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Vertrautes Gespann: Eintracht-Chefscout Ben Manga (links) und Sportdirektor Bruno Hübner.

SGE

Eintracht-Chefscout Ben Manga: Deshalb ist er so unersetzlich für die Eintracht

Ben Manga hinterließ als Fußballer keine großen Spuren. Wesentlich erfolgreicher ist er als Talentspäher in Diensten der Eintracht.

Frankfurt - Mitte September 1995, Düsseldorfer Rheinstadion, 45 000 Zuschauer, zweite Runde des DFB-Pokals: Die kleine Fortuna wirft den großen FC Bayern überraschend aus dem Wettbewerb. 3:1 heißt es nach 90 Minuten, die Kahns, Klinsmanns und Rehhagels dieser Welt schauen bedröppelt drein, als kurz vor Schluss ein flinker Flügelstürmer mit einem klugen Querpass den Endstand vorbereitet.

Mehr als 23 Jahre ist das her, dass Ben Manga den Höhepunkt seiner Fußballerlaufbahn erlebte. Drei Bundesligapartien, dazu drei Pokalspiele und eines in Liga zwei – großartige Spuren hinterließ der heute 45-Jährige als Profikicker trotz des Triumphs gegen den Rekordmeister gewiss nicht. Wesentlich auffälliger sind seine Erfolge in der Karriere nach der Karriere – als Kaderplaner von Eintracht Frankfurt.

Fredi Bobic über Ben Menga: „Sehr loyal“

Seit Sommer 2016, seit Fredi Bobic bei der Eintracht als Sportvorstand das Sagen hat, arbeitet Manga für die Hessen. Er war seinem Boss aus Stuttgart nach Frankfurt gefolgt, nachdem dieser ihn 2012 bereits von der TSG Hoffenheim ins Ländle gelotst hatte. „Ich vertraue ihm. Er ist sehr loyal, auch klar in seiner Aussage“, charakterisierte Bobic gerade im ZDF-Sportstudio den Chefscout. Positive Worte, wie man sie häufig über Ben Manga hört. Trainer Adi Hütter etwa stellte kurz nach seinem Amtsantritt vergangenen Sommer erstaunt fest, dass Manga „über jeden Fußballer europaweit informiert ist“. Oder noch mal Bobic: „Er sieht Spieler fast so, wie ich sie selbst auch sehe. Das ist eine Kombination, die man selten findet.“

Jesus Vallejo, Omar Mascarell, Sebastien Haller, natürlich Luka Jovic oder vor dieser Saison Lucas Torro, Goncalo Paciencia und Evan Ndicka – viele Profis, die am raschen Aufschwung der Frankfurter in den vergangenen Jahren entscheidend beteiligt waren oder es noch sind, sind Entdeckungen von Ben Manga. Er hat sie gefunden, in den Reserveteams von großen Clubs wie Real Madrid oder Benfica Lissabon, in Holland, in der spanischen und französischen zweiten Liga. Dort, wo andere Vereine offenbar nicht so genau oder erst zu spät hingeschaut haben.

Doch gefeiert werden für die so erfolgreiche Personalpolitik – der Wert des Kaders wurde seit 2016 vervierfacht – meist andere. Die Trainer zum Beispiel, Niko Kovac und Adi Hütter, der Vorstand, Fredi Bobic und Marketingmann Axel Hellmann, auch Sportdirektor Bruno Hübner – nicht aber Ben Manga. Aus gutem Grund, denn der in Äquatorialguinea geborene und in Neuss aufgewachsene Mann mit den Rastazöpfen will das gar nicht.

Nur ganz selten lässt er sich für die Reporter sichtbar am Stadion im Stadtwald blicken, noch viel seltener spricht er mit ihnen. Mal ein kurzer Gruß im Vorbeigehen, mal ein Plausch im Trainingslager, das war’s auch schon. Die Spieler dagegen scherzen mit ihrem Entdecker auffällig ausgelassen, nehmen ihn in den Arm und ab und an – bildlich formuliert – auch auf jenen, wenn Manga mal wieder eines seiner grellbunten Shirts übergestreift hat.

Eintracht Frankfurt: „Unmenschlicher“ Zeitplan

Nur einmal in seiner Frankfurter Zeit äußerte sich der Kaderplaner öffentlich über seinen Job, mit dem er 2003 bei Alemannia Aachen erstmals in Berührung kam. „Mein Zeitplan ist eigentlich unmenschlich. Ich bin in der Woche mindestens fünfmal auf einem Sportplatz. Wer viel sieht, kann viel mitreden“, sagte er vor knapp zwei Jahren der „FAZ“. Der 45-Jährige wohnt zwar in Frankfurt, übernachtet aber häufiger in Hotels rund um den Globus. Es sei seine Aufgabe, bei Beobachtungen „kleinste Sachen“ zu erkennen, und nicht nur den dreifachen Torschützen im Blick zu haben: „Ich muss Nischen suchen.“ Also reist Manga von Stadion zu Stadion, in Deutschland, Europa, weltweit. Mal ist er in der zweiten Bundesliga beim Nachbarn in Darmstadt auf der Tribüne anzutreffen, dann jettet er nach Ecuador, um sich dort Spiele anzuschauen. Als spanischer Muttersprachler sei er da gegenüber manch anderem Scout im Vorteil. Der Rest sei „eine Mischung aus Bauchgefühl, Instinkt und Logik“.

Manga selbst findet, dass er sehr eigen ist. „Ich brauche viel Vertrauen und viel Freiheit, um Top-Arbeit abzuliefern. Wenn ich nicht das Gefühl habe, Dinge mitentwickeln zu können, bin ich irgendwann nicht mehr genießbar.“

Fredi Bobic lässt ihm diese Freiheiten. Der Sportvorstand vertraut dem Netzwerk seines Angestellten. Schlägt Manga einen Spieler als potenziellen Zugang vor, wird darüber zwar im engen Kreis, also mit Trainer, Sportdirektor und Vorstand, noch einmal diskutiert, häufig aber werden die Vorschläge abgenickt. Nicht immer liegen sie bei der Eintracht dann richtig mit ihrer Wahl, auch Flops wie Chico Geraldes oder Andersson Ordonez gehen auf Mangas Empfehlung zurück. Aber, wie das Phantom der Eintracht selbst formuliert, „unsere Quote ist schon ganz gut“.

von Daniel Schmitt

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