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Eintracht Frankfurt will seine Leistungsträger halten - aber nicht um jeden Preis.

SGE

Jovic, Haller & Co. - Die entscheidende Transferphase hat begonnen

Hinter den Kulissen der Fußball-Bundesliga hat das Pokerspiel auf dem Transfermarkt begonnen. Mittendrin auch die Frankfurter Eintracht.

Frankfurt - Die letzte zündende Idee hatte Stefan Effenberg. Der frühere Nationalspieler kam dieser Tage mit dem Vorschlag um die Ecke, Borussia Dortmund möge sich doch bitte Gedanken darüber machen, den bei Bayern München in Ungnade gefallenen Jerome Boateng aus seinem Vertrag auszulösen und den Verteidiger unter seine Fittiche zu nehmen. Boateng sei der "perfekte Stabilisator", um den Bayern im Meisterschaftskampf Paroli zu bieten.

In Dortmund haben sie das nicht ganz so ernst genommen, sie haben ihre Hausaufgabe ja ohnehin schon gemacht, gleich dreimal sehr hochpreisig und hochkarätig auf dem Transfermarkt zugeschlagen: Julian Brandt, Thorgan Hazard und Nico Schulz heuern für rund 80 Millionen Euro in Westfalen an. Hinzu kommen 21 Millionen, die der BVB in diesem Sommer noch für die feste Verpflichtung von Paco Alcacer an den FC Barcelona überweisen muss. Kein Wunder, dass die Verantwortlichen der Borussia erst einmal schauen, den aufgeblähten Kader zu verschlanken. Die immer wieder mal ins Spiel gebrachten Profis wie Mario Mandzukic von Juventus, Malcom vom FC Barcelona oder Duvan Zapata von Atalanta Bergamo sind da zunächst einmal kein Thema. Genauso wenig wie Sebastian Haller von Eintracht Frankfurt.

Der Franzose galt nicht erst als Kandidat, seit das Wettportal (!) Sportwetten24 diese Meldung jüngst in die Welt setzte und Gott und die Welt sie ungefiltert abschrieb. Nein, die Dortmunder hatten den Mittelstürmer tatsächlich auf dem Schirm, schon im Herbst des vergangenen Jahres und auch im Frühjahr 2019 befassten sie sich mit dem fast 25 Jahre alten Angreifer. Sie stuften ihn als interessanten Mann ein. Der aber seinen Preis hat: 30, 35 Millionen Euro würden für Haller fällig. Auch West Ham und Newcastle United haben ein Auge auf den wuchtigen Stürmer geworfen, in England, das ist kein Geheimnis, würde Haller, vor zwei Jahren für sieben Millionen Euro vom FC Utrecht gekommen, gerne mal unterkommen. Nach dem letzten Saisonspiel in München äußerte er sich etwas kryptisch bezüglich seiner Zukunft. Versprechen, ließ er verlauten, könne er nichts, im Fußball könne alles passieren.

Eintracht Frankfurt: Haller soll bleiben

Zurzeit passiert erst einmal nichts. Die Eintracht-Verantwortlichen sind nicht besonders erpicht darauf, ihren Topstürmer abzugeben, auch wenn Vorstand Axel Hellmann zu bedenken gibt: "Wenn Spitzenvereine anklopfen, werden wir nicht jeden Spieler halten können." Da geht es weniger um die vertragliche Bindung, sondern darum, dass man einen Spieler, der weg will, nur in absoluten Ausnahmefällen halten kann. Ein Verein muss da auch immer wirtschaftliche Vernunft walten lassen. Zumal die Eintracht zwar eine Menge Geld in ihr Personal steckt, 2018 bereits 72 Millionen Euro, aber dennoch "ein Wachstum mit Augenmaß" (Hellmann) anstrebt.

Und natürlich ist ein Club bestrebt, den besten Preis für sich zu erzielen, so wie es die Eintracht mit Luka Jovic versucht. Und der FC Augsburg mit dem nach Frankfurt verliehenen Abwehrrecken Martin Hinteregger, der mit der Eintracht über eine Festanstellung längst handelseinig ist. FCA-Manager Stefan Reuter aber will sich nicht abspeisen lassen, pocht auf einen zweistelligen Millionenbetrag als Ablöse. Er bringt auch andere, womöglich zahlungskräftigere Clubs ins Spiel. Doch gegen die Interessen des Spielers ist es nicht möglich, ihn andernorts unterzubringen. Das Ganze ist eher Teil eines Pokerspiels, bei dem Geduld und Nerven gefragt sind.

Auch bei Haller werden die Frankfurter vieles versuchen, um ihn argumentativ von einem Verbleib zu überzeugen. Welchen Wert er für den Verein hat, zeigte sich deutlich wie nie, als er unpässlich war: Da purzelte die Eintracht aus den Champions-League-Rängen hinaus und fast gänzlich aus dem europäischen Geschäft. In Dortmund haben sie Haller nicht aus ihrem Kopf gestrichen, aber sie wägen genau ab, zumal BVB-Boss Hans-Joachim Watzke generell Bedenken hat, zu viel Personal für eine Position zu haben. Trainer Lucien Favre favorisiert ohnehin eher weniger wuchtige und kantige Stürmer.

Eintracht Frankfurt: Was passiert mit Rode?

Auch Sebastian Rode spielt beim eigenwilligen Schweizer keine Rolle. Der so schwer am Knorpel im Knie verletzte Spieler wurde schon aussortiert, als er noch gesund war. Der 28-Jährige, zuletzt nach Frankfurt ausgeliehen, hat in Dortmund noch einen Vertrag bis 2020 - doch keine Perspektive mehr. Auf eine Ablöse dürfen die Westfalen für Rode freilich nicht hoffen, es wäre ja widersinnig, wenn die Eintracht für einen schwer verletzten Profi eine Entschädigungszahlung tätigen würde, zumal er, im besten Fall, erst in einem halben Jahr wieder zur Verfügung steht. In drei Wochen muss der Verein nicht mehr für das Gehalt des Südhessen aufkommen, dann werden die Berufsgenossenschaft und eine private Zusatzversicherung einspringen. Die Eintracht würde den Mann aus Alsbach-Hähnlein, der sich sofort zum Leistungsträger aufschwang, trotz des maladen Knies gerne halten.

VON INGO DURSTEWITZ

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