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Enttäuscht, aber torgefährlich: Martin Hinteregger.  

Eintracht Frankfurt

Martin Hinteregger - Wadenbeißer mit Stürmerblut

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    Thomas Kilchenstein
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Martin Hinteregger entwickelt immer mehr Torgefahr - Eintracht Frankfurt ist darauf angewiesen.

Ehe Martin Hinteregger im Jahr 2006 zu Red Bull Salzburg wechselte, war der kernige Bursche lange Zeit ganz schön stürmisch unterwegs. Bei der SGA Sirnitz, einem Kärtner Dorfklub in der Nähe von Feldkirchen, in dem Vater Franz noch heute Jugendleiter ist und Schwester Christina Schriftführerin, kickte der junge Hinteregger im Angriff, seit seinem siebten Lebensjahr schon, erst mit 14 Lenzen rutschte er weiter nach hinten, wurde nach und nach zu jenem prima Innenverteidiger, der er jetzt ist.

Diese Geschichte vom jugendlichen Stürmer hat Martin Hinteregger, inzwischen 27 Jahre alt, österreichischer Nationalspieler und Publikumsliebling bei Eintracht Frankfurt, nach dem 2:2 gegen Hertha Berlin erzählt, in einem Spiel, das der Linksfuß mal wieder entscheidend geprägt hatte: Er war es, der den Anschlusstreffer zum 1:2 erzielte hatte, in dem er „einfach meine Birne hingehalten“ hatte, wie er grinsend sagte, er war es auch, der den Ausgleich durch Sebastian Rode per Kopfballverlängerung vorbereitet hatte.

Eintracht Frankfurt: Martin Hinteregger ist einer der torgefährlichsten Abwehrspieler in Europa

Es war bereits Hintereggers fünftes Tor in der laufenden Bundesligasaison, öfter hat kein anderer Verteidiger getroffen. Dazu kommt ein Treffer in der Europa League (beim 2:1-Sieg gegen Standard Lüttich) und ein weiterer für die Nationalelf gegen Israel (3:1). Hinteregger zählt damit auch zum torgefährlichsten Abwehrspieler in den europäischen Top-Ten-Ligen. Innerhalb des Teams rangiert der Linksverteidiger mittlerweile hinter Stürmer Goncalo Paciencia (6) auf Rang zwei der Torjägerliste, deutlich vor den anderen beiden Stürmern André Silva und Bas Dost (je 3). „Gott sei Dank gibt es andere, die die Tore machen“, stoßseufzte Trainer Adi Hütter angesichts der aktuellen Frankfurter Stürmerflaute.

Gott sei Dank gibt es also Martin Hinteregger, den angriffslustigsten Wadenbeißer, und der hat sich vor der Saison in erster Linie ein Ziel gesetzt: mehr Tore schießen. Dazu hat er sich mit seinem Mannschaftskollegen Marco Russ zusammengesetzt, der derzeit seinen Achillessehnenriss auskuriert. Der mittlerweile 34-Jährige hat in seiner Karriere als Verteidiger in der Bundesliga 24 Tore erzielt, ziemlich viel für einen reinen Zweikämpfer, und ist damit ein bisschen Vorbild für Hinteregger. „Ihn habe ich als torgefährlichen Verteidiger in Erinnerung“, sagte Hinteregger, der sich zudem eine Reihe von Videos mit Toren von Russ angeschaut hatte. „Und Marco hat mir viele Tipps gegeben.“

Zweimal mit dem Fuß (gegen Hoffenheim und Mainz), dreimal mit dem Kopf (gegen Mönchengladbach, Bayern und jetzt Berlin) hat Hinteregger getroffen, der sich darüber hinaus immer häufiger mit in den Angriff einschaltet. Er war es auch, der am Freitagabend die erste große Chance hatte, sein Schuss wehrte der Berliner Torwart Thomas Kraft ab. In Freiburg (0:1) vor vier Wochen schließlich war Hinteregger bei der - letztlich erfolglosen - Aufholjagd der mit Abstand gefährlichste Frankfurter Akteur, fünfmal schoss er allein aufs Tor, mehr als alle anderen Frankfurter. „Ich habe“, sagt er, „extrem viel Spaß am Toreschießen.“

Eintracht Frankfurt: „Ich bin noch nicht am Ende“, sagt Martin Hinteregger

Der Frankfurter Publikumsliebling, Vertrag bis 2024, kann seine Torgefahr vor allem bei den Standards in die Waagschale werfen. In dieser Disziplin ist Eintracht Frankfurt ziemlich gut, sieben Tore resultierten in dieser Runde bereits nach ruhenen Bällen, Ligabestwert, dazu kommen fünf Tore in der Europa League. „Ich habe nie gedacht, dass Standards mal so wichtig für uns werden“, sagte der 27-Jährige, zumal jetzt, da sich die Frankfurter schwer tun damit, Tore aus dem Spiel heraus zu erzielen. Filip Kostic „schießt sie sehr gut, auch Daichi Kamada, meistens jedenfalls“. Mittlerweile habe er auch das richtige Gefühl, das richtige Timing entwickelt, wie er in die Standards einlaufen muss, bei nahezu jedem Eckball und jedem Freistoß marschiert der kopfballstarke Profi nach vorne. Am Freitag gegen Berlin schaufelten die Hessen erstaunliche 16 Eckstöße in den Strafraum, kein Wunder somit, dass beide Tore direkt nach Ecken fielen.

Fünf Tore in 13 Spielen - der gebürtige Kärtner aus Sankt Veit an der Glan fehlte lediglich am zweiten Spieltag in Leipzig -, ist eine Menge für einen Abwehrspieler, aber zufrieden ist „Hinti“ damit noch lange nicht. „Ich bin noch nicht am Ende“, versprach er.

Dass er sich womöglich noch an die Spitze der internen Torjägerliste setzen werde, sei nicht wahrscheinlich. „Wenn Bas Dost wieder fit ist und André Silva richtig fit wird, werden sie mich schon noch überholen“, sagte er und schob schmunzelnd nach: „Das hoffe ich zumindest.“

Von Thomas Kilchenstein und Ingo Durstewitz

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