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Eintracht Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic: Gelassen in die Rückrunde.

Kommentar

Eintracht Frankfurt: Panik? Welche Panik?

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Eintracht Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic spricht nach gelungenem Rückrundenauftakt von „lächerlicher Panik“ im „Umfeld“. Kann man machen - nötig ist das aber nicht. Ein Kommentar. 

Fredi Bobic ist ein Mann der klaren Worte. Und doch war er lange ruhig, als Eintracht Frankfurt am Ende der Hinrunde immer weiter Richtung Tabellenende rutschte, als die Hessen aus sieben Bundesligaspielen einen einzigen Punkt holten, als man unter anderem in Paderborn und zuhause nach einer 2:0-Führung noch mit 2:4 gegen Köln verlor. 

Eintracht Frankfurt: Die Winterpause herbeigesehnt

Bobic blieb äußerlich gelassen, nach der Niederlage gegen Paderborn nahm er die Mannschaft in die Pflicht: „Wir sind im unteren Drittel, da müssen wir uns rauskämpfen. Reden hilft nicht, nur Taten. Das haben die Jungs auch mitbekommen von uns.“ Eine „hervorragende Ausgangsposition“ habe man sich durch die Niederlagen nach dem 5:1-Triumph über die Bayern „kaputt gemacht“. Bobic setzte damals auf die kurze Winterpause, „die Phase der Regeneration soll jeder nutzen“, empfahl der Sportliche Leiter, und: „Ab Januar wird wieder angegriffen.“

Eintracht Frankfurt und die „Rückrunde  der Schande“

Der Mann hatte recht, Stand jetzt. Das ändert aber nichts daran, dass die Fans von Eintracht Frankfurt zur Winterpause aus nicht ganz unverständlichen Gründen unruhig wurden. Schon in der Vergangenheit hatten die nämlich erlebt, wie schnell es gehen kann mit einem Absturz, der am Ende in die Zweitklassigkeit führt. Auch, weil man es damals versäumt hatte, sich in der Winterpause personell zu verstärken. 

Nein, die „Rückrunde der Schande“ der Saison 2010/2011, als es die Hessen schafften, nur noch acht Punkte und einen einzigen Sieg zu holen, wird man in Frankfurt so schnell nicht vergessen. Schon mal gar nicht als Fan.

SGE: Bobic spricht von lächerlicher Panik

Damals war Fredi Bobic natürlich noch nicht Sportvorstand von Eintracht Frankfurt. Und so wundert es vielleicht auch nicht, dass Bobic, nach dem überaus erfolgreichen Start in die aktuelle Rückrunde und nach dem Kantersieg gegen Angstgegner Augsburg zum kleinen Seitenhieb ausholte: „Wir haben endlich mal Pause gehabt. Und jeder, der das nicht begreifen möchte, der muss das auch mal selbst erlebt haben - und wenn er es nicht selbst erlebt hat, kann er auch nicht davon reden. Diese Panik, die wir im Umfeld gehabt haben, ist lächerlich gewesen“, äußerte sich Bobic etwas patzig gegenüber denen, die nach der Hinrunde Kritik geäußert hatten. Diese Kritik, so Bobic, habe die Sportliche Leitung kalt gelassen: „Wir sind ruhig geblieben und haben Vertrauen in die Mannschaft gehabt.“

Eintracht Frankfurt: Gebranntes Kind in Sachen Abstieg

Genau so ist es. Man muss das alles mal selbst erlebt haben. Dazu gehört aber nicht nur der Verweis auf die dringend nötige Pause, die Bobic selbst im September 2019 noch mit den Worten „wir haben jetzt schon wieder elf Pflichtspiele gehabt, bis Ende Dezember sind es 31 Pflichtspiele. Na und? Wir jammern aber nicht, sondern spielen diese Spiele einfach“ vorab vom Tisch gefegt hatte, sondern auch das Bewusstsein für das, was die empfinden, die damals den schweren Gang ins Unterhaus mitgegangen sind. 

Von „Panik“ war übrigens nicht viel zu spüren im omnipräsenten und oft zitierten Umfeld, wer oder was auch immer damit gemeint ist. Höchstens die nicht ganz unbegründete Angst davor, dass so etwas wie vor zehn Jahren erneut passieren könnte. Gebranntes Kind scheut das Feuer. Und in Frankfurt weiß man halt, wie gefährlich ein Brand sein kann. „Lächerlich“ ist das nicht, das sollte auch Herr Bobic wissen. Bei aller persönlichen Freude darüber, dass er am Ende des Tages vielleicht recht behalten wird.

Von Stefan Krieger

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