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Filip Kostic (Frankfurt) jubelt nach dem Tor zum 1:0 durch Danny da Costa (Frankfurt)

2:1 im Auswärtsspiel

Eintracht Frankfurt siegt grandios gegen Bayer Leverkusen

Mit dem 2:1 (1:0) gegen Bayer Leverkusen festigt die Frankfurter Eintracht Platz fünf in der Tabelle der Fußball-Bundesliga.

Es lief schon längst die vierminütige Nachspielzeit, als Kevin Volland den Ausgleich zum 2:2 auf dem Fuß hatte. Eigentlich lässt sich der frühere Nationalspieler solch eine Gelegenheit nicht entgehen, gerade gegen Eintracht Frankfurt pflegt der Leverkusener Stürmer gerne zu treffen. Doch er hatte da, Sekunden vor dem Ende, die Rechnung ohne Kevin Trapp gemacht: Wie ein Panther schnellte der Torwart der Eintracht auf den Ball zu, reaktionsschnell warf er sich in den Schuss und wehrte ihn tatsächlich noch ab. Kurz darauf war eine unglaublich packende, hochinteressante Partie zu Ende: Eintracht Frankfurt hatte Bayer Leverkusen mit 2:1 (1:0) in die Knie gezwungen. „Es war ein absolut tolles Fußballspiel“, resümierte Eintracht-Trainer Adi Hütter hinterher. Und hatte absolut Recht.

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Ausgerechnet der Frankfurter Schlussmann avancierte in einem faszinierenden Spiel zum entscheidenden Mann. Ein Torwart, der den Unterschied machte in einem Spiel, das hin und her wogte und gut und gerne auch 5:3 oder 6:4 hätte ausgehen können – und keiner hätte sich gewundert. „Das Spiel stand immer Spitz auf Knopf“, ließ sich hinterher Eintracht-Sportvorstand vor den Kameras von Sky aus. „Wir haben unheimlich viel Mentalität gezeigt.“

Eintracht Frankfurt gegen Bayer Leverkusen: Ein offener Schlagabtausch

Es war ein Spiel, das man lange nicht mehr im Stadtwald gesehen hatte, ein offener Schlagabtausch zwischen zwei Mannschaften, die mit offenem Visier kämpften. Es war genau das Offensivspektakel, das sich alle von dieser Partie erhofft hatten. Abwarten? Abtasten? Verhalten? Nichts da. Von der ersten Minute an gab es für beide Teams nur eine Richtung: nach vorne, dort, wo des Gegners Tor steht. Beide Mannschaften suchten von Anfang an ihr Heil in bedingungsloser Offensive, Angriff ist die beste Verteidigung – nach diesem Motto verfuhren beide Mannschaften, und heraus kam ein feines Offensivspektakel. 

Eintracht Frankfurt siegt gegen Bayer Leverkusen

Es war die reine Lust, diesen beiden Teams bei der Arbeit zuzusehen, eine Demonstration mutigen, attraktiven Fußballs. Dass beide Clubs noch am Donnerstag international unterwegs gewesen waren, fiel überhaupt nicht ins Gewicht – es wurde von Anfang an Vollgas gegeben. Vor allem die Hessen attackierten ständig, gingen immer wieder vorne drauf, ließen den Leverkusenern keine Sekunde Ruhe. „Heute haben wir ein super Spiel gemacht“, fand auch der kleine Mijat Gacinovic Gefallen an den 90 Minuten Powerfußball. „Wir haben so gespielt wie wir auch in Zukunft spielen müssen. Dann können wir jeden schlagen.“ Am Mittwoch reisen die Frankfurter, mittlerweile mit drei Punkten Vorsprung auf Platz fünf gelistet, nach Mainz, am Samstag kommt der FC Bayern München ins Stadion.

Bayer-Leverkusen-Trainer Heiko Herrlich macht Komplimente

Eines der größten Komplimente zollte ausgerechnet Bayer-Trainer Heiko Herrlich. „Wir haben gegen eine Topmannschaft gespielt, die gefühlt ihre beste Saison seit Jahren spielt.“ Auch er sprach wie Hütter von einem gerechten Ergebnis. „Die Frankfurter waren einen Tick aggressiver als wir.“

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Es war noch keine Minute gespielt, da hatten die Frankfurter Anhänger schon den Torschrei auf den Lippen. Ante Rebic, brillant von dem früh verwarnten Jetro Willems auf die Reise geschickt, stand zentral vor dem Tor, das vom ehemaligen Frankfurter Lukas Hradecky gehütete wurde. Doch der Kroate konnte sich nicht zu einem Schuss entscheiden, er wollte Sebastien Haller in Szene setzte, doch seine Hereingabe wurde abgeblockt. Es war der Auftakt zu einem spielerischen Feuerwerk. Dass es nach 45 Minuten lediglich 1:0 für die Eintracht stand, war eigentlich ein Witz, 4:2 oder 5:3 wäre das angemessenere Ergebnis gewesen. Weil beide Mannschaften nur den Vorwärtsgang kannten, gab es natürlich auch große Lücken in der Defensive.

Torchancen im Minutentakt

Praktisch im Minutentakt gab es Torchancen auf beiden Seiten. Die Eintracht hatte mehr vom Spiel, war die Mannschaft mit mehr Ballbesitz, Bayer Leverkusen agierte einen Tick defensiver und lauerte immer wieder auf Konter. Allein Julian Brandt scheiterte mit seinen Versuchen (15. und 18.) jeweils an Kevin Trapp. Dazu wurde ein Treffer von Karim Bellarabi (19.) nach Videobeweis wegen Abseits von Aleksandar Dragovic zu Recht nicht gegeben. Auf der anderen Seite hätten der dieses Mal auch offensiv starke Gelson Fernandes (12.) treffen können oder Haller (21.). Der Führungstreffer von Danny da Costa, bei Bayer Leverkusen fußballerisch groß geworden, stand sinnbildlich für das spielerische Potenzial der Hessen. Über acht Stationen lief der Ball, ehe der Rechtsverteidiger die Kugel nach Vorarbeit von Willems und Filip Kostic über die Linie drückte. Und der überragende Kostic war es auch, der nach 57 Minuten nach Vorarbeit von Haller das 2:0 besorgte.

Im Grunde mussten sich die Frankfurter nur vorwerfen lassen, nicht noch das dritte und damit beruhigende Tor erzielt zu haben. Möglichkeiten dazu hatten sie in Hülle und Fülle, vor allem Ante Rebic ließ für einen Stürmer seiner Klasse zu viele Gelegenheiten aus. Und deshalb geriet der Sieg nach dem Anschlusstreffer von Karim Bellarabi (65.) am Ende, als Herrlich seine komplette Offensivabteilung aufs Feld schickte, noch mal ins Wanken.

Für Danny de Costa war das Spiel gegen Lazio Rom eine Initialzündung

Die Eintracht hat mit diesem Sieg auch ihr kleine Delle ausgebeult. Dabei spielte der Erfolg im eigentlich unwichtigen Spiel am Donnerstag bei Lazio Rom eine große Rolle. „Das war eine Initialzündung“, sagte Danny da Costa, „diesen Schwung haben wir mitgenommen, dieser Sieg nach einem Rückstand hat uns gut getan“. Und jetzt sieht der Rechtsverteidiger auch den beiden letzten Partien „sehr optimistisch“ entgegen. „Wir haben eine sehr gute Mannschaft und sehr viel Qualität.“ Vor allem nach vorne. Und hinten steht im Ernstfall halt noch Kevin Trapp.

