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Die Eintracht tat sich lange schwer mit den Mannheimern. Am Ende setzte sich die SGE dann aber doch durch (hier Makoto Hasebe, rechts und Filip Kostic gegen Gian-Luca Korte).

DFB-Pokal

Durm und Rebic überragen beim „Superpokalspiel“ in Mannheim

Eintracht Frankfurt wird erst von Waldhof Mannheim überrumpelt, schlägt beim 5:3-Erfolg im Pokal aber erfolgreich zurück.

Es hatte durchaus etwas Gutes, dass lange auch in Mannheim die Sonne schien. Es war warm, fast heiß, 26, 27 Grad, und bei solchen Temperaturen unterbrechen Schiedsrichter Fußballspiele schon mal für eine zweiminütige Trinkpause. Für Eintracht Frankfurt, den turmhohen Favoriten im Pokalspiel gegen den Drittligisten SV Waldhof Mannheim, war die Spielunterbrechung Gold wert, vermutlich sogar spielentscheidend. Denn Trainer Adi Hütter konnte endlich eingreifen, konnte reagieren, konnte Dinge zurechtrücken, konnte laut werden.

Und das war dringend geboten - die Hessen lagen zu diesem Zeitpunkt, knapp 30 Minuten waren gespielt, mit 1:2 hinten, vieles sah nach einer erneuten Blamage in der ersten Hauptrunde aus, und dem Trainer hatte, wie er hinterher gnadenlos einräumte, bis dahin „alles gefehlt“. Und zwar: Spiel mit Ball, Spiel ohne Ball, ihm missfiel „die Lässigkeit“, wie seine Profis zu Werke gegangen waren, die taktische Disziplin und die Bereitschaft hätten gefehlt, träge sei das Frankfurter Spiel gewesen, nicht synchron, auch sei man „lauffaul“ gewesen. „Vielleicht haben die Spieler im Unterbewusstsein gedacht, es ginge leichter.“

SGE-Trainer Hütter geht hart mit seinem Team ins Gericht

So hart ist Hütter mit seiner Mannschaft öffentlich noch nie ins Gericht gegangen, schonungslos sprach er die Defizite an diesem Sonntag hinterher an. Diese Generalabrechnung hat der Coach auch ganz bewusst gewählt, um allen unmittelbar vor dem Saisonstart am kommenden Wochenende die Sinne zu schärfen. Denn eines steht fest: Eintracht Frankfurt kann es sich im Heimspiel am kommenden Sonntag gegen die TSG Hoffenheim nicht leisten, mit dieser in den ersten 25 Minuten in Mannheim an den Tag gelegten Leistung in ein Spiel zu gehen. 

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Auch Makoto Hasebe, wieder einmal überragender Mann auf dem Platz, mahnte: „Wir haben viele einfache Fehler gemacht, das darf uns in der Bundesliga nicht passieren.“ Ganz offensichtlich haben die leichten Siege in der Europa League-Qualifikation gegen deutlich unterlegene Mannschaften wie Flora Tallinn und vor allem FC Vaduz die Mannschaft in dem Irrglauben gelassen, schon weiter zu sein. Die Frankfurter werden sich ganz schön steigern müssen, um gegen Hoffenheim nicht eine böse Überraschung zu erleben.

Hütter spricht vom „Superpokalspiel“, Ante Rebic mit individueller Klasse

Dass die Eintracht nach hochinteressanten 90 Minuten eines „Superpokalspiels“ (Hütter) und einem 5:3 (2:2)-Erfolg dann doch die zweite Runde erreicht hat, hatte sie der individuellen Klasse eines Ante Rebic zu verdanken, der binnen zwölf Minuten einen lupenreinen Hattrick erzielte und die Tore zum 3:3, 4:3 und 5:3 binnen zwölf Minuten erzielte. Und natürlich „den Körnern, die uns am Ende ausgegangen waren“, wie Waldhof-Trainer Bernhard Trares zu Recht sagte.

