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Eintracht Frankfurt: Sebastian Rode in der Weltklasse

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Von: Ingo Durstewitz

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Mit einem famosen Anführer Sebastian Rode dreht die Eintracht das Spiel in Lissabon und zieht ins Achtelfinale der Champions League ein – Lobpreisungen von allen Seiten.

Lissabon – Eigentlich ist es nicht Markus Krösches bevorzugter Stil, einen Einzelnen herauszuheben aus einem funktionierenden Kollektiv. Gehört sich nicht. „Das mache ich nur sehr selten“, betonte der Sportvorstand der Frankfurter Eintracht nach dem unerbittlich erkämpften 2:1-Erfolg in Lissabon bei Sporting und der damit verbundenen Qualifikation fürs Achtelfinale der Champions League. „Aber dieses Mal muss ich es tun.“ Es ging, das war sofort jedem so klar wie ein Bergkristall, um Sebastian Rode, den Seppl aus Südhessen, den Kapitän und Anführer, ohne den Eintracht Frankfurt mit ziemlicher Sicherheit nicht in die K.o.-Phase der Königsklasse eingezogen wäre.

Eintracht Frankfurt: Rode für Krösche „der Schlüsselspieler“

„Er war der Schlüsselspieler“, sagte der Manager. „Unser Motor, der Schlüssel zum Sieg.“ Großes Lob, das mehr als berechtigt ist. Sebastian Rode war an diesem ersten Novemberabend in Lissabon der Unterschiedsspieler, der Gamechanger. Es gibt keine Preisung, die der bescheidene Kerl aus Alsbach-Hähnlein nicht verdient hätte, keine Eloge kann zu kitschig, schwülstig oder übertrieben sein.

Das ließ sich auch deshalb ganz gut bewerten, weil Rode, inzwischen auch schon 32 Jahre alt und noch immer mit diesem Lausbub-Grinsen unterwegs, in Portugal in den ersten 45 Minuten auf der Bank saß, zur Untätigkeit verdammt, in jenen 45 Minuten, in denen die Eintracht fast alles verspielte, 0:1 zurücklag und nach denen sie in Gruppe D auf einmal auf Platz vier rangierte, am Ende des Klassements. Es hätte das Aus bedeutet. Für Trainer Oliver Glasner war klar, dass er reagieren musste, gut für ihn, den Luxus zu haben, sogar mit dem stillen Leitwolf des Teams nachlegen zu können.

Beifall für die Fans, den er selbst verdient hat: Sebastian Rode.
Beifall für die Fans, den er selbst verdient hat: Sebastian Rode. © IMAGO/HMB-Media

Eintracht Frankfurts Rode bekommt „Man of the Match“-Auszeichnung

Der Mittelfeldspieler kommt also hinein ins Spiel – und verändert es in seiner gesamten Struktur, Statik und Dynamik, er zieht es durch seine bloße Präsenz auf ein anderes, ungleich höheres Level. Und zwar mit seiner ureigenen Art, Fußball zu spielen, furchtlos, draufgängerisch, wild entschlossen. „Es war wichtig, Erfahrung reinzubringen und auch mal ein Zeichen zu setzen auf dem Platz“, fasste er selbst seinen 45-minütigen Aufritt zusammen, nach dem er von der Uefa zum „Man of the Match“ gekürt wurde.

Das ist natürlich die einzig richtige Entscheidung gewesen, verwundert aber insofern, da die Delegierten nicht selten mit ihrer Wahl völlig danebenliegen – und einen zur Halbzeit eingewechselten Mittelfeldmann ohne Tor oder Torbeteiligung diese Auszeichnung zukommen zu lassen, hätte ihnen nicht jeder zugetraut.

Rode aber hat in diesem zweiten Spielabschnitt mehr Zweikämpfe gewonnen als alle anderen Spieler auf dem Feld in 90 Minuten. Es war schlichtweg eine überragende, famose, furiose Vorstellung, ja eine Weltklasseleistung, die das Powerbündel da auf den Rasen warf. Eine Darbietung zum Niederknien. Das vielleicht beste Spiel seiner Karriere, auf jeden Fall aber seine nachhaltigste Leistung.

