+
Hat allen Grund zum Jubel: Eintracht-Schlussmann Kevin Trapp. 

SGE

Kevin Trapp ein wichtiger Erfolgsfaktor für Eintracht Frankfurt

  • schließen

Die Rückkehr von Kevin Trapp tut Eintracht Frankfurt gleich dreifach gut - als Ballfänger, Persönlichkeit und Doppelpasspartner.

  • Kevin Trapp zeigt starke Leistungen
  • Keeper ein Erfolgsgarant für Eintracht Frankfurt
  • Fulminanter Start in die Rückrunde von Eintracht Frankfurt

Frankfurt - In dieser Saison ist Kevin Trapp zumindest in einer Kategorie bislang leer ausgegangen, im Sammeln von Scorerpunkten, was einerseits verständlich ist wie andererseits ungewöhnlich. Verständlich, weil Kevin Trapp bekanntlich das Tor des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt hütet wie seinen Augapfel, er tut das ziemlich gut, mit viel Ruhe, Abgeklärtheit und Souveränität, mit reaktionsschnellen Paraden und einem prima Stellungsspiel. Ungewöhnlich, weil der Frankfurter neben seiner Aufgabe als Torwart häufig auch noch einen weiteren Job zu verrichten hat, den eines Feldspielers: Der zupackende Mann kann erstaunlich gut mit dem Ball umgehen, er kann ihn weit und zentimetergenau nach vorne passen, mit links wie mit rechts, selbst unter Bedrängnis. Eine seiner Spezialitäten ist der gechipte Ball, der im sanften Bogen dem Mitspieler auf den Spann fällt.

Kevin Trapp hätte aber längst schon einen Scorerpunkt sicher, wenn Mijat Gacinovic nicht so hippelig vor dem Tor reagiert hätte. In Sinsheim war es, am ersten Rückrundenspieltag gegen Hoffenheim, als der schmächtige Serbe nach einem weiten und präzisen, vor allem: gewollten Schlag von Kevin Trapp alleine vor dem Tor auftauchte, dann aber wieder seinen sprichwörtlichen Zitterfuß bekam und lieber abspielte als zu schießen. Das Abspiel missriet. Der Pass des Torhüters aber hätte einen Treffer allemal verdient.

Eintracht Frankfurt: Trapp ist wichtiger Faktor

Der Frankfurter Ballfänger ist im Spiel der Hessen nach vorne ein wichtiger Faktor. Nicht viele Schlussleute gibt es in der Liga, die den Spielaufbau so entscheidend prägen wie Trapp das in Frankfurt tut. Er eröffnet das Spiel, er wird häufig von seinen Mitspielern gesucht, er verteilt die Bälle selbst unter Druck, jeder im Team weiß: Wenn sich nach vorne keine Anspielmöglichkeiten bieten, geht es allemal nach hinten zu Trapp, der richtet es schon, er verändert dann eine oft festgefahrene Spielsituation.

Eintracht trauert um Teamfotograf

Holger Sabino war eng dran an den Frankfurter Fußballern, seit knapp zwei Jahren begleitete der Hanauer den Eintracht-Tross als Teamfotograf auf den Reisen durch Europa oder auch ins Trainingslager nach Florida. In der Nacht auf Montag ist Sabino, Künstlername Holger Sà, im Alter von 51 Jahren völlig überraschend verstorben. „Holger hatte die Gabe, zuverlässig die besonderen Momente festzuhalten. Jeder verbindet mit den Bildern seine eigene emotionale Erinnerung “, sagte Eintracht-Vorstand Fredi Bobic. FR

Und Kevin Trapp wird regelmäßig als Spielpartner gesucht, in aller Regel hat er 50 bis 55 Ballkontakte, häufig mehr als ein Gros der Feldspieler. In der Bundesligapartie gegen RB Leipzig (2:0) etwa hatte nur Filip Kostic häufiger den Ball am Fuß, nämlich 55 Mal, Trapp kam auf 52 Kontakte, Timothy Chandler, der rechte Flügelmann, auf 41. Spötter sehen den 29 Jahre alten Torwart durchaus auch als Alternative im Frankfurter Mittelfeld.

