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Das Rezept für eine Spitzen-Eintracht: Adi Hütter (rechts) gibt Luka Jovic und Co. die richtigen Vorgaben mit auf den Erfolgsweg

Erfolgsgeheimnisse

Mit dieser Taktik hat Adi Hütter seine Frankfurter zu einem Spitzenteam entwickelt

Die richtigen Profis, die richtige Taktik: Wie Eintracht Frankfurt unter Trainer Adi Hütter spielt – und warum sie so erfolgreich ist.

Frankfurt - Bei Eintracht Frankfurt scheint dieser Tage nichts unmöglich. Seit Monaten geht es für den Fußball-Bundesligisten gefühlt nur noch in eine Richtung: nach oben. Heute erreicht er auf sage und schreibe 8500 Metern den vorläufigen Höhepunkt. Dort, hoch droben im Himmel, wird Sportvorstand Fredi Bobic während eines Parabelfluges Sebastien Haller einen Ball zupassen, den der Stürmer in kurzzeitiger Schwerelosigkeit im Tor versenken soll. Kevin Trapp jedenfalls ist sich sicher, dass das Vorhaben glücken wird, schließlich, so der Stammkeeper, stehe er ja nicht im Kasten. Eintracht Frankfurt, ein Verein ohne Limit. Zumindest, was die Marketingaktionen betrifft.

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Ein bisschen geerdeter lässt sich die Frankfurter Entwicklung aber ähnlich euphorisch bewerten: „Wir sind ein Spitzenteam geworden“, sagte jüngst Trainer Adi Hütter. Die Fakten sprechen für sich: 46 Punkte in der Liga, Platz fünf, Kontakt zu den Champions-League-Rängen. Dazu als einziger deutscher Club noch international vertreten, im Viertelfinale der Europa League. Doch warum sind die Frankfurter eigentlich so gut, warum sind sie in diesem Jahr fußballerisch noch besser geworden als in der auch schon guten Hinrunde? 

Eintracht Frankfurt: Adi Hütter verfeinert besondere Taktik seit Trainingslager im Winter immer weiter

Klar, da sind Individualisten wie Luka Jovic oder Sebastien Haller, Mentalitätsspieler wie Gelson Fernandes oder Ante Rebic, die starken Winterzugänge Sebastian Rode und Martin Hinteregger. Und so weiter und so fort. Nicht zuletzt ist da aber eine Taktik, die Coach Hütter ab dem Januar-Trainingslager in Florida stetig verfeinerte, und die besser kaum aufgehen könnte.

Pfeifen die Schiedsrichter an, reihen sich die Eintracht-Profis meist im 3-5-2-System auf. Die Abwehrkette, zwei Außenbahnflitzer, drei Mittelfeldspieler im Zentrum, zwei echte Spitzen. Lange hält diese Grundformation aber nicht an. Sind die Hessen im Ballbesitz, wird die Anordnung sofort verändert. Erst rutschen die beiden Innenverteidiger an die Seitenlinie. Makoto Hasebe wird im Idealfall von Torhüter Trapp der Ball zugespielt. Zudem lässt sich ein defensiver Mittelfeldspieler, meist Rode, an seine Seite zurückfallen, um mit Hasebe das Spiel nach vorne zu bringen.

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Daraus resultieren viele neue Varianten für die Offensivkräfte: Stehen die Innenverteidiger an der Seitenauslinie, sind die Flügelspieler Danny da Costa, rechts, und Filip Kostic, links, abgesichert. Sie müssen sich nur noch bedingt um ihre Defensivarbeit sorgen und können sehr weit selbst nach vorne marschieren – ein wesentliches Merkmal des Hütterschen Systems.

Da Costa und Kostic positionieren sich bei eigenem Ballbesitz fast auf identischer Linie zu den eigenen Angreifern in der Mitte. Dazu stößt immer wieder der offensive Mittelfeldspieler, zuletzt häufig Mijat Gacinovic, in die Spitze. So greift die Eintracht mit fünf Spielern an. Mutig, aber eben eine Variante, die fast immer eine Überzahl gegen die meist mit vier Verteidigern agierenden Gegner garantiert.

Die Offensivmaschinerie der Frankfurter Eintracht läuft heiß

Da die gegnerischen Verteidiger sich häufig erst einmal in die Mitte orientieren und dort die Sturmspitzen abdecken wollen, werden die aufgerückten Außenbahnflitzer Kostic und da Costa am langen Pfosten schlicht vergessen. Kostic etwa schoss so das 2:1 im Europa-League-Hinspiel gegen Donezk.

Funktioniert dieses Hauptangriffsmittel nicht, werden die Seiten gut abgeschirmt, geht es halt durch die Mitte. Spielten die Verteidiger in der Hinrunde ihre Angreifer noch (zu) häufig mit hohen Bällen an, sind die guten Fußballer Hasebe und Rode jetzt in der Lage, sie mit Flachpässen zu füttern. Ein Angreifer lässt sich fallen, nimmt dann den Ball an und dreht sich oder lässt ihn auf nachrückende Mittelfeldkollegen zurückprallen. Die Offensivmaschinerie läuft heiß.

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Nun sind die Frankfurter in den vergangenen Partien (1:0 gegen Nürnberg, 1:0 und 0:0 gegen Inter Mailand, 3:0 in Düsseldorf) nicht nur durchs Toreschießen aufgefallen, nein, in den 13 Partien dieses Jahres stand hinten sechsmal die Null. Warum? Weil sie die Kontrahenten so einschnüren, dass diese kaum ans Offensivspiel denken können. Aber auch, weil für Hütter das Rückzugsverhalten ebenso wichtig ist wie das Aufbauspiel.

Verliert eine Offensivkraft den Ball, schlägt die Stunde der ekligen Balleroberer. Eklig deshalb, weil Profis wie Gacinovic, Rode und Fernandes sofort im Vollsprint den ballführenden Gegner attackieren. Dazu rücken die offensiven Flügelspieler 15, 20 Meter zurück, die defensiven Außen verlassen den Seitenstreifen und ordnen sich an Hasebes Seite ein. Der wiederum all seine Erfahrung ausspielt bei dieser taktischen Ausrichtung unvermeidliche Lücken füllt. Und sollte all das nicht funktionieren, ist ja noch Kevin Trapp da. Jener Mann zwischen den Frankfurter Pfosten, den Vorstand Bobic und Stürmer Haller bei ihrem Torschuss in der Schwerelosigkeit glücklicherweise nicht überwinden müssen, und der in vergangenen sechs Spielen fünfmal eine weiße Weste behielt.

Von Daniel Schmitt

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