Rode ist Eintracht Frankfurts Leader von der Bank

„Er führt, er ist der Leader“, urteilt Vorstandssprecher Axel Hellmann. „Er hat das Ding gedreht.“ Auch die Mitspieler waren beeindruckt, fast schon ehrfürchtig bewerteten sie das Auftreten ihres Kapitäns. Mario Götze etwa, der ja auch schon ein bisschen was erlebt hat im Fußballzirkus, konnte seine Hochachtung nicht verbergen. „Mit ihm kam ein neuer Impuls, er ist vorangegangen, war ein ganz wichtiger Faktor. Er hat den Unterschied gemacht.“ In diese Kerbe schlug auch Kevin Trapp, der die Mannschaft als Spielführer aufs Feld leitete, im zweiten Durchgang die Binde an Rode abtrat: „Er ist der Kopf der Mannschaft und hat unglaublich viel Stabilität reingebracht.“

Mit Rode sind die Mitspieler besser geworden, an ihm konnten sie sich orientieren und aufrichten, er hat sie mitgerissen, weil er nicht locker ließ, weil er vorne und hinten war, die Portugiesen hart und unerbittlich attackierte, sie piesackte, ihnen einfach keine Ruhe und keine Zeit zum Durchschnaufen ließ. Der Spieler selbst wusste schon, dass er eine außerordentliche Performance hingelegt hatte, aber Sebastian Rode wäre nicht Sebastian Rode, wenn er das groß herausstellen würde. „Ganz okay.“ Und: „In Ordnung.“ So lautete sein eigenes Urteil. Drollig.

Vorige Stationen haben Eintracht Frankfurt-Kapitän Rode besser gemacht

Der Routinier, immer mal wieder durch zwei vorgeschädigten Kniegelenke ausgebremst, zeigte schon in den vergangenen Spielen seinen herausragenden Wert für die Mannschaft, er ist in der Form seines Lebens, weil er seinen Behauptungswillen und den Wagemut mit spielerischer Klasse und Antizipation paart. Es ist kein Zufall, dass er mal bei den Bayern und in Dortmund spielte und dort zu einem besseren Spieler reifte, einem viel besseren.

Rode, einst von Eintracht-Ikone Bernd Hölzenbein bei Kickers Offenbach entdeckt und von Heribert Bruchhagen für 300 000 Euro unter Vertrag genommen, fühlt sich derzeit fit, die Knie halten, und auch deshalb hätte er sich schon gewünscht, in diesen großen Champions-League-Duellen in der Startelf zu stehen und die Mannschaft anführen zu dürfen. Doch gegen Marseille und nun in Lissabon nahm der heimatverbundene Spieler auf der Bank Platz. Sauer ist er deshalb nicht, man müsse ja auch immer schauen, dass die Belastung vernünftig gesteuert wird und er seinem Körper nicht zu viel zumutet. „Ich glaube, wir haben einen ganz guten Kompromiss gefunden.“

Eintracht Frankfurts Rode bekommt nicht nur Lob für seine sportliche Leistung

Für den Familienvater, der nach seiner aktiven Karriere ganz sicher in den Klub eingebaut wird, ist es ein Fest, mit seinem Herzensverein die europäische Spitze aufzumischen. „Da fehlen einmal schon manchmal die Worte“, sagt er. „Die Reise geht weiter, der Weg soll noch nicht zu Ende sein.“ Doch auch er weiß: Ab jetzt warten „ganz andere Kaliber, nur noch Weltstars“.

Einer übrigens freute sich ganz besonders über den Parforceritt seines einstigen Schützlings: Heribert Bruchhagen, der mit seiner Gattin Angelika auf Einladung der Eintracht in Portugal weilte. „Einen solch tollen und charakterstarken Spieler wie Sebastian habe ich ganz selten erlebt“, befand der Ex-Vorstandschef. Noch so ein dickes Lob aus berufenem Munde für Seppl Rode, die Ausnahmeerscheinung im Profigeschäft. (Ingo Durstewitz)

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