Kostic kämpft, läuft und wird zum Mann des Spiels

Der Mann des Spiels machte sich rar nach seinem Parforceritt. In der Mixed Zone, dort, wo Spieler auf Journalisten treffen, tauchte Filip Kostic nicht auf am Sonntagabend nach dieser mitreißenden Partie im Stadtwald, die Eintracht Frankfurt mit 2:1 (1:0) gegen Bayer Leverkusen gewonnen hatte. Daran hatte Filip Kostic, der linke Läufer, entscheidenden Anteil. 

Und weil sich der Hauptdarsteller selbst nicht äußerte, sprachen andere über ihn. Sportdirektor Bruno Hübner etwa. „Was er für Meter gemacht hat, das ist unglaublich“, sagte er anerkennend. „Er bringt so viel Herzblut ins Spiel.“ Und gleichzeitig lobte der Manager auch Kostics Pendant Danny da Costa auf der anderen Seite. „Das brauchst du in der Bundesliga, dass sie Druck machen.“ Die Flügelzange der Eintracht hat den Weg zu diesem Dreier geebnet. Da gibt es keinen Zweifel. Das dynamische Duo auf den Flanken hat die Leverkusener ausgehebelt und letztlich zu Fall gebracht. Beide trugen sich zudem in die Torschützenliste ein. Zufall? Eher nicht. Filip Kostic stach noch ein bisschen mehr heraus, es war, wie Trainer Adi Hütter fand, „beeindruckend“, wie er die linke Seite beackert hatte. „Er hat ein tolles Spiel gemacht.“ 

Der Serbe war es, der den Führungstreffer mit einer präzisen Hereingabe vorbereitet hatte, 28 Minuten waren da gespielt, er hätte auch selbst schießen können mit seinem starken linken Fuß, doch er nahm den Kopf hoch, sah Danny da Costa im Fünfmeterraum stehen und servierte butterweich, 1:0. Ein wunderbarer Treffer, uneigennützig obendrein. Es war bereits seine fünfte Vorlage in der Bundesliga. Und in der zweiten Hälfte sorgte der 26-Jährige für die Vorentscheidung, als er ein Zuspiel von Sebastien Haller über die Linie drückte (57.). Sein dritter Pflichtspieltreffer für die Eintracht, aber sein erster in der Bundesliga. Es ist vor allem seine rasante Spielweise, die ihn auszeichnet, er paart Dynamik und Tempo, Willen und Durchsetzungsvermögen – das macht ihn so wertvoll für die Mannschaft. Er hat, im Vergleich zu seinen Stationen in Hamburg und Stuttgart, eine Wandlung vollzogen, die fast schon unbeschreiblich ist. 

Nach der Partie wurde der Nationalspieler völlig zu Recht mit Lob überschüttet. Sportvorstand Fredi Bobic geriet, wie zuvor schon Manager Hübner, ins Schwärmen: „Er war überragend. Was er Woche für Woche auf der Seite abliefert, ist unfassbar. Das ist wirklich ganz großer Sport.“ 

Einer, der ebenfalls bisher glänzte, schaute gestern zu: der als bester Fußballer Asiens ausgezeichnete Routinier Makoto Hasebe. Er hat seinen Vertrag um ein Jahr verlängert. Ein wichtiges Signal. Der 34-Jährige ist in der Form der letzten Monate nicht zu ersetzen, er ist das Herz und die Seele des Eintracht-Spiels. „Er ist nicht nur als Spieler, sondern auch als Typ für die Mannschaft sehr wichtig. Makoto ist das, was ich als einen Musterprofi bezeichnen würde“, so Bobic. Hasebe wird wegen eines Muskelfaserrisses im Oberschenkel in diesem Jahr allerdings nicht mehr für die Eintracht auflaufen können. Die Verletzung zog er sich in Rom zu. „Ich bin froh, wenn er in der Vorbereitung wieder dabei sein kann“, sagte Trainer Hütter.

VON INGO DURSTEWITZ UND THOMAS KILCHENSTEIN

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