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Daichi Kamada bejubelt seinen Siegtreffer.

Eintracht Frankfurt

Daichi Kamadas Sternstunde in Europa

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Der japanische Doppeltorschütze Daichi Kamada wird zum Frankfurter Helden von London und für manch einen gar zum Brasilianer. Trainer Adi Hütter findet: „Er hat sich ein Extralob verdient“.

London - Goncalo Paciencia wusste genau, bei welchem Kollegen er sich zu bedanken hatte und teilte das noch im Mannschaftsbus auf dem Weg ins Hotel seiner Fangemeinde mit: bei Kamadinho. Bitte, wer? Natürlich hat Eintracht Frankfurt nicht neuerdings auf dem Transfermarkt zugeschlagen, auch lässt es sich recht leicht erahnen, wen der Portugiese nach dem 2:1-Überraschungscoup von Eintracht Frankfurt in der Europa League beim FC Arsenal gemeint haben wird. Es war ganz offensichtlich der am Donnerstagabend wie ein Brasilianer aufspielenden Japaner der Hessen, Daichi Kamada. „Besser als Sushi“, schob Paciencia in den sozialen Netzwerken prompt noch eine zweite Ehrerweisung für den Spieler des Spiels hinterher.

Zwei Treffer erzielte Kamada im Norden von London gegen den weltweit bekanntesten Klub der Millionenmetropole, zwei Treffer, die ihm seine Mitspieler, die Fans, der Trainer, die Vorstände der Frankfurter allesamt von Herzen gönnten. Er habe sich für die Leistung ein „Extralob“ verdient, fand zum Beispiel Trainer Adi Hütter. „Das ist vielleicht ein kleiner Brustlöser für ihn. Der Junge hat so viel Qualität – das ist ein Wahnsinn“, ergänzte Sportvorstand Fredi Bobic. Und Kamadas japanischer Landsmann Makoto Hasebe brachte es mit nur drei Worten so ziemlich auf den Punkt: „Einfach ein Kompliment.“

Eintracht Frankfurt: Daichi Kamada und die Torabschlüsse

Und was sagte Daichi Kamada selbst zu seiner Sternstunde im Europapokal, zu seinen ersten beiden Treffern in diesem Wettbewerb überhaupt? Gar nichts. Er musste direkt nach der Partie zur Dopingprobe, die Kontrolleure hatten sich rein zufällig den besten Frankfurter Feldspieler herausgepickt an diesem für die Hessen so wechselhaften Abend. Also berichtete stattdessen Abwehrchef Hasebe, der in der Freizeit viel mit dem offensiven Mittelfeldmann unternimmt, sich mit ihm in Frankfurt zum Essen trifft, ihn daheim besucht und umgekehrt, von „vielen, vielen Gesprächen“, die er mit dem vierfachen japanischen Nationalspieler in den vergangenen Wochen und Monaten geführt habe.

Oft sei es dabei ums identische Thema gegangen, die Torabschlüsse, und vor allem, wie diese am besten im Tor landen. Nach seiner Rückkehr aus Belgien, wohin Kamada vergangene Saison von der Eintracht an VV St. Truiden ausgeliehen war, er dort gut ablieferte und daher in diesem Sommer eine zweite Chance beim Bundesligisten bekam, verpasste er trotz ordentlicher Leistungen doch einige beste Torgelegenheiten. 

Daichi Kamada: Der Knoten scheint geplatzt

Klar, er kam zwar in gefährliche Abschlusssituationen, ein großes Plus, verwandelte sie aber nicht, ein noch größeres Minus. Erst einmal im DFB-Pokal bei Waldhof Mannheim trug er sich in die Liste der Torschützen ein. „Er hat aber in den Gesprächen zu mir gesagt“, so Hasebe, „dass nach seinem ersten Tor auch schnell das zweite folgen wird.“ Gesagt, getan. Der Knoten scheint geplatzt.

In London stand Kamada anstelle des verletzt in Frankfurt gebliebenen Sebastian Rode in der Startelf, er hatte von Coach Hütter den Vorzug vor dem defensiver ausgerichteten Dominik Kohr erhalten. Und belohnte das Vertrauen seines Trainers. Zwar tauchte auch der 23-Jährige in der insgesamt desaströsen ersten Hälfte der Eintracht weitestgehend ab, konnte offensiv keine entscheidenden Akzente setzen, in Hälfte zwei aber prägte er die Partie. 

Daichi Kamada: Zwei Schüsse, zwei Tore

53-mal war Kamada insgesamt am Ball, er brachte 79 Prozent seiner Pässe zu Mitspielern und schoss zweimal aufs Tor – eine perfekte Ausbeute. Beim ersten Versuch gelang ihm der Ausgleich mit einem satten, ideal platzierten Linksschuss ins lange Eck (55.), beim zweiten der 2:1-Siegtreffer mit rechts (64.) in Anschluss an eine Ecke von der Strafraumkante.

Der zurückhaltende, junge Mann aus dem japanischen Ehime wusste erst gar nicht so recht, wohin mit seiner Begeisterung. Er schaute sich kurz um, suchte die jubelerprobten Mitspieler, wartete auf sie und sprang dann die Fäuste geballt in die Luft. Ob nun Hasebe, Paciencia oder auch Danny da Costa, die Frankfurter Spieler rauften Kamada durchs Haar und dessen Topfschnitt und schüttelten parallel ungläubig die eigenen Köpfe. „Man hat ja in dieser Saison mit ihm gefühlt“, sagte da Costa stellvertretend, „er hat sich super entwickelt und tut der Mannschaft ungemein gut.“

Wenngleich Daichi Kamada nach seiner Galavorstellung nicht mit den Reportern reden konnte, sendete er in der Nacht noch zwei Statements in die Welt des Internets hinaus: Zum einen schrieb er an seine Fangemeinde das Wörtchen „endlich“, zum anderen bremste er seinen Kumpel Paciencia ein wenig aus: „Zu 100 Prozent ist Sushi besser als Kamada.“

Kamadinho allerdings ließ er unkommentiert, klingt ja eigentlich auch recht nett.

Von Daniel Schmitt

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