Fußballerisch gehört Trapp ganz sicher zu den Stärkeren, zu Manuel Neuer oder Marc-André ter Stegen, besser als Bernd Leno, dem Konkurrenten um Platz drei in der Nationalmannschaft, ist er allemal. Die Nationalmannschaft, für die sich der gebürtige Saarländer dreimal quer legte, ist weiterhin das ganz besondere Ziel des ehrgeizigen Trapp, die Europameisterschaft im Sommer hat er als sein großes Ziel ausgegeben. „Da möchte ich hin.“ Die Chancen stehen nicht schlecht, insbesondere deswegen, weil Trapp seit seiner Rückkehr ins Tor nicht nur spielerisch überzeugte, sondern eben auch in seiner Kernkompetenz: dem Halten von Bällen.

Eintracht Frankfurt: Fulminanter Start in die Rückrunde

Dass Eintracht Frankfurt so fulminant aus der Winterpause gekommen ist, dass der ausgangs der Hinrunde so arg schwächelnde Klub schnurstracks zurück in der Spur ist, hat neben einer taktischen Veränderung und neuer Frische auch mit der Rückkehr des Stammkeepers zu tun. Trapp, der wegen eines Anrisses der Rotatorenmanschette in der Schulter drei Monate ausgefallen war, hat der Mannschaft alte Sicherheit vermittelt, hat seinen Kasten weitgehend sauber gehalten.

Als Defensivspieler agiert man anders, selbstsicherer, ruhiger, wenn man einen Klassemann im Rücken weiß. Drei Gegentore in fünf Pflichtspielen sprechen eine deutliche Sprache, 75 Prozent aller Bälle hat der Schlussmann abgewehrt. Selbst bei der jüngsten 5:0-Gala gegen den FC Augsburg war es Trapp, der „uns im Spiel gehalten hat“, wie Trainer Adi Hütter lobte. Wer weiß, wie die Partie ausgegangen wäre ohne seine herausragenden Paraden in der ersten Halbzeit. Von den Spielen gegen Hoffenheim und Leipzig ganz zu schweigen. Und aus dem Spiel heraus hat der noch bis 2023 an Frankfurt gebundene Trapp lediglich den Treffer von Dani Olmo im Pokal (3:1) gegen Leipzig kassiert, die Gegentore in Hoffenheim und Düsseldorf resultierten nach Standards.

Kevin Trapp tut der Mannschaft einfach gut, der ist darüber hinaus kraft seiner Persönlichkeit, seines Charismas ihr Gesicht. Er ist einer, der vorangeht, dessen Worte, auch deutliche, in der Kabine Gewicht haben und Nachhall finden. Nach dem dürren 1:1 bei Fortuna Düsseldorf sprach die Nummer eins zu Recht von „einer Leistung, die nicht zu akzeptieren ist“. Sein Ehrgeiz überträgt sich aufs Team, zuletzt und nach vier Siegen und einem Remis erinnerte er an die Serie aus dem vergangenen Jahr, als Eintracht Frankfurt bis April und in elf Spielen ungeschlagen geblieben war. „Wenn es dieses Jahr wieder so wäre, wäre es schön“, sagt er wissend, dass am Freitag bei Borussia Dortmund eine etwas kniffligere Aufgabe wartet. Gerade auf ihn wird es im Hexenkessel in Dortmund und gegen 80 000 Zuschauer ankommen. Trapp weiß das natürlich, er sagt trotzdem: „In Dortmund müssen wir uns nicht verstecken. Wenn wir so auftreten wie zuletzt, ist es für jeden schwer gegen uns.“

Von Thomas Kilchenstein

Kleben gegen Rassismus: Ein Eintracht-Fan erobert gerade mit einer Aufkleber-Aktion ganz Deutschland. Auch Peter Fischer macht mit. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare