Nach Spiel in Rom: Eintracht muss 80000 Euro Strafe zahlen

"Wir werden wieder situativ entscheiden", sagte eine Polizeisprecherin zur Strategie bei den Sicherheitsmaßnahmen. Die Eintracht war nach der wiederholten Randale ihrer Fans im Januar von der Europäischen Fußball-Union mit einem Zuschauer-Ausschluss auf Bewährung und einer Geldbuße von 80 000 Euro bestraft worden. Die Dauer der Bewährung ist auf zwei Jahre festgelegt. Kommt es in dieser Zeit erneut zu Vorfällen, dürfen die Eintracht-Anhänger nicht zum nächsten Auswärtsspiel fahren. Während des letzten Gruppenspiels am 13. Dezember in Rom (2:1) hatten Eintracht-Fans Böller, Bengalos und Raketen auf Lazio-Fans, Polizisten und Ordner geworfen.

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Zum Rückspiel nach Mailand wollen 13 500 Eintracht-Anhänger fahren. Die Eintracht hat nach eigenen Angaben keine Bedenken, dass dort etwas passiert. "Mailand ist ein ganz anderes Thema, als es Rom gewesen ist", sagte Pressesprecher Jan Strasheim. Auch Forlem-1-Rennfahrer Sebastian Vettel wird mit der Eintracht mitfiebern. In seinem italienischen Rennstall Ferrari könnte das allerdings für Krach sorgen, denn sein neuer Teamchef ist Inter-Mailand-Fan. 

Mit Argusaugen schaut auch die Politik auf das Hinspiel. Vor dem Duell gegen den ukrainischen Meister Schachtjor Donez am 21. Februar hatte die Polizei Stadionbereiche nach Pyrotechnik abgesucht. Dazu lag ein gerichtlicher Durchsuchungsbeschluss vor. Später entfernten die Beamten ein Banner, das gegen Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) gerichtet war. Begründet hatte die Polizei die Aktion auch mit Äußerungen von Eintracht-Präsident Peter Fischer, die sie als Aufforderung zum Einsatz von Pyrotechnik verstanden haben will. Die Eintracht hat juristische Schritte gegen den Polizeieinsatz eingelegt, das Ganze hatte auch ein parlamentarisches Nachspiel.

Eintracht Frankfurt gibt Stellungnahme zu Durchsuchen ab: "Kommt einem Eklat gleich"

Update, 22. Februar 2019, 16.45 Uhr: Nachdem die Fans der Frankfurter Eintracht am Donnerstagabend im Stadion mit der Polizei aneinander geraten sind, hat sich nun der Verein selbst in einem offiziellen Statement geäußert und das Vorgehen der Beamten aufs Schärfste kritisiert. 

Hessens Innenminister Peter Beuth hatte am Freitagmittag zu einer Pressekonferenz geladen, um über das Vorgehen der Ordnungshüter am Donnerstagabend zu sprechen. Doch damit hat er es aus Sicht von Eintracht Frankfurt nicht besser gemacht. "Die Pressekonferenz des Innenministers bestätigt Eintracht Frankfurt in der Überzeugung, dass die polizeilichen Maßnahmen rund um das gestrige Spiel ausschließlich auf Basis der wirklichkeitsfernen Auslegung eines Fernsehinterviews veranlasst wurden", schreibt die Eintracht in ihrem Statement. 

Es habe nicht einen einzigen weiteren, ernst zu nehmenden Anhaltspunkt bevorstehender Ordnungswidrigkeiten oder gar Straftaten im Zusammenhang mit dem Spiel gegeben. Dass man die Einschätzungen der Verantwortlichen von Eintracht Frankfurt kurz vor der Durchsuchung "schlicht ignoriert hat, kommt einem Eklat gleich", schreibt Eintracht Frankfurt. 

"Man war seitens der Sicherheitsorgane offenkundig nicht an der Beurteilung der Sachlage durch Eintracht Frankfurt interessiert, sondern wollte ein Zeichen setzen." Vereinspräsident Peter Fischer hatte sich kurz vor der Durchsuchung der Nordwestkurve an die Medien gewannt und seine Aussage vom Vorabend unmissverständlich klar gestellt. 

