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Enttäuschte Mienen: In Leverkusen erleben Martin Hinteregger (von links), David Abraham, Kevin Trapp und Makoto Hasebe eine Eintracht-Demontage.

SGE

Eintracht geht auf dem Zahnfleisch - rettet sich die müde Mannschaft ins Ziel?

Der Trend spricht gegen die Eintracht - nicht nur wegen der Demontage in Leverkusen. Jetzt gilt es die Kräfte zu bündeln.

Frankfurt - Die ein wenig ins Schlingern geratene Frankfurter Eintracht macht die Schotten dicht. Das wohldosierte Training findet im Geheimen hinter Sichtschutzfolien statt, Zuschauer und Journalisten sind unerwünscht, nur noch die offiziellen Pressekonferenzen werden eingehalten. Die müden Fußballprofis sollen nicht abgelenkt werden, sondern sich sammeln und voll auf den Endspurt in der Bundesliga und das große Europa-League-Halbfinale am Donnerstag beim FC Chelsea in London fokussieren. Besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen. Heute ist frei.

Die Eintracht versucht auf den letzten Metern dieser lange so furiosen Runde alles, um die Saison zu retten, um nicht ganz am Ende noch den fast schon obligatorischen Einbruch zu erleben. Und muss jetzt ganz aktuell auch noch diese deftige 1:6-Packung von Leverkusen verdauen. Zeit dazu ist nicht viel, am Mittwoch schon hebt der Flieger von Frankfurt Richtung London ab, wo die Eintracht die große Überraschung schaffen und ins Finale von Baku einziehen will. Nach der Bundesliga-Demontage unterm Bayer-Kreuz kann man sich kaum vorstellen, dass es den Frankfurtern gelingen wird, Chelsea nach dem 1:1 im Hinspiel ernsthaft in Gefahr zu bringen. Das hat mit dem letzten Eindruck zu tun, aber auch mit der ganzen Entwicklung der vergangenen Wochen. Der Trend spricht gegen die Eintracht.

Die Mannschaft robbt auf dem Zahnfleisch in Richtung Ziellinie. "Die körperliche und geistige Frische hat gefehlt, ganz klar", sagte Trainer Adi Hütter. Von den letzten sieben Pflichtspielen hat das Team nur eines gewinnen können, 2:0 in der Europa League gegen Benfica Lissabon, in vier Bundesligapartien holte es zuletzt nur zwei Punkte. Die Ergebnisse sind kein Zufall, sie hängen mit dem Leistungsabfall der vergangenen Wochen zusammen. Dieser wiederum lässt sich mit Zahlen untermauern.

Eintracht Frankfurt: Entlarvende Zahlen

Zum Beispiel haben sich Passquoten und Ballbesitzphasen dramatisch verschlechtert. In jeder der sieben Begegnungen nach dem 2:1 bei Schalke 04, dem bislang letzten Liga-Sieg, hatte der Gegner häufiger die Kugel am Fuß. In Leverkusen kam die Eintracht gar nur auf 20 Prozent Ballbesitz.

Noch entlarvender ist die Passgenauigkeit, die in allen Spielen bei rund 65 Prozent liegt. In der erfolgreichen Phase mit sechs Bundesligasiegen in Serie lag sie oft jenseits der 75 Prozent, in Düsseldorf sogar bei 83. Diese statistischen Erhebungen decken sich mit dem Eindruck: Die Frankfurter schaffen es nicht mehr, klare Angriffe zu fahren, sie wirken hektisch und spielen unpräzise. Das liegt an einer generellen Müdigkeit und Abgeschlagenheit, was eben zu einer verminderten Konzentrationsfähigkeit und in der Folge zu Ungenauigkeiten führt.

Eintracht Frankfurt: Entscheidende Tage

Die Eintracht wird sich nun, in den letzten Wochen einer langen Saison, auf das zurückziehen, was sie stark gemacht hat. Es geht es nur noch darum, sich mit Willen und Mentalität ins Ziel zu retten - was am Ende dabei herauskommt, wird man sehen. Im zweiten Halbfinale am Donnerstag in London werden die Adlerträger sicher ein anderes Gesicht zeigen, noch einmal an die Grenze und darüber hinaus gehen. "Es liegt an uns, dort eine Sensation zu schaffen", sagt Sportvorstand Fredi Bobic. Doch an der Stamford Bridge kann man gegen Chelsea auch mit einer Topleistung ausscheiden.

Die Frage ist, wie sich die Hessen verkaufen. Das wird auch für den Schlussakkord in der Bundesliga von Bedeutung sein. Denn um sich überhaupt wieder für die Europa League zu qualifizieren, ist wohl noch ein Sieg erforderlich. Der Partie am Sonntag gegen Mainz 05 kommt Endspielcharakter zu. Es sind schwere, entscheidende Tage, und Eintracht Frankfurt scheint dafür nicht optimal gerüstet zu sein.

VON INGO DURSTEWITZ UND THOMAS KILCHENSTEIN

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