Der Drittligist hatte mehr als eine Stunde eine außerordentlich gute Leistung abgerufen, hatte spielerisch überzeugt und lag bereits nach elf Minuten durch die beiden Treffer von Valmir Sulejmani überraschend 2:0 vorne. Die Frankfurter Mannschaft, die in der vermeintlich besten Formation und erstmals wieder mit Torhüter Kevin Trapp agierte, wurde da förmlich überrannt, die Hintermannschaft, speziell David Abraham, Martin Hinteregger, aber auch Dominik Kohr, sah da nicht besonders gut aus. „50 Meter Platz“ hätten die Mannheimer gehabt, deckelte Hütter sein Team. „Kicken können die alle“, lobte Kapitän David Abraham die Mannheimer, „sie haben nicht wie eine Drittligamannschaft gespielt.“

Es waren insbesondere die beiden Japaner Hasebe und Daichi Kamada, die nach der ersten Viertelstunde und dem Schock des frühen Rückstandes, als die Frankfurter Elf nicht auf dem Platz wirkte, das Heft in die Hand nahmen. Der Routinier kurbelte von hinten an, krempelte die Ärmel auf, der feine Techniker, den Sportdirektor Bruno Hübner als „Bereicherung für unser Spiel“ adelte, erzielte bald den wichtigen Anschlusstreffer (21.), dem Filip Kostic unmittelbar vor der Pause - und nach der Standpauke - den Ausgleich folgen ließ.

Durm macht mächtig Dampf

Im zweiten Abschnitt beorderte Hütter Erik Durm anstelle des matten Danny da Costa auf die rechte Seite, und das war eine Maßnahme, die entscheidend sein sollte. Durm entpuppte sich sofort als Aktivposten und bereitete die Treffer zum 3:3 und 4:3 mustergültig vor. Die Vorstellung von da Costa, Dauerspieler auf rechts, hatte Adi Hütter zuvor überhaupt nicht gefallen: „Er war bis auf eine Szene gar nicht auf dem Platz, das war mir zu wenig.“ Der 49 Jahre alte Österreichischer hat keinen Zweifel daran gelassen, dass er angesichts des breiter gewordenen Kaders den Konkurrenzdruck erhöhen wolle - und das gilt eben auch für solch arriviertes Stammpersonal wie Danny da Costa.

Mit Durm und der klaren Ansage des Coaches waren die Frankfurter in der zweiten Halbzeit dann deutlich Herr im Haus, sie hatten Chancen en masse - und mussten doch durch einen Sonntagsschuss von Jan Hendrik Marx (72.) erneut einen Rückstand zum 2:3 hinnehmen. „Da ist mir der Atem stehengeblieben“, erzählte Hütter hinterer. Vier Minuten später schaffte Rebic, dem bis dahin so gut wie nichts gelungen war, den Ausgleich, dem er schließlich noch zwei weitere Treffer zum Happyend folgen lassen sollte. „Erst nach dem 5:3 war ich mir sicher, dass nichts mehr passiert“, sagte Hütter.

Minimalziel erfüllt, nächste Runde erreicht

Die Eintracht hat damit ihr Minimalziel erreicht. „In der ersten Pokalrunde zählt nur das Weiterkommen, und das ist uns gelungen“, sagte Sportdirektor Hübner, dem nach dem Abpfiff Steine vom Herzen gefallen sein dürften. „Anfangs haben wir alles vermissen lassen, was ein Pokalspiel verlangt.“

Am Ende hatten sich die Qualitäten des Bundesligisten gegen einen immer müder werdenden Underdog dann doch durchgesetzt. „Wir sind in einer besseren Verfassung als im letzten Jahr“, fand Kapitän Abraham. Immerhin sind die Hessen in vier Pflichtspielen ungeschlagen geblieben. Auf diesen Lorbeeren sollten sie sich freilich nicht ausruhen.

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