Eintracht Frankfurt hat eine Untersuchung der gestrigen Vorgänge durch einen Anwalt veranlasst. "Hier liegt nach Auffassung von Eintracht Frankfurt das rechtsstaatlich Bedenkliche an dem Vorgehen der Sicherheitsträger. Die gestrigen Maßnahmen dienten nicht der Gefahrenabwehr, sondern sollten offenkundig sicherheitspolitischen Symbolcharakter entfalten und waren in diesem Sinne weder geeignet, noch erforderlich, noch verhältnismäßig. Die abwegigen Vorwürfe des Innenministers in Richtung der Verantwortungsträger von Eintracht Frankfurt, die nun zur Rechtfertigung der gestrigen polizeilichen Handelns herangezogen werden, belegen in bedrückender Weise, dass es gestern objektiv und zuvorderst nicht um Fragen der Sicherheit ging", begründet die Eintracht ihren Entschluss, die Sachlage prüfen zu lassen. 

Eintracht Frankfurt: So reagiert das Netz auf die Durchsuchungen der Polizei in der Nordwestkurve

Update, 22. Februar 2019, 10.30 Uhr: Die Frankfurter Ultras sind gestern Abend beim Zwischenrunden-Rückspiel der Europa League gegen Schachtjor Donezk noch vor der Partie mit der Polizei aneinander geraten. Die Polizei beschlagnahmte ein Banner der Eintracht-Ultras, die daraufhin die gesamte Choreo kurzfristig absagten. Im Netz ernten die Beamten für ihr Vorgehen eine Menge Kritik. Wir haben ein paar Stimmen zusammengefasst. 

Es hagelt aber nicht nur Kritik. Einige User können das Vorgehen nachvollziehen. 

Nach dem Spiel konnten sich die Fans dann aber doch freuen: Die Eintracht zieht mit einem 4:1-Sieg über Donezk in das Achtelfinale der Europa League ein. Wie sich die Adler gegen den ukrainischen Meister geschlagen haben, lesen Sie hier. 

Update, 22. Februar 2019, 9,14 Uhr:  Die Polizei nahm gestern die emotionalen Worte von Peter Fischer, dass das Stadion brennen solle, zum Anlass, den Fahnenraum im Unterrang und weitere Räumlichkeiten im Stadion zu durchforsten. Die Eintracht-Ultras fassten dies als Affront auf und werteten es als Angriff auf die autarke Fanszene.

Eintracht-Vorstand Axel Hellmann, der gestern dreimal mit dem Polizeipräsidenten telefoniert hatte, hielt die Aktion für „rechtsstaatlich bedenklich“. Er hatte für diese „drastische Maßnahme“ keinerlei Verständnis. Denn die Untersuchung fußte allein auf dem Video des Präsidenten, andere Verdachtsmomente habe es nicht gegeben. „Das war von Peter Fischer sicher keine glückliche Aussage, aber jeder weiß, dass er ein emotionaler Präsident ist. Er meinte natürlich, die Luft müsse brennen und nicht das Stadion.Es war keinesfalls ein Aufruf zur Gewalt oder ähnlichem.

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Bei Durchsuchung der Fans fand Polizei weder Pyros noch Waffen noch Schlagutensilien

Allerdings sind die Eintracht-Fans nicht gerade als Kinder von Traurigkeit bekannt. Ohnehin sind die Anhänger wegen Verfehlungen aus der Vergangenheit auf Bewährung unterwegs – und stehen unter besonderer Beobachtung der Uefa. Die Durchsuchung hatte eine Stunde gedauert und kein Ergebnis zutage gefördert: weder Pyros noch Waffen oder Schlagutensilien.

Die Ultras reagierten prompt und fertigten auf die Schnelle ein Transparent, auf dem der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) heftigst attackiert wurde („Beuth, der Ficker fickt zurück“). Dieses Transparent hatte die Polizei, auch unter Schlagstockeinsatz, entfernen lassen. Für die Hardcore-Fans war damit klar, dass sie sich das nicht gefallen lassen würden. Die Choreographie fiel aus, so aufwendig sie auch im Vorfeld organisiert worden war. 72 Stunden werkelten die Anhänger und Helfer an der Show vor dem Anpfiff. Statt der Choreographie stimmte die Kurve lautstarke Gesänge an.

Minuten vor dem Spielbeginn kam es tumultartigen Szenen auf den Tribünen, Sitzschalen wurden herausgerissen, Fähnchen und Papierschnitzel wurden eingesammelt und in den Innenraum geworfen. Die Stimmung drohte zu kippen. Axel Hellmann war „sehr angefasst. Meine starke Fußballfeststimmung hat sich verflüchtigt. Das ist sehr bedauerlich. Ich hätte mir gewünscht, dass vorher mit uns darüber gesprochen worden wäre, zumal wir keinerlei Erkenntnisse hatten, dass Pyro bei diesem Spiel eine Rolle spielen sollte.“

Update 21. Februar 2019, 20.45 Uhr: Durch die Aussage von Peter Fischer im Bezug auf das heutige Spiel gegen Donezk ("Das Stadion muss brennen - und wenn ich sage, dass das Stadion morgen brennt, dann brennt das morgen! Und zwar so, dass ihr kaputt geht, weil ihr viel zu viel Licht habt - und deshalb könnte das Spiel vielleicht ein bisschen neblig für euch werden.") kam es zu massiven Kontrollen durch die Polizei. Die Fertigstellung der Choreo wurde durch diese polizeilichen Maßnahmen behindert. Daraufhin entschlossen sich die Organisatoren dazu, die komplette Choreo abzusagen. Die Vereinsführung kritisierte die massiven Kontrollen der Polizei.

Zum Thema: Europa League: Eintracht Frankfurt nach 24 Jahren wieder im Achtelfinale - 4:1 gegen Donezk

Frankfurt -  Schon bevor das erste Mal der Ball gekickt wurde, flogen beim Europa-League-Spiel von Eintracht Frankfurt gegen Schachtjor Donezk die Fäuste. Es kam zu mehreren gewalttätigen Zwischenfällen.

Banner der Eintracht-Ultras sorgt für mächtig Ärger

Im Stadion sorgte ein Banner der Eintracht-Ultras für Ärger auf dem stand: „Aufenthaltsverbot für Beuth“. Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) hatte sich in der Vergangenheit immer wieder wehement gegen Pyrotechnik geäußert und damit die Wut einiger Fußballfans auf sich gezogen. Als Reaktion auf die Sicherstellung eines Banners durch die Polizei haben die Frankfurter Ultras die aufwendig geplante Choreo im ganzen Stadion abgebaut. 

„Als Reaktion auf die Sicherstellung eines strafrechtlich relevanten Banners begannen Fans der SGE eigenständig und ohne unsere Veranlassung das gesamte Choreo-Material abzureißen und in den Innenraum zu werfen", teilte die Polizei Frankfurt in einem Tweet mit. Bereits am Nachmittag soll eine 15-köpfige Gruppe teilweise vermummter Peronen laut Polizei drei Fans aus der Ukraine überfallen und ausgeraubt haben. 

Europa-League-Spiel von Eintracht Frankfurt: Fans bauen Choreo ab

Es soll sich laut Polizei bei den Angreifern mutmaßlich um Eintracht-Fans handeln. Einer der Gästefans soll dabei so heftig ins Gesicht geschlagen worden sein, dass er in ein Krankenhaus gebracht werden musste. Einem anderen wurde Bargeld gestohlen. Die Gruppe ist flüchtig. Bei einer Kontrolle im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen wurde bei drei Eintracht-Fans eine geringe Menge an Betäubungsmitteln gefunden. Außerdem hätten Beamte laut der Polizei einen Schlagring und ein Messer gefunden. Die drei Männer wurden verhaftet und müssen voraussichtlich bis zum Ende des Spiels in Polizeigewahrsam bleiben.

Augenzeugen berichten, dass die Eintracht Ultras die für das Spiel geplante Choreografie wieder abgebaut hätten. Es herrsche eine "gespenstische Stimmung" im Stadion. 

msb/smr/joy

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